Handbuch 5. Auflage

Supervision  1719 ein verwaltungsmäßiger Einsatz von Supervision in 1. Großorganisationen, eine Tendenz von Teammitgliedern, Supervision an 2. der Führungshierarchie vorbei zu organisieren, statt sie als Qualitätsentwicklung anzusehen, die von der Leitung mitgetragen werden muss, und dass Supervision zu wenig auf neue prekäre Ver- 3. änderungen der Arbeitswelt eingestellt sei (42). Für die Neukonzipierung von OS richtet Gott- hardt-Lorenz den Fokus auf eine verbesserte Auf- tragsanalyse – was einer aktuellen Tendenz ent- spricht – und betont, wie wichtig eine starke Fachlichkeit ist, die sich keine Reflexionsgrenzen auferlegen lässt. Notwendig sei, die jeweils rele- vante Führungsebene zu beteiligen, ebenso die Funktionsträger von belastenden Aufgaben, und sich mit weiteren Supervisoren der Organisation auszutauschen. Auch die Kooperation zwischen Beratern einer Institution als Beratungssystem ist ein aktuelles Thema. Nur so ist die oft emotions- geleitete Anleitung zur Selbstreflexion möglich, für die „oft nur ansatzweise sichtbaren Themen“ in Zusammenhang mit „halb tabuisierten Prozessen und Strukturen im Auf- gabenfeld, in dem dazugehörigen Organisationskontext […], im Klienten- und Kundensystem und den dahinter liegenden gesellschaftlichen Bedingungen“ (39). Konzepte und Ansätze der Supervision Es gibt eine Vielfalt an Supervisionskonzepten, die meist therapeutisch benannt sind und sich durch verschiedene Theoriebezüge unterscheiden. Oft kennzeichnet ein Methoden- und Theoriemix die Praxis (Belardi 1992, 83). Das Verhältnis theoretischer Bezugskonzepte ist ein Dauerthema im Supervisionsdiskurs. In jünge- rer Zeit liest man vom „hegemoniale[n] Anspruch, den die Systemiker im Feld der Freiberufler inzwi- schen von den Analytikern übernommen haben“ (DGSv 2006, 39). Zunehmend werden integrative Konzepte für notwendig gehalten, um dem über- komplexen Gegenstand von Supervision gerecht zu werden. Aktuell ist auch die Verhältnisbestimmung zu anderen Verfahren, wie Coaching, Mediation und OE, virulent. Wie Berater(innen) mit Kennt- nis verschiedener Ansätze und Verfahren zu Hand- lungsentscheidungen kommen, wird von mir (Iser 2008, 406 f.; 439 f.) rekonstruiert und beschrieben. Dabei zeigt sich, dass durch die Kenntnis verschie- dener Methoden und Ansätze zwar ein Methoden- mix entsteht, dessen Entwicklung sich aber sehr wohl an einem Sachproblem und analytischen Überzeugungen (z. B. dem jeweiligen Konfliktver- ständnis) orientiert entwickelt. Stand der deutschsprachigen Supervisionsforschung Die deutschsprachige Supervisionsforschung ist in den letzten Jahren enorm angewachsen, wobei v. a. nach Wirkungen und nach Qualitätsfaktoren ge- fragt wird. Zugleich wird der aktuelle Stand der Forschung kritisch diskutiert: Er sei eher „natur- wüchsig“, systematisch entwickelte Forschungs- programme gäbe es kaum und die Studien seien von sehr unterschiedlicher Qualität. Verhältnis- mäßig selten seien ausgewiesene Forschungsmetho- den. Konkret heben Petzold et al. v. a. drei Lücken hervor: bisher konnten spezifische Wirkfaktoren und Wirkungen nicht differenziert nach Super- visionsformen und -konzepten nachgewiesen wer- den (2003, 10 f.), die Wirkung von Supervision auf das Klientensystem (72 f.) und die Risiken und Nega- tivwirkungen von Supervision seien bisher kaum untersucht (75). (Zum Stand der Forschung s.a. Haubl /Hausinger 2009; Berker / Buer 1998.) Wirkungsforschung versus Fallorientierung Das Forschungsprogramm von Petzold et. al. ist eine langjährige Forschung zu Konzeptvergleichen, dem Konzept der „Integrativen Supervision“, das u. a. von Petzold und Schreyögg entwickelt wurde, sowie (oft quantitativ) zu Wirkungen und Wirk- faktoren von Supervision. An der begrenzten Reichweite quantitativer Wir- kungsforschung setzt die Kritik durch eine For- schungsrichtung an, in der nach dem Wie, dem konkreten Geschehen und den Wirkzusammen- hängen in der Supervision gefragt wird. So knüpft z. B. nach Fatzer sinnvolle Erfolgsforschung an qualitativen Fallstudien, ethnographischen Me- thoden und der Aktionsforschung an. Nur mit so

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