Handbuch 5. Auflage

Sozialberichterstattung und Sozialplanung 1393 sozialer Prozesse und Strukturen zu beschränken (Barlösius /Köhler 1999). Breiter Konsens gegen- wärtiger fachlicher und fachpolitischer Diskurse besteht vor diesem Hintergrund darin, Sozialbe- richterstattung systematisch auf eine partizipations- und prozessorientierte kommunale Sozialplanung zu beziehen und hierbei Prozesse der Sozialbericht- erstattung von proaktiven und (sozial-)planerischen Gesichtspunkten zu entkoppeln. Ergebnisse kom- munaler Sozialberichterstattung, die bspw. im Rah- men von Sozialraumanalysen erzielt worden sind, lassen sich entsprechend in einem nächsten, von der eigentlichen Sozialberichterstattung getrennten Schritt einer diskursiven und politischen Aufberei- tung im Kontext kommunaler Sozialplanungspro- zesse zugänglich machen. In diesem Sinn über- nimmt kommunale Sozialberichterstattung die Funktionen der Vermittlung zwischen Problem- erkennung und Leistungsgestaltung, der Effekti- vierung und Versachlichung politischer Diskurse, der Vorbereitung sozialpolitischer und -planerischer Entscheidungen und fungiert als Grundlage zen- traler Steuerungsinstrumente. Konkrete Ressour- cenentscheidungen und Maßnahmeplanungen werden demgegenüber im Kontext von Sozialpla- nungsprozessen getroffen – ebenso die Evaluation planungsinduzierter Maßnahmen. Kommunale Sozialberichterstattung avanciert in dieser Systema- tik zu einem „handlungsentlastenden Partner der kommunalen Sozialplanung“ (Bartelheimer 2001, 117). Eine so verstandene kommunale Sozialpla- nung stellt somit weniger die Erstellung fertiger Planungsberichte in den Mittelpunkt, sondern stärker das regelmäßige Initiieren von Aushand- lungsprozessen bzw. Aspekte einer verstetigten und institutionalisierten Evaluation sozialer Praxis. Ide- altypisch umfasst ein solches dynamisches Pla- nungsverständnis die folgenden, sich tendenziell überlagernden und in einen zirkulären Prozess ein- zubindenden Phasen und Grundelemente: Kontinuierliche Sozialberichterstattung: Bestand- 1. teile dieses kommunalen, indikatorengestützten Monitorings sind – wie skizziert – die Analyse der im Planungsgebiet bestehenden Sozialstruktur und Lebensverhältnisse sowie die Analyse der entspre- chend vorhandenen sozialpädagogischen Infra- struktur und Hilfesysteme, Bestandsbewertung und Bedarfsermittlung, 2. Maßnahmedefinition und Prioritätenfestlegung, 3. Umsetzung und Evaluation konkreter Maßnahmen 4. sowie Fortschreibung der Sozialplanung. Entwicklungsanforderungen und Perspektiven Um den beschriebenen Funktionen bzw. den skiz- zierten Steuerungs- und Gestaltungspotenzialen möglichst effektiv, effizient und umfassend Rech- nung tragen zu können, erscheint eine stärkere und flächendeckende Institutionalisierung kommuna- ler Sozialberichterstattungs- und Sozialplanungs- systeme zwingend notwendig. In diesem Zusam- menhang sind zum einen die unter dem Stichwort der Sozialberichterstattung skizzierten Gesichts- punkte einer Einbeziehung aller zentralen Akteurs- gruppen sowie einer Berücksichtigung unterschied- licher Sozialraum- und Lebenslagendimensionen, einschließlich ihrer etwaigen Wechselwirkungen und Interdependenzen, in den Blick zu nehmen. Hierzu ist es notwendig, die bestehenden ziel-, raum-, problem- oder interventionsbezogenen Be- richterstattungen und Planungen systematisch auf- einander abzustimmen und aufeinander zu bezie- hen. Zum anderen wird es zukünftig in organisationsbezogener Hinsicht grundlegend da- rauf ankommen, kommunale Sozialberichterstat- tung und Sozialplanung mit adäquaten Ressourcen auszustatten und zu verstetigen sowie Impulse und Projekte kommunaler Sozialberichterstattung sys- tematisch und zeitnah in Prozesse der Intra- und Interorganisationsentwicklung, die vor allem auf eine Erhöhung der organisationalen Eigenkom- plexität und Reflexivität sowie die Implementie- rung partizipativer Strukturen abzielen, einzubin- den (Markert 2003). Hierzu erforderlich ist nicht zuletzt eine weitere Forcierung eines entsprechen- den Professionalisierungsprozess, der u. a. interdis- ziplinäre Betrachtungsweisen fokussiert. Des Wei- teren ist auf der Ebene der zugrunde gelegten Methoden von zentraler Bedeutung, quantitative mit qualitativen Verfahren (wie bspw. der Doku- mentation von Fallbeispielen oder der Durchfüh- rung von ExpertInneninterviews) kreativ zu ver- knüpfen sowie die vielfach bestehenden Defizite des inter- und intrakommunalen Datenmanage- ments zu minimieren bzw. die Anschlussfähigkeit unterschiedlicher Berichtssysteme und -ebenen zu

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