Handbuch 5. Auflage
1662 Grunwald keinerlei Aussagen über die inhaltlichen Motive und Zielsetzungen des wirtschaftlichen Handelns zu machen hat und erst von diesen her seine Be- rechtigung erhält. Darüber hinaus ist die Verwendung der Kategorie der Effizienz gerade in Diensten und Einrichtun- gen der Sozialen Arbeit sorgsam abzuwägen: Auch wenn es zweifellos nötig ist, die Relation zwischen Aufwand und erreichter Wirkung und damit die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes von Ressourcen immer wieder neu zu überprüfen und gegebenen- falls zu optimieren, muss für alle Beteiligten deut- lich sein, dass häufig in sozialwirtschaftlichen Un- ternehmen „für exakte Kosten-Nutzen-Kalküle nur begrenzte tech- nische Bereiche von Einrichtungen zugänglich sind und dass für die Übertragung solcher Kalkulationen auf den Kernbereich der interaktiven sozialen Dienstleistungen erhebliche Einschränkungen bestehen“ (Merchel 2008, 856). Zu den beiden Kriterien Effektivität und Effizienz müssen gerade, aber nicht nur in Non-Profit-Orga- nisationen politische und soziokulturelle Rationa- lität hinzukommen. Politische Rationalität meint die Kompetenz, gegebene interne oder externe Machtkonstellationen und Interessenkonflikte so im Gleichgewicht zu halten, dass sowohl die Zu- fuhr unterschiedlicher Ressourcen als auch die Glaubwürdigkeit einer Organisation gesichert ist. Latente Interessenkonflikte zwischen unterschied- lichen Anspruchsgruppen treten jedoch in Organi- sationen ohne dominierendes Gewinnziel deutli- cher in Erscheinung, was Konsequenzen für die zwingende Beachtung der spezifischen Interessen der jeweiligen Anspruchsgruppen nach sich zieht. Insofern lässt sich über Effektivität und Effizienz einer Non-Profit-Organisation nur vor der Folie der spezifischen Machtverhältnisse angemessen diskutieren; nötig wird ein hoher Aufwand an Kommunikation und Lobbyarbeit. Soziokulturelle Rationalität schließlich verweist auf die Notwendigkeit einer jeden Organisation, sich im Geflecht des jeweiligen soziokulturellen Um- felds mit seinen sozialen Gegebenheiten und kul- turellen Werten in einer Weise zu platzieren, die Akzeptanz, Unterstützung und Kooperation ver- bürgt. Da in vielen sozialwirtschaftlichen Unter- nehmen als Non-Profit-Organisationen die „zweck- neutrale Teillegitimierung durch den Gewinn“ entfällt oder zumindest an den Rand gerät und die Legitimation ausgeprägter auf der „betrieblichen Grundfunktion“ beruht, gewinnt auch diese Form der Rationalität ein erhebliches Gewicht (Burla 1989, 93). In der Folge konkretisiert sich dies in einem gesteigerten Interesse der Öffentlichkeit an der Art und Weise der Dienstleistungserbringung und an den Normen und Werten, die dabei sicht- bar werden. Ein „erfolgreiches“ sozialwirtschaftliches Handeln muss also die Verfolgung des Formalziels (Effizienz) und des Sachziels (Effektivität) zum ei- nen auf die durchaus divergierenden Perspektiven von unterschiedlichen Anspruchsgruppen abstim- men und sie zum anderen ergänzen durch Kriterien einer politischen und soziokulturellen Rationali- tät. Die bislang vorgenommene Ausdifferenzierung ver- schiedener ökonomischer Rationalitäten lässt sich weiterführen zu einer spezifisch ökonomischen Be- stimmung der Sozialwirtschaft , die zwar mit betriebs- wirtschaftlichen Begriffen arbeitet, jedoch den Be- sonderheiten der Dienstleistungserbringung in sozialwirtschaftlichen Unternehmen gerecht wird. Aus ökonomischer Perspektive lässt sich die Sozial- wirtschaft verstehen als „eine Art Nicht-Markt- Ökonomie mit Wettbewerbselementen“, als „eine Ökonomie, die sich durch zusätzliche, besondere Effizienzkriterien ebenso auszeichnet wie durch zu- sätzliche, besondere Effektivitätskriterien“ (Halfar 2009, 480). Die Sozialwirtschaft dient grundsätz- lich der Herstellung und Verteilung privater, öffent- licher und meritorischer Güter und Dienstleistun- gen (Altmann 2009, 37 ff.; Finis Siegler 2009, 38 f.). Diese Prozesse der Herstellung und Verteilung wer- den sozialpolitisch reguliert über die Installierung von besonderen Finanzierungsformen für die jewei- ligen Güter im Interesse einer zielorientierten For- mulierung von Anreizen „für die Menge und Qua- lität, für die Angebots- und Nachfragesteuerung“ sozialwirtschaftlicher Dienste und Einrichtungen (Halfar 2009, 480). Darin entwickeln sich vor dem Hintergrund der jeweiligen Finanzierungsformen spezifische Leistungsstrukturen, die durch jeweils eigene Mischungsverhältnisse unterschiedlicher In- putfaktoren charakterisiert sind. Die Inputfaktoren und ihre jeweilige Ausprägung (z. B. die Bedeutung der ehrenamtlichen gegenüber der hauptamtlichen Leitung eines Jugendverbands) unterwerfen sich dabei nicht durchgehend dem Erfolgskriterium der
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