Handbuch 5. Auflage

1780 Rose  schen. Sie dienen in offenen Kontaktsituationen als Beziehungsmedium, in Behandlungssettings als therapeutisches Medium. Vergnügungstiere wie Aquariumsfische, Meerschweinchen, Wellen- sittiche, Katzen und Hunde leben in den Einrich- tungen mit oder werden im Rahmen von Tierbe- suchsdiensten zeitweise dorthin gebracht und zur Herstellung eines therapeutischen Milieus ge- nutzt. In den Kindertierfarmen bieten Tiere at- traktive Lern- und Erlebnisreize. In der „Grünen Sozialarbeit“ schafft der Einsatz landwirtschaftlicher Nutz- und Arbeitstiere naturwüchsig-ganzheitliche Arbeitserfahrungen. Zu erwähnen sind schließlich auch Tiere, die gezielt für Assistenzdienste für Men- schen mit Behinderungen ausgebildet und genutzt werden, z.B. Blinden- und Service-Hunde. Fachdiskurs zur tiergestützten Intervention Im Fachdiskurs der Sozialen Arbeit werden Tiere dennoch bislang kaum thematisiert. Seminare, Fachveranstaltungen, Fortbildungen finden sich selten. Eine eigene Untersuchung der einschlägigen Fachzeitschriften der Sozialen Arbeit der letzten Jahre förderte nur vereinzelt entsprechende Fach- beiträge zutage, vor allem deskriptiv-programma- tische Praxisdokumentationen aus Einrichtungen, die Tiere in ihrer Arbeit nutzen. In den Hand- büchern zur Sozialen Arbeit fanden sich in der Ver- gangenheit keine tierbezogenen Stichworte. Solide wissenschaftliche Beiträge, kritische Anfragen, em- pirische Studien, Praxisevalutionen, theoretische Klärungen, auch die erforderliche Auseinanderset- zung mit den interdisziplinären Grundlagen der Mensch-Tier-Thematik aus Ethologie, Psycho- logie, Medizin, Soziologie, Völkerkunde und Sozi- algeschichte fehlen. Als Ausnahme ist der Über- blicksartikel von Sylvia Greiffenhagen (2003) zu nennen, der in einer einschlägigen Fachzeitschrift erschien. Sehr viel mehr findet sich dagegen auf der Ebene der Diplomarbeiten. Grundsätzlich anders sieht die Diskurssituation in den angrenzenden Disziplinen der Sozialen Arbeit aus. Tiere werden in der Heil- und Sonderpädago- gik, Behindertenpädagogik, Psychomotorik und Medizin sehr viel intensiver verhandelt. Vor allem auch in den anglo-amerikanischen Ländern ist die Fachdebatte renommierter und elaborierter als in Deutschland. 2001 wurde von der Delta Society , dem größten internationalen Fachverband, der Be- griff der Tiergestützten Therapie (Animal Assisted Therapy / AAT) definiert. Danach handelt es sich bei AAT um eine zielgerichtete und evaluierte, von einer entsprechend ausgebildeten Fachkraft des Gesundheitswesens durchgeführten Intervention, in der ein Tier, das bestimmte Kriterien zu erfüllen hat, integraler Bestandteil des therapeutischen Pro- zesses ist. Werden diese Anforderungen nicht er- füllt, spricht man von „Tiergestützten Aktivitäten“ (Animal Assisted Activity / AAA). Als Oberbegriff wird der Begriff der „Tiergestützten Intervention“ propagiert, andere Bezeichnungen sind aber wei- terhin gebräuchlich. In den letzten Jahrzehnten institutionalisierte sich ein spezialisierter Wissenschaftszweig zur tier- gestützten Intervention. Neben der Delta Society existiert als weiterer weltweiter Dachverband die International Human-Animal Interaction Organi- zations (IAHAIO), dem als deutscher Verband der „Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft“ angehört. Auf seinem 11. Weltkongress 2007 in Tokio deklarierte er als grundlegendes Menschen- recht die Chance, von der Anwesenheit von Tieren profitieren zu können. Mit „Anthrozoös. A Multi- disciplinary Journal of the Interactions of People and Animals“, die von der „International Society für Anthrozoology“ (ISAZ) herausgegeben wird, verfügt die Fachszene über eine internationale Fachzeitschrift. Auch die Zahl der Institutionen im deutschspra- chigen Raum ist mittlerweile kaum mehr über- schaubar. Sie bieten Informationen, Literatur, Fachveranstaltungen und eigene Ausbildungen an, agieren als Vernetzungs- und Interessensorgane. Zu nennen sind hier u. a. „Tiere helfen Menschen“, Stiftungsinitiative „Bündnis Mensch&Tier“, For- schungsgruppe „Mensch-Tier“ am Institut für Päd- agogik der Universität Erlangen-Nürnberg, „TIPI – Tiere in die Pädagogik integrieren“ der Heilpädagogischen Fakultät der Universität Köln und die Portale „tiergestützte Therapie/Pädagogik für Deutschland, Österreich und die Schweiz“ (www.tiergestuetzte-therapie.de) und „Tiergestützte Pädagogik und Therapie“ der Evangelischen Hoch- schule Freiburg (www.researchaat.de) . Parallel zum relativ reichhaltigen therapeutisch- medizinischen und therapienahen Diskurs existiert ein sehr umfangreicher populärwissenschaftlicher

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