Handbuch 5. Auflage
Sozialwirtschaft 1663 Effizienz, sondern können sogar „effizienzmin- dernd“ wirken: „Die Sozialwirtschaft hat Anteile eigener Effizienzmuster, welche die Operationen im System langsamer, kompli- zierter und kostenintensiver machen, als dies bei einer betriebswirtschaftlich getunten Organisation akzeptiert würde“ (Halfar 2009, 480). Diese spezifischen Effizienzmuster sind in sozial- wirtschaftlichen Unternehmen nicht einfach nach „mehr“ oder „weniger“ Effizienz zu beurteilen. Ein wesentlicher Maßstab der Effizienz in sozial- wirtschaftlichen Unternehmen besteht vielmehr in der Prüfung, inwieweit die eigentlich geplante Produktionsweise mit der letztendlich realisierten Produktionsweise übereinstimmt. Eine Arbeits- gruppe der „International Group of Controlling“ hat eine überzeugende Ausdifferenzierung der je- weiligen, zunächst geplanten und dann realisier- ten Produktionsweise vorgeschlagen, die über ein rein wirtschaftliches Rationalitätsverständnis hi- nausgeht und das Verhältnis von Planung und Realisierung zumindest partiell einem Control- ling zugänglich macht. Dieses „Spinnenmodell“ ermöglicht eine Analyse der Soll-Ist-Differenzie- rung der verschiedenen Dimensionen und zeitigt damit – abhängig von der Produktionsweise und Konfiguration der jeweiligen Dienstleistung – ein teils branchen-, teils organisationsspezifisches Effi- zienzmuster (Halfar 2009, 481). Vorgeschlagen werden die Dimensionen „Voice Funktion“ ver- sus Erbringung von Dienstleistungen (diese Di- mension erinnert stark an die Multifunktionalität von Wohlfahrtsverbänden), ein hohes Maß an Autonomie versus starker Fremdregulierung (or- ganisationstheoretisch interessant, → Grunwald, Organisation und Organisationsgestaltung), „Be- darfs- /Wertorientierung“ versus „Nachfrage- / Er- lösorientierung“, interne versus externe Zielvor- gaben, Finanzierung über Beiträge und Spenden versus über Erlöse, solidarisch oder kompetitiv orientiert, auf Freiwilligkeit oder auf Zwangsmit- gliedschaft beruhend, über einen geringen oder hohen Formalisierungsgrad verfügend sowie eine primär nebenamtliche oder hauptamtliche Dienstleistungserbringung (Halfar 2009, 480 f.). Die spezifische Funktion der Produktion und Konfiguration von Dienstleistungen in einer sozi- alwirtschaftlichen Unternehmung lässt sich mit dieser Feingliederung sehr differenziert darstellen. Die Funktion ergibt sich dabei aus den zentralen Zielsetzungen einer Organisation und basiert auf spezifischen kulturellen, fachlichen sowie in der Tradition der Einrichtung wurzelnden und / oder politisch vorgegebenen Merkmalen einer Organi- sation oder eines Arbeitsfeldes. Der aus rein be- triebswirtschaftlicher Sicht zu konstatierende Ef- fizienz verlust ist insofern eher als Ausformung eines spezifischen Effizienzmusters für sozialwirtschaftli- che Dienste und Einrichtungen zu bezeichnen, als die wirtschaftliche Rationalität im engeren Sinne nur eine, aber nicht zu vernachlässigende Dimension ist. Genauso wenig lässt sich Effektivität , verstanden als Erfolg oder Wirksamkeit, allein begrenzen auf den wirtschaftlichen Erfolg bzw. die Rentabilität einer Organisation oder Dienstleistung. Im Gegenteil sind auch hier nichtmonetäre Ziele von erheblicher Bedeutung, die wiederum eng verknüpft sind mit den Interessen der verschiedenen internen oder ex- ternen Stakeholder, welche weit auseinandergehen können (Grunwald 2001, 51 ff.). Die Arbeits- gruppe der „International Group of Controlling“ schlägt insofern eine Differenzierung zwischen vier Wirkungsarten vor, die dann für die einzelnen An- spruchsgruppen zu konkretisieren sind: Output 1. als „das mengenmäßige Produktions- ergebnis“ der Non-Profit-Organisation und damit die „quantitative Leistungsmenge, die letztlich die Basis für qualitative Wirkungseffekte (…) darstellt“; Outcome 2. als Ensemble der gesellschaftlichen Wir- kungen und Nutzen (objektive kollektive Effektivi- tät), den die von der Non-Profit-Organisation er- stellten Güter oder Dienstleistungen haben; Effect 3. als „unmittelbare, objektiv ersichtliche und nachweisbareWirkung(en) (…) für einzelne Stake- holder“, die spezifisch für bestimmte Zielgruppen sind (objektive individuelle Effektivität) und schließlich Impact 4. als „subjektiv erlebte Wirkung“ oder „sub- jektive Effektivität“, die sich in der „Reaktion der Zielgruppen auf Leistungen (Output) und / oder die objektiven Wirkungen (Effects) der Leistungen“ zeigt (Halfar 2009, 482). Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive lässt sich die Sozialwirtschaft folglich begreifen als „ein spe- zifischer Dienstleistungssektor mit Besonderheiten
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