Handbuch 5. Auflage
Soziale Netzwerke 1493 beit). Spannend ist, dass auch soziale Alltäglichkeit als handlungsentlastende, sinnstiftende und verhal- tensstabilisierende Routinen explizit als Unterkate- gorie benannt wird. Ihre „Funktion bleibt in der Regel unterhalb der Bewusstseinsschwelle und wird oft erst bei ihremWegfall als Stabilitätsverlust emp- funden“ (Diewald 1991, 73). Geläufiger sind die weiteren Kategorien der „materiellen Unterstüt- zungen“ (mit Geld oder Sachleistungen) sowie der „Information“ und der „Beratung“. Die zweite große Kategorie bezieht sich weniger auf konkret beobachtbare Interaktionen als vielmehr auf die Vermittlung von Bewusstseins- und Ge- fühlszuständen. Diewald hebt begrifflich auf die auch für Soziale Arbeit so wichtige Kategorie der Anerkennung ab. Im ersten Fall der Vermittlung persönlicher Wertschätzung geht es um die Ver- mittlung eines auf die Person insgesamt bezogenen Selbstwertgefühls über die Beeinflussung von Deu- tungs- und Bewertungsprozessen. Es wird in Bezie- hungen vermittelt, in denen ein Individuum er- fährt, dass es als Mensch akzeptiert, geschätzt oder 1 Arbeitshilfen 1.1 personenbezogene 1.2 güterbezogene 2 Pflege 3 Materielle Unterstützung 3.1 Sachleistungen 3.2 Geld 4 Intervention 5 Information 6 Beratung 6.1 sachbezogene 6.2 persönliche Dinge 7 Geselligkeit 8 Alltags-Interaktion 9 Vermittlung von Aner- kennung 9.1 persönliche Wert - schätzung (Achtung) 9.2 Status-Vermittlung 10 Orientierung 11 Vermittlung eines Zuge- hörigkeitsbewusstseins 11.1 Beteiligung 11.2 Gebrauchtwerden 12 Erwartbarkeit von Hilfe 13 Ort für den Erwerb sozialer Kompetenzen 14 Vermittlung von Geborgenheit 15 Vermittlung von Liebe und Zuneigung 16 Motivationale Unterstützung Soziale Beziehungen 1. Konkrete Interaktionen (Verhaltensaspekt) 2. Vermittlung von Kognitionen 3. Vermittlung von Emotionen Abb. 2: Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung (nach Diewald 1991, 71) sogar bewundert wird (Diewald 1991, 73). Der As- pekt der Status-Vermittlung legt die Betonung demgegenüber auf die Bestätigung einer Position und der damit verbundenen Rollenerwartung: „Be- stimmte Beziehungen und Mitgliedschaften sind mit sozialer Anerkennung verbunden und vermit- teln über ein entsprechendes Interaktionsverhalten der anderen, daß man ein geschätztes Mitglied ei- nes Gemeinwesens“ (Diewald 1991, 73 f.) ist. Mit der Unterkategorie „Orientierung“ ist gewis- sermaßen das nichtintentionale Pendant zur Bera- tung Thema. Dabei geht es um die Vermittlung umfassender Verhaltensmodelle und sozialer Nor- men, die von allgemeinerer Bedeutung für die Le- bensführung sind. Dabei bestehen – dies mit Blick auf Soziale Arbeit – wichtige Anschlussstellen so- wohl zur gelebten Alltäglichkeit als auch zu Set- tings und Vollzügen der Sozialisation. Dies gilt gleichermaßen für den Aufweis dessen, dass soziale Netzwerke „Ort für den Erwerb sozialer Kompe- tenzen“ sind. Mit Blick auf die Unterscheidung positiver und negativer Formen sozialer Unterstüt-
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