Handbuch 5. Auflage
Soziale Arbeit in Mittel- und Osteuropa 1447 aus dem Jahre 2007 für die Ausübung der Sozial- arbeit gemäß eines Gesetzes über die Sozialhilfe (Zákon 1998) sowie eines Gesetzes über den sozial- rechtlichen Schutz von Kindern und der sozialen Vormundschaft wird als Qualifikation eine Hoch- schulausbildung im Bereich der Sozialarbeit gefor- dert. In Rumänien betrifft eine entsprechende Re- gelung solche Sozialdienstleistungen, die von Fachkräften im Bereich der Sozialarbeit angeboten werden sollen. Solche Arbeitskräfte sollten entwe- der eine Hochschulausbildung im Bereich der So- zialarbeit abgeschlossen haben oder Absolventen von Kursen für die Erwachsenenbildung sein (Ciot 2004). Auf eine ähnliche Art und Weise ist in der Tschechischen Republik insbesondere der Bereich der sozialen Dienstleistungen rechtlich geregelt. Im Jahre 2007 trat in diesem Land ein Gesetz über soziale Dienstleistungen (Zákon 2006) in Kraft, in dem der Inhalt der Tätigkeit eines Sozialarbeiters in sozialen Dienstleistungen und seine Qualifizie- rung zur Ausübung dieser Tätigkeiten festgelegt sind. Als fachliche Qualifizierung wird eine höhere Fachausbildung oder eine fachbezogene Hoch- schulausbildung anerkannt. In Übereinstimmung mit der tschechischen Legislative brauchen die Anbieter eine Berechtigung zur Ausübung von so- zialen Dienstleistungen. Als Kontrollmechanismen dienen sog. Qualitätsinspektionen, die auf Quali- tätsstandards für soziale Dienstleistungen, fest- gelegt vom Ministerium für Arbeit und Sozialwe- sen, basieren. Im Falle der Nichteinhaltung dieser Standards kommt es zu einem Entzug der Berech- tigung für die Ausübung von sozialen Dienstleis- tungen. Das Gesetz regelt aber nur die Tätigkeiten und die Qualifizierung für den Bereich der sozialen Dienstleistungen. Neben den sozialen Dienstleis- tungen sind Sozialarbeiter im Bereich des sozial- rechtlichen Kinderschutzes, im Gesundheitswesen (z. B. in Krankenhäusern), in den Ressorts des Schulministeriums (z. B. in Kinderheimen), des Innenministerium (z. B. Arbeit mit Flüchtlingen), und des Justizministeriums (Bewährungs- und Me- diationshilfe) tätig. Die Qualifizierung von Sozial- arbeitern im Ressort Gesundheitswesen und für den sozial-rechtlichen Schutz von Kindern ist zwar formal geregelt, aber diese Regelung unterscheidet sich von der Befähigung für die sozialen Dienstleis- tungen. In vielen weiteren Bereichen sind die Qua- lifizierungsbedingungen gar nicht festgelegt, die Regeln für die Qualifizierung und für die Leis- tungsstandards sind deswegen nicht allgemein ver- bindlich; eine ressortübergreifende Kommunika- tion funktioniert also nur mit Schwierigkeiten. In Ungarn gibt es in diesem Zusammenhang seit dem Jahre 2000 eine rechtliche Regelung für die Basis- ausbildung von Professionellen in den sozialen Dienstleistungen, der Begriff Sozialarbeiter ist aber immer noch nicht genügend verankert, die Profes- sion ist mit einem niedrigen Prestige und einer schlechten finanziellen Honorierung verbunden (Darvas /Kozma 2007). Heutige Probleme der Sozialarbeit in Mittel- und Osteuropa Die Sozialarbeit in Mittel- und Osteuropa muss sich mit vielen ähnlichen Problemen, die sich aus den sozialökonomischen Problemen der einzelnen Länder ergeben, auseinandersetzen. Die mit der sozialen Exklusion, Armut und Arbeitslosigkeit verbundenen Probleme nehmen zu (Lazutka et al. 2004; Béla 2004; Rybka 2006; Komáromi / Lend- vai 2003; Iarskaia-Smirnova / Romanov 2004). Die verfügbaren Reserven sind für die Befriedigung der Bedürfnisse der Klienten, die darüber hinaus oft vor allem materielle Hilfe beantragen, nicht ausreichend. Eine Beschreibung der erwähnten Si- tuation ist beispielsweise bei litauischen oder pol- nischen Autoren zu finden (Lazutka et al. 2004; Rybka 2006). Die eingeschränkte Finanzierung kann aber auch als ein Impuls für die Entwicklung neuer Metho- den der Sozialarbeit verstanden werden. Die Ein- führung des Ansatzes einer Partnerschaft zwischen dem Nehmer und Anbieter der Hilfe wird betont. Das Interesse an anti-oppressiven und anti-dis- kriminierenden Ansätzen nimmt zu, es werden Methoden entwickelt, die über die Einzelfallhilfe hinausgehen. Die Möglichkeiten der Gemeinwe- senarbeit werden zum Beispiel von ungarischen (Kozma 2007) und polnischen (Rybka 2006) Au- toren hervorgehoben, während Streetwork von russischen (Iarskaia-Smirnova / Romanov 2004) oder tschechischen Autoren betont wird (Gojova et al. 2008). Die Sozialarbeit in Mittel- und Osteuropa musste sich ständig mit den Einflüssen der westlichen So- zialarbeit, die seit dem Anfang der 1990er Jahre zu deren Entwicklung beigetragen hat, auseinander-
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