Handbuch 5. Auflage

1564 Wöhrle  gezielter Lern- und Anpassungsprozess statt, mit dem neue Organisationsmitglieder auf die Ziele, Werte und Handlungsformen der Organisation eingeschworen werden. Die Betrachtung von Management als Institution hebt hervor, dass wir immer auf konkrete Men- schen treffen, wenn wir mit Organisationen in Kontakt treten. Organisationen existieren nur durch tatsächlich agierende Personen, die Teile der oder die gesamte Organisation verkörpern. Diese Personen haben neben dem Auftrag, den sie erfül- len, auch andere, eigene Interessen, die sie nicht nur außerhalb der Organisation verfolgen, sondern denen sie auch in ihr nachgehen. Sie gestalten ihre Rolle in der Organisation aus. Dies trifft auf alle Organisationsmitglieder zu, insbesondere jedoch auf die Personen in Führung- und Leitungspositio- nen. Die Übersetzung von Managen als Gestalten und Lenken, Führen und Steuern verweist auf ein größeres Potenzial an Beeinflussungsmöglichkei- ten, über das Führungs- und Leitungspersonen im Verhältnis zu anderen Organisationsmitgliedern verfügen. Dies drückt sich einerseits in Über- und Unterordnungsverhältnissen, Weisungsbefugnissen, Unterschriftsberechtigungen, Prokura, Vertretungs­ vollmachten etc. im alltäglichen Arbeitsvollzug aus, andererseits in der Organisationsgeschichte, die nicht selten als Geschichte von Führungsper- sönlichkeiten erzählt wird. Gründerpersönlichkei- ten treten dabei hervor, jedoch auch Reformer und Reformerinnen, manchmal auch Personen, die un­ rühmliche Abschnitte oder den Niedergang verant- worten. Zur Entwicklungsgeschichte des Begriffs „Sozialmanagement“ Unter dem Aspekt der Entwicklungsgeschichte be- trachtet, ist Sozialmanagement ein junger Begriff. In aller Selbstverständlichkeit wird er seit den 1990er Jahren verwendet. Offensichtlich wurde er eingeführt in der Überzeugung, dass auch die Or- ganisationen, die Leistungen der Sozialen Arbeit erbringen, geführt, gesteuert und geleitet werden müssen. Auffällig ist, dass sich dieser Begriff so spät durchsetzte, denn schließlich gab es ja bereits große Organisationen (Untergliederungen von Wohl- fahrtsverbänden mit fünfstelligen Beschäftigten- zahlen), in denen dieser Auftrag Jahrzehnte vorher erfüllt werden musste. Es stellt sich die Frage, unter welchem Begriff zuvor das Führungs- und Lei- tungsgeschäft bezeichnet wurde und inwieweit es überhaupt Gegenstand der Diskussion war. Da die Organisationen, die Soziale Arbeit verrich- ten, entweder direkt der öffentlichen Verwaltung angehören oder aber sowohl hinsichtlich der recht- lichen Vorgaben als auch ihrer Finanzierung von der öffentlichen Verwaltung abhängig sind, folgt ihr Management den Vorgaben, die durch die Ver- waltungsbürokratie gesetzt werden. Know-how be- stand bisher darin, mit rechtlichen Grundlagen und Verwaltungsvorschriften umgehen zu können. Der Einfachheit halber wurde im Rahmen der So- zialen Arbeit alles, was die Organisation und nicht die fachliche Arbeit betraf, als Verwaltung bezeich- net. Das Leiden an und die Kritik der Fremdheit der verwaltungstechnischen Logik gegenüber der fachlichen durchziehen die Diskussionen spätes- tens seit der Einrichtung von Studiengängen der Sozialarbeit und Sozialpädagogik an Hochschulen und der Professionalisierung der Sozialen Arbeit in den 1970er Jahren. Ein Ausweg wurde darin gesehen, an die Selbsthilfe Betroffener anzuknüpfen, eingeschliffene profes- sionelle Handlungsrationalitäten zu hinterfragen und auf Distanz zur administrativen Fremdkon- trolle zu gehen. Das Ziel war eine alternative, kriti- sche Professionalität (Olk 1986), die sich auch in Ansätzen innerhalb der bestehenden Strukturen durchzusetzen begann (Müller 2001). Perspektiv- wandel und Innovation waren ein Thema der öf- fentlichen Verwaltung (Kreft / Lukas 1990). Ebenso mehrte sich in den 1980er Jahren die Kritik am korporatistischen System (Seibel 1992). Die Orga- nisationen der Sozialen Arbeit reagierten darauf mit einer Suchbewegung nach einer eigenen, nicht so eng an die öffentliche Verwaltung gekoppelten Steuerung und Führung (z. B. Schwarz 1991; Flös- ser 1994). Nicht einig war man sich hinsichtlich der Bezeich- nung, obwohl sich der Managementbegriff lang- sam durchzusetzen begann (Flösser /Otto 1992), allerdings gekoppelt an unterschiedliche Zusätze wie „Management für Non-Profit-Einrichtungen“ (Schwarz 1996), „Management in sozialen Orga- nisationen“ (Gehrmann /Müller 1993) usw. Der bereits 1973 im Rahmen der Diakonischen Aka- demie eingeführte Begriff des „Sozialmanage- ments“ war offensichtlich der griffigere und setzte

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