Handbuch 5. Auflage

1764 Füssenhäuser  kontinuierliche Selbstreflexion bzw. Selbstreflexi- vität. Soziale Arbeit verabschiedet sich von der Hoffnung, AdressatInnen direkt zu beeinflussen. Sie kann jedoch AdressatInnen so anregen, dass diese ihr Handeln verändern. Professionelle gene- rieren zusammen mit ihren AdressatInnen und in ihrem Handeln Wirklichkeit. Professionelles Handeln erfordert zudem eine sozial-kontextuelle Sensibilität. Der Konstruktivismus ermöglicht die für die Soziale Arbeit notwendige Integration unterschiedlicher Theorien und Erkenntnis- zugänge; er gibt zugleich einen Rahmen vor. Kon- struktivismus ist sowohl wissenschaftskritisch wie wissenschaftsoptimistisch. Ökosoziale Soziale Arbeit Im Kontext einer ökologischen Wissenschaft ver- stehen ökosoziale Zugänge wie z. B. die von Ger- main /Gittermann und Wendt Soziale Arbeit als ökologische Aufgabe, die sowohl ökonomische, politische und kulturelle Seiten einschließt als auch darauf beharrt, Menschen in ihrem zeitlichen und räumlichen Horizont, ihrer Milieuverortung wahr- zunehmen. Die Ökosoziale Soziale Arbeit unter- stützt die selbstaktive Lebensgestaltung von Men- schen. Soziale Arbeit zielt auf ein besseres Wohlergehen von Menschen. Gleichzeitig be- schreibt es Lebensverhältnisse und (soziale) Pro- bleme in ihrem komplexen Zusammenhang und reflektiert das Handeln der professionell Tätigen auf dem Hintergrund des ökosozialen Paradigmas (Wendt 2010). Sie versteht sich primär als eine „Theorie personenbezogener Wohlfahrt“ und erst sekundär als eine professionsbezogene Handlungs- theorie (Wendt 2010, 12, 35–46). Der Begriff der Wohlfahrt bezieht sich dabei sowohl auf „per- sonenbezogenes Wohlergehen wie soziales Wohl“ (37) und zielt auf eine Verbesserung der subjekti- ven wie objektiven Lebensqualität von Menschen. Zentraler Gegenstand einer ökosozialen Sozialen Arbeit sind die Lebensbereiche von Menschen, in ihren sozialen Kontexten und im öffentlichen Raum (12). Soziale Arbeit bearbeitet dabei die so- zialen Probleme, die Menschen direkt betreffen. Für die ökosoziale Soziale Arbeit sind dabei die zwei Kategorien Raum und Zeit zentral (69–78). Soziale Arbeit arbeitet dabei (sozial)raumbezogen bzw. milieuorientiert. Soziale Arbeit beachtet dabei die Dimension der Zeit: Menschen entwickeln zeitliche Perspektiven, entwerfen sich im Rekurs auf die Vergangenheit und im Blick auf die Gegen- wart sowie die Zukunft. Zudem braucht Soziale Arbeit Zeit, sie ereignet sich im Prozess und erfor- dert Geduld. Ökosoziales Management verbindet Organisation und Methode Sozialer Arbeit. Soziales Wirtschaften bzw. Managen erfordert einen umsichtigen und or- ganisierten Zugang. Auf der Mikroebene professio- nellen Handelns verknüpft dieser sich mit dem Case Mangement (Wendt 2010, 170). Der Begriff selbst wird von Wendt zum Teil als Unterstützungsmana- gement, aber auch als Fallmanagement bezeichnet. Case Management verbindet ökonomische und öko- soziale Aspekte und zielt auf eine wirksame Gestal- tung von Prozessen der Soziale Arbeit. Soziale Arbeit hat dabei einen doppelten Auftrag: Sie richtet sich einerseits auf die Erschließung von Ressourcen der sozialen Unterstützung. Andererseits zielt sie auf die konkrete Unterstützung bzw. Bewältigung des Ein- zelfalls. SozialarbeiterInnen werden managerial tätig, um soziale Probleme zu bewältigen. Der vorrangig anzustrebende fallweise Zugang richtet sich gegen eine Fragmentierung von Leistungen, er ist zugleich feldbezogen und sozialräumlich sowie person- und situationsbezogen organisiert (Wendt 2010, 176– 189). Professionellen kommt dabei insbesondere folgende Funktionen zu: eine selektierende und zu- gangsöffnende Funktion, eine vermittelnde Funk- tion, eine fördernde und unterstützende Funktion sowie eine anwaltliche Funktion ( → Wendt, Care und Case Management). Professionalisierungstheoretische Ansätze Soziale Arbeit hat sich im Verlauf des 20. Jahrhun- derts quantitativ wie qualitativ verbreitert und etab- liert. Ob sie sich dabei aber auch zu einer Profession entwickelt hat, ist nach wie vor umstritten (Müller 2005, 731). Während die frühe Professionalisie- rungsdebatte der 1970er und 1980er Jahre sich pri- mär für standespolitische Fragen bzw. für den gesell- schaftlichen Status der Sozialen Arbeit sowie für die Verwissenschaftlichung der Sozialen Arbeit interes- sierte, fokussiert der neuere Professionalisierungsdis- kurs – auf den hier der Schwerpunkt gelegt wird – primär auf Strukturprobleme professionellen Handelns. Dieser versucht dabei zu begründen, wie

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