Handbuch 5. Auflage

1446 Chytil · Gojová · Nedelniková  (Gabura / Pružinská 1995), während an der Uni- versität in Nitra die Sozialarbeit als eine Funktion der Sozialpolitik betrachtet wird (Tokárová 2003). Das Fach Sozialarbeit kann man in vielen Ländern an Hochschulen bis zur Stufe des Doktoranden- studiums studieren. Nach dem Sturz der kommunistischen Regime war es ziemlich einfach, diejenigen Bestandteile der Bürgergesellschaft wieder zu beleben, die von ih- rem Charakter her eher unpolitisch waren. Die ersten Sprösslinge der neuen Bürgergesellschaft traten in Form von Karitas-Vereinen in Erschei- nung. Die Wiederbelebung oder Gründung tat- sächlicher Berufsverbände war komplizierter. Der Grund lag nicht nur darin, dass diese in dem kom- munistischen Regime oft gar nicht existieren durf- ten, sondern auch in der Tatsache, dass solche In- stitutionen von ihrem Charakter her oft von übergreifender Bedeutung sind, und zwar in der Richtung der Beeinflussung der politischen Macht, die, wie sich in den postkommunistischen Ländern zeigt, bei der mangelnden Erfahrungen mit dem Funktionieren der Demokratie, gegenüber allen Formen der Einflussnahme sehr empfindlich ist und oft solche Gruppierungen nicht als Quelle ei- ner Inspiration, sondern als mögliche Konkurren- ten ansieht (Pehe 2000). Trotzdem entstanden in diesen Ländern Berufsorganisationen, in Russland zum Beispiel waren es am Anfang der 1990er Jahre die Assoziation der Sozialpädagogen und Sozial- arbeiter, die Assoziation der Sozialarbeiter, die As- soziation der Mitarbeiter in sozialen Dienstleis- tungen und die Assoziation der Schulen für Sozialarbeit (Iarskaia-Smirnova / Romanov 2004), in Slowenien waren es in der Mitte der 1990er Jahre die Assoziation der Organisationen für Sozi- alarbeit Sloweniens und in Ungarn die Allianz der Professionellen im Bereich Sozialwesen (Dar- vas /Kozma 2007). Im Jahre 2000 wurde nach vielenTransformationen die Kroatische Assoziation der Sozialarbeiter gegründet. Das Maß deren Par- tizipation an der Gestaltung der Sozialarbeit ist verschiedenartig, zu ihren Tätigkeiten gehören die Herausgabe von Fachzeitschriften (z. B. Socijalni Rad in Kroatien) oder auch die Formulierung ethi- scher Kodexe (z. B. in Ungarn (Darvas /Kozma 2007), in der Tschechischen Republik). An dem Aufbau einer Berufskultur beteiligen sie sich aber oft nur eingeschränkt und ihre Wirkung ist zer- splittert. In diesem Zusammenhang ist zu erwäh- nen, dass es in der Tschechischen Republik keine einheitliche Dach-Organisation gibt, mit der sich alle Sozialarbeiter identifizieren könnten (Janebová 2005). Die legislative Verankerung der Profession / des Berufs des Sozialarbeiters und der Sozialarbeit weist ziemlich umfangreiche nationalbezogene Verschie- denheiten auf. In Polen können auf Grund eines Gesetzes über die Sozialhilfe aus dem Jahre 2004 als Sozialarbeiter sowohl Absolventen der Schule für Mitarbeiter in sozialen Dienstleistungen (zwei- einhalb Jahre dauernde Ausbildung, bis 2005) als auch Absolventen der Hochschulausbildung in der Sozialarbeit, wie auch Absolventen der Hochschul- ausbildung indenBereichenPädagogik, Spezialpäd­ agogik, Politologie, Sozialpolitik, Psychologie, Soziologie und Familienwissenschaft mit der Spe- zialisierung Sozialarbeit arbeiten. Auf Grund einer Vorschrift des Ministeriums für Arbeit und Sozial- politik aus dem Jahre 2008 wurden der Inhalt und der Umfang der Ausbildung für Sozialarbeiter, be- stehend aus einer theoretischen und einer prakti- schen Vorbereitung, festgelegt (Ustawa o pomoci spolecznej 2007). Die eigentliche Ausübung der Sozialarbeit regelt dann der Inhalt eines Gesetzes über die Sozialhilfe aus dem Jahre 2004. In diesem Gesetz ist die Sozialarbeit als eine professionelle Tätigkeit definiert, deren Ziel darin besteht, Ein- zelpersonen und Familien zu helfen sowie soziale Funktionen mittels der Erfüllung der sozialen Rol- len und der Herstellung von Bedingungen zur Er- reichung dieses Zieles zu bewältigen (Ustawa o pomoci spolecznej 2007). In Litauen werden der Charakter der Positionen und die Tätigkeiten der Sozialarbeiter sowie der Assistenten der Sozial- arbeiter durch Richtlinien aus dem Jahre 2000 ge- regelt. Die Tätigkeiten sind von der Ausbildung, den praktischen Erfahrungen, der Teilnahme an der Weiterbildung und der Qualität ihrer Arbeit abhängig (Lazutka et al. 2004; Źalimiene 2003). In der Slowakei sind die Qualifizierungsanforderun- gen in Bezug auf die Ausübung der Sozialarbeit ein Bestandteil des Gesetzes über den sozial-recht- lichen Schutz von Kindern (Zákon 2005) und über die soziale Vormundschaft im Bereich der Sozial- arbeit. Gemäß dieser Vorschrift dürfen einige Tä- tigkeiten nur von solchen Personen ausgeübt wer- den, die eine Hochschulausbildung im Bereich der Sozialarbeit absolviert haben. Laut einer Verord- nung der Regierung der Slowakischen Republik

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=