Handbuch 5. Auflage

Übergänge in den Beruf 1819 geraten. Umgekehrt können Brüche in beruflichen Übergängen auch mit Dynamiken in Liebesbezie- hungen zu tun haben, deren biographische Be- deutung anerkannt werden muss (Winter / Neu- bauer 2005; BZgA 2007). Für manche jungen Frauen und Männer geht es ■ ■ schon während der Übergänge in den Beruf um den Übergang in die Elternschaft , verbunden mit erfahrenen oder vorweggenommenen Vereinbar- keitsproblemen (Bois-Reymond et al. 2008). Und gleichzeitig sind junge Frauen und Männer ■ ■ immer auch mit Lebensstil-Übergängen beschäftigt (Stauber 2004). Ihre jugendkulturellen Selbstinsze- nierungen sind symbolische Entwürfe für die ei- genwillige Gestaltung von Übergängen und die Entwicklung von Lebensentwürfen. Diese inhaltlich unterschiedlich gelagerten Über- gänge finden gleichzeitig statt, auch wenn aus der Subjektperspektive einmal die einen, einmal die an- deren in den Vordergrund treten. Sie haben ihre jeweils eigene Logik und Dynamik, sie können Widersprüche generieren und stellen junge Frauen und Männer immer wieder vor enorme Heraus- forderungen. Die Fragmentierung individuell zu vereinbarender Teilübergänge, die sich immer stär- ker vom Übergang in den Beruf entkoppeln, ist ein zentraler Aspekt der Entstandardisierung von Übergängen zwischen Jugend und Erwachsensein, die nicht als lineare Bewegungen zu denken sind. Vielmehr folgen sie einer Struktur, die im Kontext international vergleichender Übergangsforschung mit einem Yo-Yo verglichen wird (Stauber /Wal- ther 2002; Stauber et al. 2007): Sie sind Hin- und Herbewegungen zwischen Jugend und Erwachsen- sein, charakterisiert durch Reversibilität (auf Schritte der Verselbstständigung können jederzeit Gegenbewegungen folgen) und durch Diversifizie- rung (sie folgen immer weniger standardisierten Mustern, sondern bilden im Zusammenspiel von Übergangsstrukturen und individuellen Bewälti- gungsstrategien vielfältige biographische Konstel- lationen aus). Immer mehr Übergänge junger Frauen und Männer in den Beruf stimmen nicht mehr mit den Normalitätsannahmen einer linearen Statuspassage von der Jugend zum Erwachsensein überein, werden institutionell entweder nicht wahrgenommen oder aber als abweichend und ris- kant stigmatisiert. In der gleichen Bewegung wird soziale Ungleichheit individualisiert. Das Konzept der Yo-Yo-Übergänge hat hier in ers- ter Linie heuristische Funktion: Es geht um die Sensibilisierung dafür, dass in manchen dieser Teil­ übergänge junge Frauen und Männer bereits Er- wachsene sind (oder sein müssen), in anderen da- gegen noch (oder wieder) Jugendliche. Im Kontrast zu herkömmlichen Diskursen der Lebenslauf- und der Jugendforschung, nach denen die Jugendphase ein zeitlich begrenztes, wenn auch verlängertes „Bildungsmoratorium“ zur Vorbereitung auf die Anforderungen des Erwachsenenstatus darstellt, stehen hier biographische Übergänge in ihrer po- tenziell auf Dauer gestellten Dynamik im Zen- trum. Junge Frauen und Männer als AkteurInnen in Übergängen Übergänge sind dabei nicht als latent problematisch zu betrachten, sondern als latent ereignisreich: Hier passiert biographisch und gesellschaftlich Relevan- tes. Damit rückt das Handeln junger Frauen und Männer in den Blickpunkt, mit dem sie individuelle Lebensentwürfe entwickeln und gleichzeitig zur Ge- staltung sozialer Beziehungen beitragen – wie etwa der Generationen – und Geschlechterbeziehungen, der interkulturellen Beziehungen, der Partizipations- verhältnisse etc. Eine Handlungsperspektive auf junge Frauen und Männer in entstandardisierten Übergängen (Pohl et al. 2011) kann in einer ersten begrifflichen Annähe- rung anknüpfen an das Konzept der Lebensbewälti- gung (Böhnisch 2008): Es geht darum, mit den vielfältigen Herausforderungen, Fragen und Proble- men, die sich in den verschiedenen Teilübergängen stellen, zurechtzukommen. Im Konzept der Lebens- bewältigung spiegelt sich die Doppelgesichtigkeit der Individualisierung. Lebensbewältigung ist nicht nur eine gesellschaftliche Anforderung an die Indivi- duen, sondern auch ein Anspruch junger Frauen und Männer an sich selbst. Damit weist das hier Ge- leistete über die schiere Bewältigung von Problemen hinaus – denn mit dem Zurechtkommen-Müssen und Zurechtkommen-Wollen verbindet sich syste- matisch auch ein eigenwilliger Gestaltungsanspruch (Stauber 2004). Der Blick auf die Handlungsfähig- keit von Subjekten in unterschiedlichen Bedingungs­ gefügen lässt aber die Rückgebundenheit in sozial strukturierte Kontexte nicht aus dem Blick, und

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