Handbuch 5. Auflage

Soziale Netzwerke 1495 ren – und des bürgerschaftlichen Engagements, zu- nehmend auch in der pflegewissenschaftlichen Diskussion, als auch die Schwierigkeit, das Hilf- reiche, Unterstützende und Integrierende interme- diärer Einrichtungen und Formen bürgerschaftli- chen Engagements beispielsweise als Dienstleistung im Kontext von Bedarf oder Integration im Kontext von Arbeit rekonstruieren zu wollen, lassen es sinn- voll erscheinen, das Potenzial sozialwissenschaftli- cher Netzwerk- und Unterstützungstheorien auf die Analyse von intermediären Hilfe- und Unter- stützungsformen anzuwenden. Soziale Netzwerke und Soziale Arbeit Die Netzwerkperspektive wird seit Langem inten- siv auch für die praktische Soziale Arbeit fruchtbar gemacht. Es lassen sich zunächst eine Reihe sowohl paradigmatischer Orientierungen daran anknüpfen als auch methodischer Ansätze und Techniken . Die paradigmatischen Orientierungen beziehen sich sowohl auf Forschungs- als auch auf Anwendungs- fragen. Wichtige Anschlussstellen werden hier nur Tab. 1:  Komponenten des Konstruktes „soziale Unterstützung“ (nach Laireiter 2009, 87) Komponenten Inhalte Konstruktebenen (Sub- oder Partialkonstrukte) Subjektives Erleben / soziale Kognition Soziales Verhalten / soziale Interaktion Soziale Beziehungen Bedürfnisbefriedigung Inhaltsbereiche Arten unterstützender Informationen und Handlungen, z. B. Informationen, Rückmeldungen, praktische Hilfen, emotionale Zuwendung etc. Bedarfsbereiche /  Anlässe Alltag Alltagsbelastungen / kleine Ereignisse Lebensbelastungen, Krisen, Traumata Direktionalität /  Perspektive Geben von Unterstützung (Geber) Erhalt von Unterstützung (Empfänger) Quelle / Zielperson Art der Beziehung: Partner, Familie, Verwandtschaft, Freunde, Vertraute etc. Betrachter- /  Beurteilerperspektive Geber der Unterstützung Empfänger der Unterstützung Drittperson Kriterien der Erfassung Subjektives Erleben /Wahrnehmung Beobachtbares Verhalten / Interaktionen angedeutet: Es können unmöglich alle für die So- ziale Arbeit wichtigen Theoriebestandteile benannt werden, einige wurden im Text schon angedeutet. Ganz wenige weitere Hinweise zu fünf größeren Thematisierungsbündeln sollen deshalb genügen: 1. Von herausgehobener Bedeutung sind Model- lierungen des Belastungs-Bewältigungs-Para- digmas , sei dies nun in der Tradition der Psycho- logie oder formatiert in Aneignungen und Modifikationen seitens der Sozialen Arbeit, wie sie im Rahmen der Thematisierung von Lebensbewäl- tigung, von Alltagsorientierung, aber auch von weiteren Paradigmen wie dem Empowerment oder der Ressourcenarbeit diskutiert werden. 2. Ganz knapp und damit im Zusammenhang sind explizit hier Bezüge zu einigen Paradigmen So- zialer Arbeit herzustellen. Große Potenziale bietet der Netzwerkansatz (a) mit Blick auf die Lebens- laufperspektive . Die Zeitlichkeit in ihren sehr unter­ schiedlichen jeweils sehr relevanten Dimensionen spielt in vielen Konzeptualisierungen traditionell eine starke Rolle. Dies bezieht sich nicht nur (s. Pkt. 3), aber ganz wesentlich auch auf den life course – am prominentesten in dem Aufweis der social convoys. Wie sehr Anschlüsse (b) für die

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=