Handbuch 5. Auflage

1572 Sommerfeld  nicht die Rede sein kann. Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach der Gestalt, welche die For- schung der Sozialen Arbeit angenommen hat, nach wie vor virulent. Die Einschätzung, dass „die Forschungsaktivitäten bislang oft nicht aus dem Status singulärer Einzelforschung hinauskommen und keinen inneren Zusammenhang erkennen lassen“ (Schweppe /Thole 2005, 8), verweist auf diese letztlich entscheidende Frage nach dem Stel- lenwert der Forschung für den disziplinären und professionellen Wissenskorpus. Hinzu kommt die Beobachtung, dass in den Meta-Debatten über die Forschung der Sozialen Arbeit grundlegende Pro- blematiken aufscheinen, die den Eindruck entste- hen lassen, dass die banal anmutende Frage, was unter Forschung der Sozialen Arbeit zu verstehen ist, keineswegs geklärt ist. Es könnte sein, dass für die Entwicklung einer konsolidierten Forschungs- kultur diese Klärung eine notwendige Vorausset- zung darstellt. Das Ziel des vorliegenden Beitrags besteht daher darin, bei dieser Klärung mitzuwir- ken. Problemdimensionen 1: „Genuin sozialpädagogische Forschung“ versus „Anything Counts“ Wenn man die einschlägigen systematischen Zu- gänge zur Beschreibung und damit Eingrenzung dessen, was unter der Forschung der Sozialen Ar- beit zu verstehen ist, sichtet, dann stößt man auf eine scheinbar grenzenlose Pluralität von Zugän- gen, Ansätzen und Diskurslinien, hinter denen diese Beschreibung stets zu verschwimmen scheint, mit dem Ergebnis, „(…) dass es aufgrund ihrer of- fenen disziplinären Struktur bislang kaum möglich erscheint, so etwas wie eine genuin sozialpädagogi- sche Forschung in einem strengen, systematischen Sinne herauszufiltern“ (Lüders / Rauschenbach 2005, 564). Streng systematisch heißt hier, dass charakteristische und in diesem Sinne spezifische „Forschungstypen, -gegenstände, -verfahren und -fragestellungen“ zu benennen wären, die eine „für konkrete Forschungsprojekte umsetzbare, diszipli- näre Konzeption“ bieten würden, „mit deren Hilfe das Verhältnis von Fragestellung, Gegenstand und Methode als spezifisch sozialpädagogisches be- stimmt und bearbeitbar gemacht werden könnte“ (Lüders / Rauschenbach 2005, 564). Dieser zuletzt genannte, hohe systematische An- spruch, der nur sehr schwierig einlösbar wäre, wenn überhaupt, kontrastiert auffällig mit einer an Beliebigkeit grenzenden Vielfalt dessen, was alles als Forschung der Sozialen Arbeit bezeichnet wird und welche meist impliziten Vorstellungen, was Forschung ganz allgemein ist, damit einhergehen. Eine Möglichkeit, diese Vielfalt systematisch zu fassen, sind z. B. Aufzählungen von „Forschungs- typen“, die als Forschung der Sozialen Arbeit be- zeichnet werden. Im extremsten, wenngleich weit- verbreiteten Fall ist das Kriterium zur Bildung solcher Typen schlicht die Verwendung von For- schungsmethoden. Überall dort, wo diese Metho- den innerhalb der Sozialen Arbeit oder in Bezug zu ihr angewandt werden, findet dann Forschung der Sozialen Arbeit statt. Stellvertretend (Schefold 2005, 888–893): Genannt werden die „sozialpäd­ agogische Bereichs- und Verbundforschung“, die meist auf „das Interesse von Fachministerien, auch von Kommunen und freien Trägern“ (Schefold 2005, 888) zurückgeht, die „sozialpädagogische AdressatInnenforschung“, die „lokale und regio- nale Forschung“, die „Qualifikationsforschung“, die Forschung als „Selbstbeobachtung der Praxis“, worunter „Evaluation und Qualitätsmanagement“, „Praxisberatung“ sowie „sekundäranalytische Selbstbeobachtung“ und „Formen sozialwissen- schaftlich begründeter Fallsupervisionen“ fallen. Schließlich werden noch „Surveys“ genannt, wo- mit im Wesentlichen die Kinder- und Jugend- berichte sowie Sozialberichterstattung subsumiert werden. Dieser Zugang hat den Vorteil, dass „alles zählt“ und dass damit das Volumen beeindruckend groß wird. Zugleich sind damit einige weitrei- chende Probleme verknüpft. Problemdimensionen 2: Zentrum und Peripherie /Wissenschaft und Praxis Wenn jede Form von methodischer Datenerhe- bung Forschung ist, dann entsteht eben eine nicht überschaubare Menge von Einzeluntersuchungen und Einzeldaten. In systematischer Absicht steht man dann vor der Frage, wie man das ordnen kann. Ein möglicher Weg ist die Einführung der Unter- scheidung von Zentrum und Peripherie. Im Bei- spiel von Schefold geschieht dies durch die Ver- wendung einer (verkürzten) Definition von

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