Handbuch 5. Auflage
Sozialmanagement 1565 sich in der Folge durch (Müller-Schöll / Priepke 1983 / 1991). Charakterisiert werden kann die Denkfigur in dieser Phase durch einen Aufbruch, eine Innovationsabsicht und eine Suchbewegung nach einem eigenständigen Managementverständ- nis, wobei unsystematisch Bruchstücke (auch ver- altete Ansätze) aus sehr unterschiedlichen Zusam- menhängen der Wirtschaftswissenschaften sowie der Organisationssoziologie und -psychologie zu- sammengewürfelt wurden. Mit der „Ökonomisierung“, hier auf den Aus- schnitt des Umbaus der wohlfahrtstaatlichen Sys- teme in Europa mit Auswirkungen bis in das Steue- rungssystem der öffentlichen Verwaltung bezogen (neue Steuerungssysteme), wurde ein „Wandel zweiter Ordnung“ (Wöhrle 2005, 52 ff.) eingeleitet, gekennzeichnet durch einen Paradigmenwechsel oder – noch krasser ausgedrückt – eine „revolutio- näre Umbruchsituation“ für die Sozialsysteme und ihre Verwaltung. Es wurde nun erstmalig das auf den Feudalismus zurückgehende kameralistische Regime der öffentlichen Verwaltung, das im auf- kommenden Kapitalismus durch eine Formalbüro- kratie überformt wurde und die verschiedenen po- litischen Systeme als Exekutive überdauert hatte, frontal infrage gestellt und durch das kapitalistische Modell der betriebswirtschaftlichen Steuerung zu ersetzen gesucht. Die Suchbewegung des Manage- ments in den Organisationen der Sozialen Arbeit nach eigenständigen Ansätzen sowie die Bestrebun- gen der Fortbildungs- und Beratungsträger wurden gleichermaßen „überrollt“ (2009). Von stringenten Sozialmanagementansätzen kann bis heute nicht gesprochen werden. Auch Merchel hat seine frühere Einteilung in drei Ansätze (Mer- chel 1992) revidiert (2009). Was sich aufzeigen lässt, sind Veröffentlichungsreihen und Diskussi- onslinien. Im Umfeld von Müller-Schöll entstand ein Ansatz des Führens und Leitens, der gruppen- bzw. interaktionsdynamisch Aspekte hervorhebt (Müller-Schöll / Priepke 1983 / 1991). Betriebs- wirtschaftliche Aspekte hatten hier wenig Bedeu- tung. Spätere Akteure in der Diakonischen Aka- demie (Grunwald 2001) entwickelten den Ansatz weiter und öffneten ihn zu einem systemischen hin. Beim „Freiburger Management-Modell für Non-Profit-Organisationen“ (Schwarz 1996; Schwarz et al. 1999) stehen die Genossenschaften im Vordergrund, für die eigenständige Ansätze des Managements zu entwickeln gesucht werden. Im Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Frankfurt entstand eine Veröffentlichungslinie (Maelicke / Reinbold 1992), die insbesondere von Maelicke in einem Handbuch (1998), einem Lehr- buch (Arnold /Maelicke 1998) und einer Schrif- tenreihe (Edition Socialmanagement bei Nomos) weiterentwickelt wurde. Parallel dazu entstand eine Schriftenreihe im Umfeld der Fachhochschule München, die später in den Ziel-Verlag mündete. Sie ist geprägt durch G. Schwarz. Durch ein Pro- jekt der Bund-Länder-Kommission wurden Studi- engänge des Sozialmanagements gefördert, für die umfangreiche Studienmaterialien (Hochschulver- bund Distance Learning, Nomos Verlagsgesell- schaft, Ziel-Verlag) entwickelt wurden (Wöhrle 2009, 139 ff.). Bis heute sind somit viele Veröffentlichungen zum Thema Sozialmanagement entstanden, die über- wiegend als Reaktion auf aktuelle Themen der Praxis und Lehrmaterial charakterisiert werden können. Nach einer Phase der „überrollten“ eigen- ständigen Suche, einer zweiten Phase des teilweise unreflektierten Imports von Wissen aus den Wirt- schaftswissenschaften zeichnet sich jetzt eine dritte Phase der Bestandsaufnahme, der Sortierung und Ordnung sowie der theoretischen Durchdringung ab (Wöhrle 2008). Kennzeichen hierfür sind das erste Lexikon der Sozialwirtschaft (Maelicke 2008), der Vier-Länder-Kongress in Luzern, auf dem eine systematische Bestandsaufnahme zu Ausbildung, empirischer Forschung und Entwicklung sowie hinsichtlich der Theoriebildung von Sozialwirt- schaft und Sozialmanagement zu schaffen gesucht wurde (Bassarak /Wöhrle 2008) sowie die Neufas- sung des ersten einordnenden Werks zum Sozial- management (Flösser /Otto 1992) durch Grun- wald (2009). Die gegenwärtigen Bestandsaufnahmen machen deutlich, dass es auch hinsichtlich wesentlicher Fragen keine Einigung gibt. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da unterschiedliche Zugänge belie- big nebeneinander stehen und kein zusammenhän- gendes Forschungsprogramm in Sicht ist. Bei ge- nauer Betrachtung wird einiges von dem, was bereits als geordnet erschien, wieder uneindeutig und bereits manche angeblich systematische Suche ist nicht exakt ausgerichtet (Wöhrle 2009, 146 ff.). Hier kann nur schlaglichtartig auf wesentliche Dis- kussionslinien eingegangen werden.
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