Handbuch 5. Auflage
1492 U. Otto strukturen definieren. Entsprechend operationali- sierte empirische Forschungen begnügen sich dann mit dem Aufweis der Anzahl der Kontakte zu ande- ren, der Häufigkeit der Interaktionen, der Messung einseitig fließender Ressourcen usw. Zusätzlich zu bzw. innerhalb dieser bipolaren Funktionsbestimmung sind aus der Perspektive Sozialer Arbeit Differenzierungen nützlich, wie sie Laireiter als inhaltlich-funktionale Parameter ego- zentrierter Netzwerkbeschreibung aufführt. Dazu gehören Kommunikation / Kontakt / Interaktion (z.B. Gesel- 1. ligkeit), Austausch (Information, Geld, Arbeit und Leistun- 2. gen, Güter, Immaterielles wie Liebe, Anerkennung, Zuwendung, Status etc., emotionaler Rückhalt, Sichtweisen und Einschätzungen), Normen /Werte, 3. Kontrolle / Regulation (Macht) sowie 4. Belastung (z.B. in Form von Konflikten,Abwertung, 5. Ausgrenzung, Kränkungen etc.). So unterschiedlich die begrifflichen, theoretischen und empirischen Konzeptualisierungen sozialer Unterstützung sind, so lässt sich doch ihr all- gemeinster Bezugspunkt benennen: Er liegt darin, dass soziale Beziehungen und soziale Interaktionen „die grundlegenden Bedürfnisse von Menschen nach Zuneigung, Identität, Sicherheit, Informatio- nen, Rückhalt etc. befriedigen und diese daraus Kraft und Stärke für ihre Lebensbewältigung schöpfen, sie damit ihr Befinden stabilisieren und ihre psychische und somatische Gesundheit auf- recht erhalten“ (Laireiter 2009, 85). Es sind also offensichtlich – fünftens – nicht nur konkrete Hilfen, die die Aufmerksamkeit für das Phänomen sozialer Einbindung erklärbar machen. Vielmehr geht es auch um die schwerer fassbaren emotionalen und qualitativen Outcomes , die mit so- zialen Netzwerken und dem, was in ihnen fließt, in Verbindung gebracht werden. Die o. g. relationalen und morphologischen Merkmale werden in dieser weitergehenden Perspektive damit zunächst (a) mit Blick auf ihren Ressourcencharakter relevant: Es ist zu fragen, inwieweit bestimmte Personen und Per- sonengruppen zur Verfügung stehen, die soziale Güter potenziell vermitteln können. Kriterium ist die Verfügbarkeit bzw. Präsenz anderer Individuen. Über diese Auffassung hinaus geht (b) jene, die auf das subjektive Gefühl des Unterstütztseins abhebt. Dieses werde – so nehmen entsprechende „kog nitive Unterstützungskonzepte“ an – durch Infor mationen hervorgerufen, die die soziale Umwelt vermittle. Wesentliches Kriterium ist damit die subjektiv wahrgenommene Unterstützung. Die weiter oben schon genannte weitere Perspek- tive (c) kann sich (muss sich aber nicht) mit der vorgenannten weitgehend überschneiden. Sie hebt auf das unterstützende Verhalten ab. In der Sozialen Arbeit kommt ihr besonders große Aufmerksam- keit zu: der sozialen Unterstützung als intentiona- ler, tätiger Hilfe. In der hier verfolgten Argumenta- tion allerdings ist sie bestenfalls eine wichtige, nicht aber die einzige und noch nicht einmal eine not- wendige Bedingung für die vierte Perspektive (d) auf soziale Unterstützung als Bedürfnisbefriedigung . Diese Vorstellungen sehen soziale Unterstützung erst dann als realisiert an, „wenn die Verfügbarkeit anderer, deren Verhalten oder die Wahrnehmung von Information aus der Umwelt zur Befriedigung bestimmter menschlicher Bedürfnisse beitragen“ (Laireiter 2009, 86). Um die mittlerweile anerkannte Mehrdimensiona- lität des paradigmatischen Konstrukts sozialer Netzwerke und auf ihrer Basis möglicher sozialer Unterstützung in seinen unterschiedlichen Ebenen, Komponenten und Perspektiven genauer zu ver- stehen, wird ein weiterer Systematisierungsversuch vorgestellt. Diewald (1991) schlägt eine sehr de- taillierte inhaltliche Typologie auf Basis einschlägi- ger Literatur vor. Auch sie macht bereits in ihrer Struktur klar, dass konkrete Interaktionen – also u. a. beobachtbare Dienstleistungen, u. a. im Kon- text der o. g. Kategorie (c) also – nur einen Aus- schnitt des Geschehens darstellen. Neben diesem Verhaltensaspekt markiert er in der zweiten Spalte die Vermittlung von Kognitionen, in der dritten die Vermittlung von Emotionen. In der ersten Spalte fällt bei ihm auf, dass er die sonst häufig zusammengefassten „tangiblen“, „prak- tischen“ oder „instrumentellen“ Hilfen nochmals instruktiv aufgliedert: „Arbeitshilfen“ (als arbeits- förmig erbrachte Arbeiten für Dritte) von „Pflege“ (i. S. von Handlungen nicht nur für , sondern an einem Interaktionspartner) sowie auch von „Inter- vention“. Bei letzterer geht es um Interventionen für „Ego“ bei anderen Personen oder Institutionen (u. a. etwa in Form „anwaltschaftlicher“ Sozialer Ar-
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=