Handbuch 5. Auflage
1792 Colla unterstützt und ergänzt durch bürgerschaftliches Engagement. Die Zahl der Ehrenamtlichen in ei- nem Hospiz divergiert, sie reicht von 2 bis 100. Tageshospiz Das Tageshospiz als eine teilstationäre Einrichtung ist in der Regel einem Hospiz zugeordnet. Die Auf- gabe besteht in der palliativ-pflegerischen bzw. medizinischen und psychosozialen Betreuung von Patienten in einem frühen Krankheitsstadium und der Arbeit mit deren Angehörigen. Ein wesentli- cher Aspekt der Arbeit dieser Arbeitsgruppe ist die Entlastung und Unterstützung des Patienten bzw. seiner Angehörigen (vor allem für pflegende Be- rufstätige), so dass der Patient möglichst lange in seiner häuslichen Umgebung bleiben kann. Ambulante Palliativ- und Hospizdienste Die ambulanten Palliativ- und Hospizdienste sehen ihren Ansatzpunkt in der Reduzierung von Defizi- ten bei der ambulanten Versorgung von Patienten mit weit fortgeschrittenen inkurablen Erkrankun- gen. Ziel ist es, die Patienten und ihre Angehörigen in der gewohnten häuslichen Umgebung zu be- treuen und die Hausärzte und involvierten Dienste (u. a. Sozialstationen, Pflegedienste) zu beraten und zu unterstützen oder die im stationären Be- reich initiierten Behandlungen fortzuführen. Die freiwilligen Helfer zeigen folgende Merkmale: mehrheitlich religiös orientierte Menschen, Frauen im mittleren oder höheren Lebensalter, hauptsäch- lich aus der Mittel- und Oberschicht und Personen mit Todes- bzw. Trauererfahrungen. Kinderhospiz Die Idee eines Kinderhospizes entstand Anfang der 1980er Jahre in Großbritannien. Ein Kinderhospiz umfasst ambulante und stationäre Dienste für un- heilbar kranke Kinder und deren Eltern und Ge- schwister. In einem Kinderhospiz können Eltern für etwa 4 Wochen die Pflege ihres Kindes rund um die Uhr professionellen Helfern überlassen, um eigene Ressourcen zu reaktivieren. Der Tagesablauf wird individuell mit den (oft jungen) Familien ab- gestimmt, besondere Angebote gelten den Ge- schwisterkindern, deren soziale und emotionale Versorgung durch die Betreuung des sterbenden jungen Menschen häufiger zurücktritt. In deut- schen Kinderhospizen (derzeit neun Einrichtun- gen, weitere sechs sind in der Planung, hinzu kom- men etwa 40 ambulante Kinderhospize) wird auch eine Sterbebegleitung angeboten. In der räumli- chen Ausgestaltung und Programmgestaltung un- terscheiden sich Kinderhospize von sogenannten Jugendhospizen. Ein wichtiger Akzent liegt auf der Ausgestaltung der Trauerarbeit bei gleichzeitiger Nutzung der verbleibenden Zeit für vielfältige For- men des Erlebens. Die Interessen der Einrichtun- gen werden vom „Bundesverband Kinderhospiz“ vertreten. Interdisziplinäres Organisationsmodell Das Praxisverständnis der Hospizarbeit begründet sowohl die Abwahl des traditionellen medizi- nischen Modells und seiner zuarbeitenden Koope- ration als auch die eines multidisziplinären Modells mit konsultativer Kooperation traditioneller Ge- sundheitsbetriebe wie Krankenhäuser oder Alten- und Pflegeheime. Die Existenz einer solchen Sub- kultur drückt sich in einer starken Identifikation mit den Zielen des jeweils eigenen Berufstandes und einer Dominanz von Partialinteressen aus. Dies Modell entsprach zwar den historisch gewach- senen beruflichen Sozialmustern, behindert aber die Entfaltung prozessorientierter und ganzheitli- cher (Pflege-)Ansätze und ist eine Quelle für die Demotivation, die sich häufig ausdrückt in hoher Mitarbeiterunzufriedenheit, Mangel an struktu- rierter Arbeitsorganisation, Kommunikationsmän- geln und Arbeitsplatzwechsel. Im Hospiz steht die psychosoziale Begleitung für eine bewusste und bedürfnisgerechte Gestaltung der letzten Lebens- zeit im Mittelpunkt der Praxis. In der Hospizarbeit soll hinreichend Zeit darauf verwendet werden, die emotionalen Bedürfnisse der Sterbenden abzuklä- ren, auch die des Umgangs mit destruktiven Ge- fühlen einschließlich der Auseinandersetzung mit möglicherweise vorhandener Suizidthematik, sowie die Akzeptanz des sich verändernden Körperbildes bzw. des Körperabbaus zu gestalten. Sie ermutigt und unterstützt bei Fragen nach dem Sinn und der
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