Handbuch 5. Auflage
Sport aus sozialpädagogischer Perspektive 1685 sind Klettern, Tauchen und Wildwasser-Kajakfah- ren. Solche Sportaktivitäten ermöglichen komplexe Sinneseindrücke; sie erfordern körperliche und psy- chische Herausforderungen, die mit Kontrolle und Kontrollverlust verbunden sind; und der Erfolg so- wie der Misserfolg der einzelnen Bewegungshand- lungen werden unmittelbar rückgemeldet. Solche Erfahrungen können auch die für das Jugendalter charakteristische Identitätssuche unterstützen. Schließlich und ganz banal: Wer in seiner Freizeit Sport treibt, „vergammelt“ sie nicht und hat wenigs- tens in diesem Zeitraum keine Möglichkeit zu ge- sellschaftlich abweichendem Verhalten. Die sportorientierte Jugendsozialarbeit, die sozial benachteiligten und sozial auffälligen Jugendlichen (inkl. Migranten, insbesondere Spätaussiedler, und Fußballfans) ein Sportangebot macht, das auf diesen Begründungen basiert, hat sich neben der allgemei- nen Jugendsozialarbeit auch im organisierten Sport zu einem neuen Bereich entwickelt. Initiativen wie z.B. „Sport in sozialen Brennpunkten“, „Interkultu- relle Arbeit im Sport“, „Gewaltprävention durch Sport“, „Basketball um Mitternacht“ werden vor- wiegend unter demDach der „Sportjugenden“ orga- nisiert. Sie werden etwa zur Hälfte durch den Staat bzw. Kommunen und zur anderen Hälfte durch die Sportvereine und Sportverbände finanziert. „Bezogen auf die Inhalte bieten 71,3% aller Initiativen Sportangebote mit sozialpädagogischer Betreuung an, 51,9% zusätzlich Sportangebote ohne sozialpädagogi- sche Betreuung. Interessant ist auch, dass 36,1% aller Initiativen nicht-sportliche Angebote mit sozialpädagogi- scher Betreuung offerieren.“ (Breuer 2002, 26) Dies zeigt, dass diese Initiativen weniger durch die Interessen des Sports im engen Sinne getragen wer- den, sondern eher durch die „Bereitschaft des orga- nisierten Sports, zur gesellschaftlichen Integration sozial benachteiligter Jugendlicher beizutragen“ (Breuer 2002, 35). Baur, J., Burrmann, U., Nagel, M. (2003): Mitgliedschafts- beziehungen in Sportvereinen. In: Baur, J., Braun, S. (Hrsg.): Integrationsleistungen von Sportvereinen als Frei- willigenorganisationen. Meyer&Meyer, Aachen, 159– 190 Bourdieu, P. (1999): Die feinen Unterschiede. Kritik der ge- sellschaftlichen Urteilskraft. Suhrkamp, Frankfurt/M. Brettschneider, W.-D., Kleine, T. (2002): Jugendarbeit in Sportvereinen. Anspruch und Wirklichkeit. Hofmann, Schorndorf Breuer, C. (2002): Das System der Sozialen Arbeit im organi- sierten Sport. Strauß, Köln Fussan, N. (2007a): Einbindung von Jugendlichen in Peer- Netzwerke: Sportvereinsmitglieder und Nicht-Mitglieder im Vergleich. In: Baur, J., Nobis, T. (Hrsg.), 31–62 – (2007b): Soziale Integration von jugendlichen Sportver- einsmitgliedern in die Kultur der Gleichaltrigen: Wett- kampfsportler und Nicht-Wettkampfsportler imVergleich. In: Baur, J., Nobis, T. (Hrsg.), 94–116 –, Nobis, T. (2007): Zur Partizipation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Sportvereinen. In: Baur, J., No- bis, T. (Hrsg.), 277–297 Gabler, H. (1998): Fairneß/Fair Play. In: Grupe, O., Mieth, D. (Hrsg.): Lexikon der Ethik im Sport. Hofmann, Schorndorf, 149–158 – (1994): Gewalt, Jugend und Sport – Ein sportspezifisches oder ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen? In: Thiersch, H., Wertheimer, J., Grunwald, K. (Hrsg.): „[…] überall, in den Köpfen und Fäusten“. Auf der Suche nach Ursachen und Konsequenzen von Gewalt. Wissenschaftli- che Buchgesellschaft, Darmstadt, 195–215 – (1987): Aggressive Handlungen im Sport. 2.Aufl. Hof- mann, Schorndorf Heinemann, K. (2007): Einführung in die Soziologie des Sports. 5.Aufl. Hofmann, Schorndorf Nobis, T., Baur, J. (Hrsg.) (2007): Soziale Integration vereins- organisierter Jugendlicher. Strauß, Köln Pilz, G.A. (2006): Integration statt Rote Karten. Sozial Extra 30, 36–40 –, Behn, S., Klose, A., Schwenzer, V., Steffan, W., Wölki, F. (2006): Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profi- fußball. Hofmann, Schorndorf Rössner, D. (2000): „Laufen, werfen und springen“ statt „hauen und stechen“. Mit Sport gegen Aggression und Ge- waltbereitschaft. In: Dr. Joseph Raabe Verlag (Hrsg.): Lehrer-Schüler-Unterricht. Loseblattsammlung. Grund- werk Stuttgart 1994ff.; Lieferung November 2000 in Teil B III 1.4, 1–8 Seiberth, K., Thiel, A. (2007): Fremd im Sport? – Barrieren der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Sportorganisationen. In: Johler, R., Schmid, J., Thiel, A., Treptow, R. (Hrsg.): Europa und seine Fremden. Die Gestaltung kultureller Vielfalt als Herausforderung. Tran- script, Bielefeld, 197–212 Sonnenschein, W. (1999): Assimilation versus Ethnizität. Sport und gesellschaftliche Integration ausländischer Mit- bürger. In: Erdmann, R. (Hrsg.): Interkulturelle Bewe- gungserziehung. Academia, Sankt Augustin, 81–92 Literatur
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