Handbuch 5. Auflage

Sozialraumbezogene Methoden 1631 etwa in der Einzelfallarbeit, der offenen Jugend- arbeit, der Heimerziehung oder dem Quartiers- management […] bzw. der Regionalentwicklung“ (2009, 25; zu den verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialraumorientierung → Kessl / Reutlinger, Sozialraum), dann vergisst er anscheinend, dass dies einer der zentralen Gründe war, von einem „Arbeitsprinzip GWA“ zu sprechen. Trotz seiner mit dieser Argumentation (Hinte 2009, 24) verknüpften Kritik an einer Verengung der Sozialraumorientierung auf „das Räumliche“ (zu dieser Diskussion vgl. ebenfalls → Kessl / Reut- linger, Sozialraum) lässt jedoch auch Hinte keinen Zweifel daran, dass es „ein beachtlicher Fortschritt“ (2005a, 549) gewesen und nach wie vor auch „sinnvoll“ sei, Sozialräume als „Planungsräume […] nach institutionell definierten Prinzipien“ (549) zu deklarieren, welche allerdings mehrere „Verdichtungen“ und „Überschneidungen von in- dividuellen Sozialräumen“ (549) enthalten sollten, auf die sich die Fachkräfte dann jeweils nach Bedarf in ihren Schwerpunktsetzungen beziehen könnten. Diese (Sozial-)Raumdimension solle dann die „klassischen Steuerungsdimensionen Fall, Immo- bilie oder Abteilung ergänzen oder auch dominie- ren“ (549). Neben der „Steuerungsebene“, in der Sozialraum vor allem als administrative Bezugs- größe für die Konzentration von professionellen Ressourcen relevant wird, erwähnt er (2005b) auch noch die „finanzierungstechnische Ebene“ der So- zialraumbudgets zur Unterstützung der fachlichen Logik durch eine betriebswirtschaftliche (zur Dis- kussion der Vor- und Nachteile von Sozialraum- budgets vgl. zusammenfassend Früchtel et al. 2007a, 148 ff. bes. 151). Angesichts der von Hinte geübten Kritik an Zu- schreibungsprozessen (2007, 65; 73) ist es aller- dings mehr als verwunderlich, wenn es ihn „relativ gleichgültig“ (2005a, 552) lässt, „ob man die Stadt- teile, die mit Quartiersmanagement beglückt wer- den, nun als ‚rückständig‘, ‚sozial benachteiligt‘ oder ‚mit besonderem Entwicklungsbedarf aus- gestattet‘ bezeichnet“ (552). Und erst recht ver- wundert, wie bedenkenlos instrumentalistisch-ver- objektivierend er im Anschluss darlegt, dass für das Quartiersmanagement „Selbsthilfe, Selbstorganisa- tion und Bürgermitwirkung […] wesentliche In- strumente für eine nachhaltige Veränderung der Lebenssituation in Wohnquartieren und nicht Ziel irgendwelcher Maßnahmen“ (2005, 552) sind. Denn programmatisch gesehen soll die entspre- chend etikettierte Bevölkerung ja ganz im klassi- schen Stile von CD von außen aktiviert werden, ihre „Rückständigkeit“ bzw. „Entwicklungsdefizite“ zu überwinden, um Anschluss an die Modernisie- rung zu gewinnen (zur Kritik May 2008b, 70). Sicher aber würde auch Hinte der Ausgangshypo- these des von Früchtel et al. (2007a, 166 ff.) pro- pagierten Ansatzes eines „ Asset Based (aktivposten- basierte[n]) Community Development (ABCD)“ (166 ff.) zustimmen, dass „wirkungsvolle und nachhaltige Entwicklungen […] sich auch in deso- laten Lebenslagen immer nur erreichen [lassen], wenn man an Stärken anknüpft“ (167). Der ABCD-Ansatz zieht daraus jedoch auch die Kon- sequenz und plädiert als „alternativer Weg zur Thematisierung von Ungleichheit“ (169) für einen „Vergleich von Ausstattungsquoten“, um so den Ressourcenfluss einer Stadt auf Gebiete umzusteu- ern, „die ausstattungsmäßig benachteiligt sind, […] ohne dabei auf Belastungsquoten der Bewoh- ner zu rekurrieren“ (Früchtel et al. 2007a, 166 ff.; 2007a, 181 ff.). Nun ist – wie in der Einleitung zu diesem Beitrag schon angedeutet – das „Aktionsebenenmodell“ von Hinte, Grimm und Litges (Grimm et al. 2004) gegenwärtig nicht das einzige Modell zur Systema- tisierung von unterschiedlichen Handlungsebenen bzw. -feldern sozialraumbezogener Methoden. Und auch Früchtel et al. (2007a) haben sich nicht damit zufrieden gegeben, die zur Zeit kursierenden un- terschiedlichen Systematisierungsversuche entspre- chender Ebenen eines Sozialraumbezuges matrix- haft zusammenzustellen (24), sondern haben darüber hinaus ein eigenes Modell vorgelegt, das zwischen den Handlungsfeldern „Sozialstruktur“, „Organisation“, „Netzwerk“ und „Individuum“ differenziert (zur Kritik der methodologischen Be- gründung des SONI-Schemas, bei der sie sich auf kaum miteinander vereinbare Theorien stützen, May 2008a, 31 f.). Mit ihrer Unterscheidung zwischen der Ebene der „Sozialstruktur“ und der Ebene der „Organisa- tion“ – die sich wenngleich mit etwas anderen Be- zeichnungen ganz ähnlich auch schon bei Riege / Schubert (2002b, 38), Schröer (2005, 30 ff.), Hamberger / Peters (2006, 24 ff.) und Treeß (2007, 138 ff.) fanden – sehen Früchtel et al. unter- schiedliche Rollen und Funktionen sozialraumbe- zogenen Arbeitens in der Sozialen Arbeit als einmal

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