Handbuch 5. Auflage

1392  Markert · Wieseler  abredungen über Datenzugänge zurechnen“ (Bar- telheimer 2001, 254),während Prozessqualität u. a. die „Akteursbeziehungen, die Verständigung über Berichtskonzepte und Berichtsziele, ferner der Be- richtsrhythmus und die Beratung der Expertise“ (Bartelheimer 2001, 256) umfasst. Aspekte der Ergebnisqualität lassen sich schließlich bspw. an einer verbesserten Datengrundlage, der Entwick- lung geeigneter Indikatoren oder der Formulierung von Handlungsoptionen festmachen. Hiervon ab- weichend werden in anderen Ansätzen Qualitäts- kriterien für die Ebenen der an der Sozialbericht- erstattung beteiligten Akteure, die verwendeten Methoden sowie die Integration verschiedener Le- benslagendimensionen definiert (Meier-Gräwe et al. 2005). Neben und teilweise quer zu den skizzierten Ent- wicklungsprozessen finden seit den 1990er Jahren Elemente kommunaler Sozialberichterstattung mehr oder minder systematisch ihren Niederschlag in den Bemühungen zur Modernisierung der kom- munalen (Sozial-)Verwaltung. Bei dieser, unter dem Stichwort der „Neuen Steuerung“ in vielen Kommunen durchgeführten Verwaltungsreform kommt im Rahmen von Controllingprozessen der Analyse und dem Vergleich bestehender Versor- gungssysteme bzw. der Beschaffung quantitativer Daten über zuvor definierte Leistungs- und Fi- nanzziele eine wesentliche Bedeutung zu. Imma- nent ist diesem Bezugskontext jedoch ein oftmals sozialtechnologisches verkürztes Verständnis sozia- ler Berichterstattung / -planung, das im Kern von einer betriebswirtschaftlich geprägten Steuerbar- keit sozialer Dienstleistungsprozesse ausgeht. Betrachtet man die konkrete personale und organi- satorische Verankerung kommunaler Sozialbericht- erstattungen und -planungen, lassen sich in der Praxis nach wie vor erhebliche Unterschiede be- obachten. In diesem Zusammenhang unterscheidet etwa der „Verein für Sozialplanung“ die folgenden Organisationsformen: „hochentwickelte Referate, Stabsstellen in Dezernaten oder im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung, Abteilungen, Arbeits- gruppen, EinzelplanerInnen, Sozialberichte durch Statistische Ämter, Kooperation mit externen Bera- tungs- und Forschungsinstitutionen etc.“ (VSOP 1994, 7). Abhängig ist die jeweilige Organisations- form kommunaler Sozialplanung und -bericht- erstattung in der Regel von lokalen Besonderheiten und Traditionen. Seit Beginn dieses Jahrhunderts werden Diskussio- nen zu den Zielen, Konzepten, Methoden und Qualitätsdimensionen vermehrt unter dem Label einer integrierten Sozialberichterstattung geführt (bspw. Lutz 2003; Mardorf 2006). Dabei steht der Begriff „integriert“ für eine Sichtweise, die „eine ganzheitliche, ressortübergreifende Betrachtung von sozialen Lagen vor Ort“ ermöglicht (Meier- Gräwe et al. 2005, 206) und somit Querverbin- dungen und Wechselwirkungen unterschiedlicher Lebenslagen und Dimensionen berücksichtigt. Kennzeichnend für die entsprechenden Ansätze ist die Verwendung von multidimensionalen Integra- tionskonzepten, die sowohl auf die Einbeziehung aller relevanten Akteursgruppen und Ressorts, die Nutzung verschiedener Methoden und Datenquel- len abheben als auch unterschiedliche Sozialräume und Lebenslagendimensionen berücksichtigen so- wie kommunale Sozialberichterstattungen syste- matisch mit Prozessen kommunaler Sozialplanung verknüpfen. In diesem Sinne lässt sich integrierte Berichterstattung gewissermaßen als Gegenmodell zu der traditionellen Form kommunaler Sozialbe- richterstattung auffassen, die „aus der Perspektive einer einzigen Fachplanung ein Einzelthema iso- liert, kontextlos und interdependenzfrei betrachtet, ohne zu werten, das Ganze großräumig und unter alleinigem Rückgriff auf veraltete, ausschließlich quantitative Datenzugänge abbildet, ohne schließ- lich in eine sozialplanerische oder sozialpolitische Umsetzung zu münden“ (Meier-Gräwe et al. 2005, 207). Diese konzeptionelle Neuausrichtung verweist mit Nachdruck auf den engen Zusammenhang zwi- schen kommunaler Sozialberichterstattung und -planung. Bei dessen konkreter Ausgestaltung las- sen sich jedoch divergierende Auffassungen hin- sichtlich des Umfangs und der Reichweite von Be- richterstattungsprozessen im Kontext kommunaler Sozialplanungen nachzeichnen. So treten einige AutorInnen dafür ein, die Funktion kommunaler Sozialberichterstattung substanziell zu erweitern und neben der als Ist-Analyse beschreibbaren Be- obachtung ausgewählter sozialer Entwicklungen und Rekonstruktion bestehender Hilfesysteme auch verstärkt Prozesse der Bedarfsermittlung als Aufgabe kommunaler Sozialberichterstattung zu definieren (z. B. Meier-Gräwe et al. 2005). Andere Ansätze plädieren demgegenüber dafür, Sozialbe- richterstattung auf die Beschreibung und Erklärung

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