Handbuch 5. Auflage

Sozialmanagement 1567 Hinblick auf ihre Eignung für das Sozialmanage- ment überprüft werden. Es wird ein Synergieeffekt angestrebt: Der Wissensbestand ausgearbeiteter Managementmodelle für das Sozialmanagement soll transferiert werden, gleichzeitig soll durch den Abgleich und das Auffinden von Differenzen eine spezifische Weiterentwicklung der bestehenden Managementmodelle initiiert werden (Bürgisser et al. 2008). Darüber hinaus werden einzelne Ma- nagementverfahren untersucht. Insbesondere dem Qualitätsmanagement scheint dabei eine Brücken- funktion zu Professionalitätskriterien zuzukommen (Merchel 2006). Wenn allerdings diese Untersuchungen zu dem Schluss kommen, dass in ausgearbeiteten Manage- mentkonzepten keine ausreichenden Bezugspunkte vorhanden sind, um den Besonderheiten des Wirt- schaftens und Managens im Sozialmanagement gerecht zu werden, dann steht allerdings eine große Herausforderung an, die darin besteht, ein anderes Management von Grund auf zu entwerfen. Bislang wurde dieser Bedarf nur behauptet, der Nachweis, dass die Besonderheiten der Sozialen Arbeit nicht integrierbar sind, jedoch nicht geliefert. Im ersten sortierenden Beitrag von Flösser und Otto (1992) wurde der Blick über die organisati- onsinterne Optimierung des Sozialmanagements hinaus geweitet. Lösungen wurden nicht nur in in- ternen Verbesserungsstrategien gesucht, sondern im Sinne eines „Managements des Sozialen“ in ei- nem sozialpolitischen Steuerungsprogramm. Die- ses Verständnis wird heute von Kessl aufgegriffen. Allerdings warnt er vor der Gefahr, „Ansatzpunkte für alternativ-widerständige Strategien systematisch zu verpassen“, wenn der Appell nach einer Fortset- zung von Strategien eines „Management des Sozia- len“ eher als Rückerinnerung an die bisherige wohlfahrtsstaatliche Form einer „Verwaltung des Sozialen“ verstanden werden soll. Er konstatiert tief greifende Änderungsprozesse für die Gestal- tungsformen des Sozialen, wobei die sozialwirt- schaftlichen Transformationen lediglich einen, wenngleich bedeutenden Aspekt dieses Wandels darstellen. Im Zusammenhang mit den grund- legenden Prozessen des Wandels zieht er sowohl die Effektivität und Effizienz des Ideals der Sozialbüro- kratie als auch die Idealvorstellung der akademi- schen Professionalisierung in Frage. Er lehnt das Konzept eines „Management des Sozialen“ nicht ab, besteht aber auf einer „machtanalytischen Per- spektive in der Organisationsforschung Sozialer Arbeit“ (Kessl 2009, 42 ff., insbes. 55). Ein Aspekt wurde im Diskurs über Sozialmanage- ment bislang ausgeklammert. Nachdem auch die Wirtschaftswissenschaften für das Sozialmanage- ment ausbilden, rückt zwangsläufig ins Blickfeld, dass nicht nur aus der Vorsilbe, sondern auch vom Wortstamm her ein plausibler Anspruch auf Zu- ordnung abgeleitet werden kann. Warum sollte das Sozialmanagement nicht eine Unterabteilung der Managementlehre sein, denn das Gesundheits- management ist nicht Teil der Medizin, und das Management eines Maschinenbaubetriebes wird nicht in der Fakultät Maschinenbau gelehrt. Ma- nagementlehre definieren Steinmann und Schrey- ögg als „Lehre der systematischen Erörterung von betrieblichen Steuerungsproblemen“. Für sie ist diese Lehre anwendungsbezogen und „a-diszipli- när“: „Das Prinzip der Problemorientierung fordert dazu auf, über alle Disziplingrenzen hinweg auftretende Probleme bei der Steuerung von Betrieben zu verstehen, zu formu- lieren […] und solches Wissen zu generieren oder aus Grundlagendisziplinen einzuarbeiten, das der Problemlö- sung dienlich ist […]. Um das leisten zu können, muss die Managementlehre Integrationswissen generieren, d.h. sie braucht ein Instrumentarium, um sich zwischen den Disziplinen bewegen zu können. Insofern arbeitet sie nicht interdisziplinär, sondern ‚infradisziplinär‘. […] Die Managementlehre ist – so gesehen – den Grundlagen- disziplinen vorgelagert. Sie ist der erste Adressat, wenn es um die Klärung ungelöster Steuerungsprobleme geht…“ (Steinmann / Schreyögg 2000, 37 f.) Damit könnte Sozialmanagement als Unterabtei- lung der Managementlehre angesehen werden. Auch wenn von verschiedenen Autoren (Merchel 2005; Wöhrle 2002; 2009) die Besonderheiten des Managens in Organisationen der Sozialen Arbeit hervorgehoben werden (Sachzieldominanz, nicht- schlüssige Tauschbeziehung, Ehrenamtlichkeit, mehrwertige Bewirtschaftungslogiken, ethisch- moralische Kategorien, usw.), so besteht keine prinzipielle Barriere von Seiten der Management- lehre, diese Besonderheiten theoretisch in ihre Un- terabteilungen zu integrieren. Da lediglich die Frage aufgeworfen (Wöhrle 2007), jedoch die De- batte über die Verortung des Sozialmanagements im Wissenschaftsgefüge bislang nicht geführt

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