Handbuch 5. Auflage
1616 Seidenstücker und Berufsbiografien entwertet. Infolgedessen kam es in dieser Zeit auch in der sozialen Arbeit zu kulturellen Abstoßreaktionen. Die in den Nach- wendejahren oftmals beklagte „Sperrigkeit“ der ostdeutschen Fachkräfte dürfte auch damit zusam- menhängen, dass der schon damals virulente und in westdeutschen Milieus gewachsene lebenswelt- orientierte Handlungsansatz nicht hinreichend be- rücksichtigt wurde – dies sowohl bezogen auf die Fachkräfte vor Ort als auch auf die Passfähigkeit der neuen Handlungsansätze für das Klientel. Gleichwohl hat sich in den Folgejahren in den neuen Bundesländern – auch als ein Ergebnis ei- ner neuen Ausbildungsgeneration aus dortigen Fachhochschulen und Universitäten – in der Ju- gendhilfe eine bemerkenswerte Dynamik von Projekten und experimentellen Ansätzen ent- wickelt. Diese sind im europäischen Jugendhilfe- vergleich gut aufgestellt – so im Bereich der inte- grierten Erziehungshilfen, des niedrigschwelligen Kinder- und Jugendschutzes, der Streetwork, der Frauenhausarbeit, des Quartiersmanagements, der Jugendberufshilfe, der sozialpädagogischen Beschäftigungsförderung und der Entwicklung regionaler sozialer Netzwerke (Böhnisch / Seiden- stücker 2009, 457). Literatur Bäumer, G. (1929): Die historischen und sozialen Vorausset- zungen der Sozialpädagogik und die Entwicklung ihrer Theorie. In: Nohl, H., Pallat, L. (Hrsg.) (1929): Hand- buch der Pädagogik. Bd. 5: Sozialpädagogik. Langensalza, Beltz, 3–17 Bernhardt, C., Kuhn, G. (1998): Keiner darf zurückgelassen werden. Aspekte der Jugendhilfepraxis in der DDR 1959– 1989. Votum, Münster Böhnisch, L., Seidenstücker, B. (2009): Die Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in den neuen Bundesländern – im Spiegel der deutsch-deutschen Transformation. Unsere Ju- gend 11/12, 450–462 Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1994): Familien und Familien- politik im geeinten Deutschland – Zukunft des Human- vermögens. Fünfter Familienbericht. Drucksache 123/7560. Bonn Familiengesetzbuch der DDR (FGB) vom 20.12.1965, Ge- setzesblatt Teil I Nr. 1 – Ausgabetag 03.01.1966 Institut für Jugendhilfe Falkensee (Hrsg.) (1984): Heimerzie- hung (Ost)Berlin. Von einem Autorenkollektiv unter Lei- tung von E. Mannschatz. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin JHVO (Jugendhilfeverordnung der DDR), VO über die Auf- gaben und Arbeitsweise der Organe der Jugendhilfe vom 03.03.1966, Gesetzesblatt Teil II Nr. 34, 215 Kraus, R. (1994): Strukturen und Einrichtungen der Rehabi- litation in der DDR und in den neuen Bundesländern. Aus Politik und Zeitgeschichte 3, 26–37 Mannschatz, E. (1997): Erziehung zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Plädoyer für Besinnung auf die ange- stammte Aufgabe von Erziehung. Buch Ergon, Würzburg – (1994): Jugendhilfe als DDR-Nachlaß. Votum, Münster Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesund- heitswesen (Hrsg.) (1991): Das Gesundheitswesen im ver- einten Deutschland. Nomos, Baden-Baden Seidenstücker, B. (1990): In keiner Situation ein Kind allein lassen. Jugendhilfe 28, 1–7 – (2004) Akzeptanzsehnsüchte und Bildungsansprüche deut- scher Jugendhilfe(n). In: Kreft, D. (Hrsg.): Fortschritt durch Recht. Eigenverlag des SOS-Kinderdorf e.V. Mün- chen, 274–289 –, Münder, J. (1990): Jugendhilfe in der DDR. Votum, Münster Staatl. Zentralverwaltung für Statistik (Hrsg.) (1990): Statis- tisches Jahrbuch der DDR 1989 (u.a. Jahrgänge). Staats- verlag der DDR, Berlin Theiner, Ch. (1981): Zur pädagogischen Rehabilitation in der DDR. In: DDR-Komitee für Menschenrechte (Hrsg.): Schriften und Informationen, 2. Berlin, 55–62 Verordnung über die Mitarbeit der Bevölkerung auf dem Ge- biet der Jugendhilfe vom 11.06.1953, Gesetzesblatt der DDR 53, 816 Wergin, C. (1996): Kirchliche Sozialarbeit in der DDR. In: Gintzel, U., Schone, R. (Hrsg.): Jahrbuch der sozialen Ar- beit. Votum, Münster, 305–308 Winkler, G. (Hrsg.) (1987): Lexikon der Sozialpolitik. Aka- demie, (Ost)Berlin Wohlrabe, W. (1948): Schule und Jugendamt. Pädagogik 3, 31–35
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