Handbuch 5. Auflage
1406 Kutscher 36) sich nicht bewahrheiten, scheint diese Rah- menbedingung die Hürden für die Herstellung einer großen Offenheit („self-disclosure“, Join- son / Paine 2007) im Vergleich zur face-to-face- Beratung deutlich zu senken. Für Professionelle stellt dies allerdings eine Veränderung des Bera- tungsverhältnisses dar, da auf diese Weise die Kontrolle über Form, Fortgang und Verpflich- tungsgrad der Beratung weitgehend auf Seiten der AdressatInnen liegt (Arnold 2003; kritisch: Klein 2008, 505 ff.). Seit den 1990er Jahren hat sich die Onlineberatung als ein Hauptfeld Sozialer Arbeit im Internet etab- liert (Kühne /Hinterberger 2009). Sämtliche The- menbereiche der face-to-face-Beratung bilden sich mittlerweile im Internet ab. Die Funktionen von Onlineberatung können als Information über Hilfemöglichkeiten, psycho- soziale Beratung, Therapievermittlung oder Kri- senintervention bezeichnet werden, wobei eine eindeutige Abgrenzung zu „Cyberpsychologie“ (Huber 2006) teils diffus bleibt. Onlineberatung wird sowohl in synchroner (zeit- gleich, z. B. Chat – Heider 2008) als auch asyn- chroner (zeitversetzt, z. B. E-Mail – Weinhardt 2009; Knatz /Dodier 2003; Foren – Klein 2008) Form angeboten. Ein weiteres Differenzierungskriterium für Online- beratungsangebote stellt die personale Struktur dar, u. a. das Verhältnis zwischen Professionellen und Laien in der Beratungskommunikation. So gibt es Angebote, in denen ausschließlich profes- sionelle SozialarbeiterInnen / -pädagogInnen bera- tend tätig sind, Mischformen, in denen sowohl Professionelle als auch PeerberaterInnen oder auch andere NutzerInnen beraten und Websites, die aus- schließlich durch UserInnen genutzt werden (z. B. Selbsthilfeforen) und jeweils unterschiedliche Un- terstützungsformen anbieten. Klein ordnet hierbei „normalen NutzerInnen“ Unterstützung in Form von Anerkennung, emotionalem Beistand und ka- meradschaftlicher Hilfe, PeerberaterInnen Unter- stützung ebenfalls durch Anerkennung, emotiona- lenBeistandabererweitertdurchInformationshilfen und Professionellen Unterstützung durch An- erkennung und Informationshilfen sowie durch eine Erweiterung sozialer Netzwerke zu (Klein 2008, 331). Deutlich wird dabei, dass Angebote, die eine Mischform an Beratungsrollen vorsehen, eine entsprechend größere Bandbreite an Unter- stützungsformen eröffnen. Gleichzeitig erfolgt die Unterstützungssuche und –inanspruchnahme je nach medialer Form, NutzerInneninteressen und Nutzungsmöglichkeiten unterschiedlich. So erlau- ben z. B. Foren durch ihre öffentliche und damit transparente Form eine „lurkende“ Nutzung, d. h. Beiträge anderer und die darauf folgende Kom- munikation zu lesen ohne selbst etwas schreiben zu müssen (Klein 2008, 379 ff.). Inwiefern die jeweiligen Angebote auch nutzerIn- nenseitig auf Zuspruch stoßen, kann durch das analytische Modell der Passungsverhältnisse be- trachtet werden, d. h. die Nutzung eines Angebots ist abhängig von der inhaltlichen, medialen und personalen Passung zwischen Angebot und Nutze- rInnen (Klein 2008, 533 ff.), die in jeder der drei Dimensionen jeweils unterschiedlich ausfallen kann und damit die faktische Nutzung eines In- ternetangebots zum Resultat komplexer Zusam- menhänge macht. Eine zentrale Funktion des Internet auch im Feld Sozialer Arbeit ist das Zugänglichmachen von In- formation . In der Fachwelt ist mittlerweile eine Reihe von Informationsportalen zu finden (z. B. Deutschland: www.sozialarbeitsnetz.de , www.so- ziales-netz.de , www.sozialarbeit.de , www.socialnet. de; international: www.socwork.de, www.socmag. de, www.socialworker.com, 20.05.2010), die In- formationen über Publikationen, aktuelle Diskurse und professionsbezogene wie sozialpolitische Ent- wicklungen vorhalten. Für AdressatInnen gibt es eine große Bandbreite an Selbsthilfeforen, Infor- mationsseiten von Anbietern zu deren jeweiligen (häufig Beratungs-) Themengebieten sowie Portale für spezifische Zielgruppen. Dem Internet wird aus pädagogischer Perspektive besondere Relevanz für die Ermöglichung von Bil- dungsteilhabe zugeschrieben (Marotzki et al. 2000; Jörissen /Marotzki 2008). Hierbei wird insbeson- dere der Aspekt informeller Bildung unter den Be- dingungen selbstgesteuerter Aneignungsprozesse diskutiert (Cleppien et al. 2003; Zwiefka 2007). Marotzki et al. vertreten die These, dass Bildung im Kontext des Internet die Generierung von Ver- fügungswissen, den Aufbau von Orientierungswis- sen und die Ermöglichung von Reflexion sowie (Selbst-)Artikulation befördern kann (Marotzki et al. 2003, 2 ff.). Andere Perspektiven gehen davon aus, dass hyper- mediale Lernumgebungen besondere Lernprozesse
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