Handbuch 5. Auflage
1448 Chytil · Gojová · Nedelniková setzen. In Russland wurde die Entwicklung der Sozialarbeit von der Diskrepanz zwischen der west- lichen theoretischen Verankerung der Sozialarbeit und der russischen theoretischen Auffassung der Sozialarbeit beeinflusst (Iarskaia-Smirnova / Ro- manov 2004). In Rumänien wurde der nichtstaat- liche gemeinnützige Sektor vor allem durch die Unterstützung von Fonds und Mitarbeitern von Westeuropa entwickelt. Solche Projekte werden aber nur in bestimmten Bereichen und in einem eingeschränkten Zeitraum realisiert und es ist sehr schwierig, sie dauerhaft aufrecht zu erhalten. Ne- ben den positiven Beiträgen können bei diesen Projekten auch Belastungen in Form von Risiken des Entstehens einer Abhängigkeit von externen (finanziellen sowie menschlichen) Ressourcen auf- kommen. Die Beteiligten an derartigen Aktivitäten sind nicht immer in der Lage, kulturspezifische Aspekte der Rumänen zu respektieren und auf de- ren Bedürfnisse adäquat zu reagieren (Dümling 2004). Die ungenügenden finanziellen Ressourcen er- schweren die Erhöhung der Qualität der Sozial- arbeit. Im Bereich der Sozialarbeit herrscht immer ein Mangel an qualifizierten Sozialarbeitern. Sozi- alarbeiter mit einer neu erworbenen Qualifizierung finden dabei aber nur mit Schwierigkeiten eine entsprechende Anstellung in ihrem Bereich. Die Profession ist mit einem niedrigen Prestige und ei- ner unterdurchschnittlichen finanziellen Honorie- rung verbunden. Aus diesem Grund kommt es zu einem hohen Maß an Fluktuation der Sozialarbei- ter sowie zu einer Feminisierung der Sozialarbeit (Iarskaia-Smirnova / Romanov 2004; Béla 2004, Darvas /Kozma 2007; Źalimiene 2003). Das System der Finanzierung, das oft eine Kon- tinuität der Dienstleistungen und eine Entwick- lung ihrer Qualität unmöglich macht, übt einen Druck in Richtung Kostensenkung und Beweis- führung für die Effektivität aus. Auch unter dem Einfluss der Art und Weise der Finanzierung ent- steht zwischen den einzelnen Subjekten der Sozial- arbeit eine Konkurrenzsituation, die nicht immer zur Verbesserung der Qualität der Arbeit beiträgt. Die Tätigkeit der Sozialarbeiter in vielen Bereichen und Ressorts macht eine Kommunikation und eine Kontinuität der Dienstleistungen schwierig, es kommt zu deren Fragmentierung. Die Sozialarbeiter in vielen Ländern organisierten sich bis jetzt noch in keiner ausreichend starken Berufsvereinigung, die in der Lage wäre, unter diesem Druck zu bestehen, auf die Ziele der Sozial- arbeit hinzuweisen und die Kontrolle der Berufs- ausübung nicht in erster Linie den Staatsbeamten zu überlassen. Nach der Meinung des ungarischen Autors Kozma ändern sich die Rechtsformen schnell und dem- zufolge ist das Umfeld, in dem die Sozialarbeit stattfindet, sehr instabil (Kozma 2007). Darüber hinaus wurde z. B. in der Tschechischen Republik der Bereich der Sozialarbeit, der den Wirkungs- bereich des Gesetzes über die sozialen Dienstleis- tungen überschreitet, ungenügend behandelt. In mehreren Ländern (z. B. in der Tschechischen Republik, in Rumänien, in Litauen, in der Slowa- kei usw.) wurde der Prozess der Deinstitutionalisie- rung immer noch nicht zufrieden stellend beendet (Béla 2004; Źalimiene 2003). Zielgruppen der Sozialarbeit in Mittel- und Osteuropa Die meisten Länder definieren die Zielgruppen der Sozialarbeit nach der zuständigen, die Ausübung der sozialen Dienstleistungen oder der Sozialhilfe regelnden, Legislative. In Litauen werden soziale Dienstleistungen gemäß Gesetz Kindern und Waisen, armutsgefährdeten Einzelpersonen und Familien, Obdachlosen, Ar- beitslosen, gesundheitlich Behinderten, Familien mit alleinerziehenden Elternteilen oder Familien mit mehreren Kindern, die Probleme mit der Er- ziehung ihrer Kinder haben, Alkohol- und Drogen- abhängigen, solchen Menschen, die aus einem Gefängnis, einer Haftanstalt oder einer Institution für soziale und psychologische Rehabilitation ent- lassen wurden, sowie Katastrophenopfern angebo- ten (Republic of Lithuania Law on Social services 1996). In Polen gelten laut Legislative als Zielgrup- pen der Sozialarbeit von Armut betroffene Einzel- personen und Familien, Waisen, Obdachlose, Ar- beitslose, körperlich und geistig behinderte Personen, langfristig Kranke, Familien, die Hilfe bei der Erziehung brauchen, insbesondere dann Familien mit minderjährigen Kindern, Alkoholiker und Drogenabhängige, Personen, die aus dem Vollzug einer Freiheitsstrafe entlassen wurden und Opfer von Naturkatastrophen (Ustawa o pomoci spolecznej 2004).
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