Handbuch 5. Auflage

1830 Wagenblass  Aktuelle Befunde zum Thema Vertrauen und Soziale Arbeit Die wenigen vorliegenden Forschungsbefunde in der Sozialen Arbeit untersuchen Vertrauen auf drei unterschiedlichen Ebenen, wobei die meisten Stu- dien sich mit Vertrauen auf der Ebene der Interak- tion und Beziehung auseinandersetzen. Auf der Makroebene steht das generalisierte Ver- 1. trauen bzw. das Systemvertrauen in die Soziale Ar- beit im Zentrum der Forschung (z.B. Wagenblass 2004). Auf der Mesoebene wird das Vertrauen in interpro- 2. fessionellen Kooperationen, also das Vertrauen zwischen unterschiedlichen Expertensystemen, dis- kutiert (z.B. Fabel-Lamla 2011; Santen / Seckinger 2011; Wagenblass 2013). Und auf der Mikroebene schließlich wird Vertrauen 3. in Interaktionsbeziehungen zwischen den Professi- onellen und den AdressatInnen untersucht (z.B. Tiefel 2012; Zeller 2012). Generalisiertes Vertrauen in die Soziale Arbeit Auf der Makroebene speist sich Vertrauen als gene- ralisiertes Vertrauen aus dem Glauben in die prin- zipielle Leistungs- und Funktionsfähigkeit der Ins- titutionen der Sozialen Arbeit, die in ihrer Wirksamkeit vom Fehlverhalten Einzelner nicht berührt werden sowie dem Vorhandensein funkti- onsfähiger Sanktions- und Kontrollmechanismen. Dieses Vertrauen kann sich unterschiedlich bilden: Zum einen kann es sich über eigene positive Erfah- rungen oder auch über stellvertretende Erfahrungen entwickeln, d. h. Erfahrungen, die von anderen Personen gemacht wurden und durch persönliche Erzählungen und Berichte weitervermittelt wur- den. Diese direkten und stellvertretenden Erfah- rungen mit den ExpertInnen bzw. die Informatio- nen über die abstrakten Systeme können Erwartungen erwecken, die über den konkreten Entstehungskontext hinausgehen und sich als ge- neralisierte Erwartungen auf der institutionellen Dimension des Systemvertrauens abbilden. Neben den direkten oder stellvertretenden Erfahrungen beeinflusst auch das public image die Vertrauens- gabe. Das public image repräsentiert die subjekti- ven Wahrnehmungen und Zuschreibungen in der Öffentlichkeit. Dieses öffentliche Erscheinungsbild strukturiert das Verhältnis der Institution und der Bevölkerung, da auf dieser Grundlage Erwartun- gen im Hinblick auf zukünftige institutionelle Leistungen erzeugt werden. Die Soziale Arbeit an sich wird von einer großen Mehrheit in der Bevöl- kerung als wichtig angesehen, gleichzeitig werden die Förderinstrumente, das Klientel und die insti- tutionellen Strukturen kritischer gesehen. Mit den geringsten Werten wird die Arbeit der Ämter und Behörden in der Sozialen Arbeit positiv bewertet. Hier scheint eher ein allgemeines Misstrauen gegen Bürokratie, öffentliche Verwaltung und Beamte zum Ausdruck zu kommen. So genießen 2010 Be- amte mit 32% Zustimmung (im Vergleich Feuer- wehrmänner 92%, Krankenpfleger 88%) ein eher bescheidenes Ansehen (Nodes 2010). Welchen Einfluss die öffentliche Wahrnehmung der Institutionen der Sozialen Arbeit hat, zeigt sich deutlich am Beispiel der Jugendämter. Als „behörd- liche Soziale Arbeit“ hat das Jugendamt – bei einer insgesamt sehr positiven Bewertung der Sozialen Arbeit – den am wenigsten positiv betonten Ruf in der Bevölkerung. Da diese vermutlich die Tätigkeit des Jugendamtes aus eigener Erfahrung kaum kennt, haben die Medien eine besondere Bedeu- tung, diese Sichtweisen zu prägen. So klagen die Jugendämter (BAG Landesjugendämter 2011, 5), „dass sie in der medialen Berichterstattung und öffentli- chen Wahrnehmung zumeist pauschal als versagende Behörde oder im umgekehrten Fall, wenn ein Kind aus Kindesschutzgründen aus der Familie herausgenommen wird, als ,kinderklauende‘ Behörde dargestellt werden. Positive Leistungen hingegen finde man nicht oder nur äußerst selten“. Dies hat zur Folge, dass die meisten Kontakte mit dem Jugendamt nicht auf freiwilliger Basis, son- dern durch Druck und Zwang von Dritten zu- stande kommt. Auf der Ebene des Systems ist somit ein positives public image der Institution ein wichtiger Bedin- gungsfaktor, um ein generalisiertes Vertrauen auf- bauen zu können. Dieses kann durch ausreichende Informationen und Wissen über die Soziale Arbeit und deren Leistungsspektrum verändert werden (z. B. die Medien- und Öffentlichkeitskampagne der BAG Landesjugendämter o. J.).

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