Handbuch 5. Auflage
1658 Grunwald miteinander verbindet. Zentrale Akteure der Sozi- alwirtschaft sind auch aus dieser Sicht nicht nur Organisationen, die Dienstleistungen erbringen, sondern auch Personen und Gruppen des infor- mellen Sektors. Insofern ist die Sozialwirtschaft nicht nur eine Branche, in der Dienstleistungen erbracht werden. Sofern Dienstleistungen durch sozialwirtschaftliche Einrichtungen bereitgestellt und erbracht werden, erfolgt dies im sozialrecht- lichen Dreiecksverhältnis der verschiedenen Ak- teure. Diese sind vielfältig miteinander verknüpft und bringen ihre spezifischen Ressourcen in den Prozess der Produktion von Wohlfahrt ein. Dabei bezeichnet der Begriff Wohlfahrt „das Ergebnis ei- nes Konsumptionsprozesses, im Verlaufe dessen aus dem Einsatz und dem Verbrauch von Gütern, Diensten, Zeit und Energie“ eine objektiv und subjektiv wahrnehmbare „Bedürfnisbefriedigung“ entsteht (Evers /Olk 1996, 15). Das Konzept der Wohlfahrtsproduktion bezieht sich dementspre- chend „auf den Umwandlungsprozeß von Ressour- cen (wie Güter, Dienste und Zeit) in Endpro- dukte“, in Beiträge zum individuellen und / oder gesellschaftlichen „Wohlbefinden“ (Evers /Olk 1996, 15). Wohlfahrt meint aber nicht nur „Wohl- befinden“, sondern auf gesellschaftlicher Ebene auch die Verwirklichung von Chancengleichheit, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit sowie auf individueller Ebene Bewältigungskompetenz und Stabilität in Bezug auf Lebensfragen. So definiert Sen „Wohlfahrt als Wohlbefinden (well-being) und als Handlungsfähigkeit (agency), welche von Handlungsmöglichkeiten (capability) abhängig sind“ (Elsen 2007, 28; Sen 2007). Die Akteure der Sozialwirtschaft folgen nicht nur ihren eigenen Handlungslogiken, sondern setzen diese im welfare mix des Zusammenwirkens unterschiedlicher Kräfte und Träger in Beziehung zu den Logiken der anderen Akteure; erst auf diese Weise kann es zu Synergien kommen (Grunwald 2005, 1798 f.). Hervorzuheben ist, dass die Herstellung von Wohl- fahrt immer in Koproduktion von Erzeugern und Nutzern erfolgt. Das Theorem der Wohlfahrtspro- duktion ermöglicht einen Anschluss der Sozial- wirtschaftslehre an die volkswirtschaftliche Mikro- und Makroökonomie und grenzt sie gleichzeitig von der Betriebswirtschaftslehre ab (Wendt 2008b, 956). (3) Die Betrachtungsweise der betriebswirtschaftli- chen Dienstleistungsökonomie und des Manage- ments von Non-Profit-Organisationen legt dem- gegenüber den Akzent klar auf die Fragen der Betriebsführung und einer enger verstandenen Ökonomie von Diensten und Einrichtungen der Sozialwirtschaft, die als „sozialwirtschaftliche Or- ganisationen“ (Arnold /Maelicke 2009), als „soziale Dienstleistungsunternehmen“ (Pracht 2002) oder kurz als „Sozialunternehmen“ (Schellberg 2007) begriffen werden. Während die soziologischen, politologischen und sozialpolitischen Forschungen zu Non-Profit-Sektor und Drittem Sektor stärker den gesamten Bereich der Volkswirtschaft und die darin ablaufenden Prozesse im Auge haben, betont die Perspektive der Dienstleistungsökonomie, dass auch sozialwirtschaftliche Dienste und Einrichtun- gen „Unternehmen“ darstellen und insofern Ge- genstand einer speziellen Betriebswirtschaftslehre werden können (Pracht 2002, 23). Aus Sicht der Betriebswirtschaftslehre stellt sich die Sozialwirt- schaft als „ökonomisch strukturiertes Feld“ dar, in dem Effektivität und Effizienz entscheidende Er- folgskriterien darstellen (Halfar 2008, 902 f.). Der Fokus der Dienstleistungsökonomie hebt hervor, dass sozialplanerische Bedarfsplanungen zuneh- mend ersetzt werden durch ökonomische Zugänge, in denen Wettbewerb und Auslastung der Dienste eine wichtige Rolle spielen im Sinne einer Stärkung von Wettbewerb sowie Nachfrage- und Kunden- orientierung. Er baut auf dem ökonomischen Prin- zip oder Rationalprinzip auf (siehe unten). Im Zentrum der betriebswirtschaftlichen Dienst- leistungsökonomie stehen meist Themen wie Rechnungswesen, Controlling, Finanzierung, Marketing, Organisationslehre, Rechtsformen, normative, strategische und operative Unterneh- mensführung sowie Personalwirtschaft (Pracht 2002; Schellberg 2007; Arnold /Maelicke 2009; siehe auch die einschlägigen Buchreihen im Ju- venta-, Nomos- und Zielverlag sowie die entspre- chenden Hand- und Arbeitsbücher des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge). Sie sind zu ergänzen durch und überschneiden sich mit Themen der Organisationsgestaltung und Per- sonalführung (Grunwald / Steinbacher 2007; Grunwald, 2009b). Darüber hinaus müssen sie in Beziehung gesetzt werden zur oben dargestellten Perspektive auf den Dritten Sektor: Aus sozialwirt- schaftlicher Sicht liegt der Akzent nicht auf den Gegensätzen der spezifischen Logiken von Markt, Staat, Gemeinschaften und Non-Profit-Sektor,
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