Handbuch 5. Auflage

1390  Markert · Wieseler  schen, Kinder, Migranten, Behinderte etc.) oder ausgewählte soziale Probleme (Armut, Arbeitslosig- keit, Sozialhilfe etc.) behandeln (Noll 1997). Bei den Akteuren unterscheidet Noll im Wesentlichen zwischen amtlichen Institutionen wie Bundes- und Länderministerien sowie statistischen Ämtern und nicht-amtlichen Institutionen. Auf der räumlichen Ebene differenziert er zwischen supranational, national, regional oder lokal orien- tierter Berichterstattung. Auf der supranationalen Ebene sind die Reports der internationalen Orga- nisationen wie der OECD, der Vereinten Natio- nen, der Weltbank oder EU zu nennen, die in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt wurden. Sie ermöglichen zum Teil einen internationalen Vergleich der Lebensbedingungen. Der für die Bundesrepublik zentrale Datenreport (Statistisches Bundesamt 2008; 2006) oder das SOEP (DIW 2008) beziehen sich primär auf die nationale Ebene, in verschiedenen Bundesländern finden sich regionale Berichtskonzepte (z. B. Landessozial- berichte NRW). Auf der lokalen Ebene – die im Weiteren näher betrachtet wird – ist auf die inzwi- schen vielfältigen Ansätze der kommunalen Sozial- berichterstattung hinzuweisen (bspw. Mardorf 2006; Otto /Karsten 1990). Kommunale Sozialberichterstattung Auf der lokalen bzw. regionalen Ebene lassen sich – komplementär zu den skizzierten Aufgaben und Zielsetzungen – eine Reihe spezifischer Kon- stitutionsmerkmale und Funktionsbestimmungen nachzeichnen. Neben teilweise divergierenden Definitionen beziehen sich diese Spezifika im We- sentlichen auf die zugrunde gelegten Gestaltungs- prinzipien, den Entstehungskontext und die kon- zeptionellen Dimensionierungen kommunaler Sozialberichterstattung sowie auf die in diesem Zusammenhang verwendeten Methoden und an- visierten Ziele. Sozialpolitische Rahmenbedingungen und Gestaltungsaufgaben Eingebettet sind Prozesse und Strukturen kom- munaler Sozialberichterstattung in das (aus der All- zuständigkeit der Kommunen für die lokalen Le- bensbedingungen resultierende) Prinzip der „kommunalen Sozialstaatlichkeit“. Dieser – zu- mindest dem Anspruch nach – für das Handeln kommunaler Verwaltungs- und Politiksysteme prägende Ansatz schreibt den Kommunen generell zwei grundlegende Gestaltungsaufgaben zu (Ha- nesch 1999, 45 ff.): Diese liegen im Wesentlichen in der Bereitstellung materieller Sicherungsleis- tungen sowie in der Schaffung einer sozialen In- frastruktur, die sich aus stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten für unterschiedliche Bedarfs- und Problemlagen zusammensetzt. In ei- nem weiter gefassten Sinn kommt den Kommunen in diesem Zusammenhang eine als Lebenslagen- politik interpretierbare sozialpolitische Aufgabe zu, „die durch eine sozial ausgewogene Stadtentwick- lung eine möglichst gleichmäßige Entwicklung und Verteilung von Lebenschancen und Lebens- bedingungen für die Bürger des örtlichen Gemein- wesens anstrebt und dem Ziel der Schaffung bzw. Erhaltung eines integrierten, funktionsfähigen Ge- meinwesens verpflichtet ist“ (Hanesch 1999, 46). Angesichts der seit einigen Jahren zu verzeichnen- den Verdichtung, Verschärfung und Segregation sozialer Problem- und Armutslagen hat dieser sozi- alpolitische Gestaltungsauftrag für zahlreiche Kommunen (zumindest potenziell) einen erhöhten Interventions- und Steuerungsbedarf zur Folge. Entwicklung und Bezugskontexte kommunaler Sozialberichterstattung Betrachtet man vor diesem Hintergrund die his- torische Entwicklung, so lassen sich in der Bundes- republik erste systematische Ansätze kommunaler Sozialberichterstattung in den 1980er Jahren er- kennen. Angesichts der in dieser Dekade kumulie- renden wirtschaftlichen und sozialen Krisenten- denzen wurde in vielen Kommunen die Intensivierung und Institutionalisierung regionaler Sozialberichterstattung als ein eigenständiges sozi- alpolitisches Gestaltungs- und Steuerungsinstru- ment zur Bekämpfung und Regulierung sozialer Problemlagen angesehen. Insbesondere im Hin- blick auf die sich verfestigende und auf der lokalen Ebene virulent werdende (Massen-)Arbeitslosigkeit und die Ausweitung der „Neuen Armut“, die sich nicht zuletzt in einer steigenden Anzahl von Sozial- hilfeempfängerInnen ausdrückte, wurde die auf-

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