Handbuch 5. Auflage

Vertrauen 1831 Eng verbunden mit der Bereitstellung von Infor- mationen ist die Schaffung von Transparenz über die verfügbaren Leistungen der Sozialen Arbeit so- wie über den Verlauf der internen Entscheidungs- wege und -vollzüge bei Inanspruchnahme ihrer Hilfe- und Unterstützungsleistungen. Der Erbrin- gungsprozess sollte für die nachfragenden Subjekte keine Blackbox sein, in die auf der einen Seite eine Problemdeutung eingeführt wird und auf der an- deren Seite eine Problemlösung entsteht, ohne dass die internen Deutungs- und Entscheidungspro- zesse nachvollziehbar sind. Vertrauen kann weiterhin durch die Etablierung und Gewährleistung adressatenspezifischer Rechte und Wi- derspruchsmöglichkeiten abgestützt werden. Insbe- sondere bei asymmetrischen Machtbeziehungen und der einseitigenMöglichkeit der Machtausübung sind institutionelle Arrangements notwendig, die einen möglichen Missbrauch des Machtungleichge- wichtes eindämmen, indem Widerspruchsverfahren für die AdressatInnen eingerichtet werden, welche die professionelle Macht begrenzen. Vertrauen kann dann entstehen, wenn Institutionen Offenheit de- monstrieren und auf Verfahren der internen und externen Kontrolle hinweisen. Die AdressatInnen müssen darauf vertrauen können, dass sie Wider- spruchsmöglichkeiten haben imFalle eines Dissenses bei der Aushandlung der Leistung und diese derart institutionalisiert sind, dass die Überprüfung dieses Widerspruches nicht von der Willkür der Entschei- dung einer Einzelperson abhängt. Wirksamen Kon- troll- und Sanktionsmechanismen innerhalb der In- stitution Jugendhilfe kommt eine große Bedeutung für den Aufbau von generalisiertem Vertrauen zu. Nach Luhmann (1989, 99) benötigt ein System zum Aufbau höherer Komplexität das Vertrauen der Ad- ressatInnen in die Wirksamkeit und Effizienz der institutionalisierten Formen von Kontrolle und Sanktionsmechanismen. Dies verweist auf die Not- wendigkeit der Institutionalisierung von Verfahren im Rahmen der Jugendhilfe, innerhalb derer die Professionellen verpflichtet sind, Begründungen be- züglich ihrer Problemdeutungen und ihres Handelns zu geben. Eine Möglichkeit wäre hierbei die bundes- weite Einrichtung von Ombuds- und Beschwerde- stellen. Diese unterstützen die AdressatInnen durch Aufklärung und persönlichen Beistand sowie durch rechtliche Beratung und ggf. rechtlicher Vertretung in Gerichtsverfahren. Generell sind Partizipationsmöglichkeiten für die AdressatInnen an den sie betreffenden Entschei- dungen eine wichtige Basis für Vertrauen. Durch Rechte und Pflichten dieser Art wird Vertrauen sta- bilisiert. Mit den gesetzlichen Grundlagen (z. B. SGB VIII) liegt der rechtliche Rahmen zur Bereit- stellung adressatInnenspezifischer Beteiligungsmög- lichkeiten vor, doch entscheidend ist die Umsetzung dieser Rechte in institutionellen Entscheidungsvoll- zügen. Im Abschlussbericht der Evaluation des Bundesmodellprogramms „Wirkungsorientierte Ju- gendhilfe“ (Albus et al. 2010) wurde in diesem Zu- sammenhang auf den Einfluss der von den Fach- kräften eingeräumten „ Partizipationsrechte der Kinder und Jugendlichen im Alltag “ auf die Bezie- hungsbewertungen der jungen Menschen aufmerk- sam gemacht. Die Ergebnisse zeigen, „dass das Ausmaß der gewährten Mitbestimmungsmög- lichkeiten im pädagogischen Alltag und damit auch das signalisierte Vertrauen in die Kinder und Jugendlichen ei- nen positiven Effekt auf die Qualität der Arbeitsbeziehung aus Sicht der jungen Menschen hat. Sich durch diese eröff- neten Gestaltungsspielräume und Entscheidungsfreiheiten ernst genommen und akzeptiert zu fühlen, korrespondiert damit zumindest zu einem Teil mit den von Rempel und Holmes formulierten zentralen Bestandteilen von Ver- trauen: Vorhersagbarkeit, Verlässlichkeit und Glaube an den anderen“. (158) Insofern verwundert es nicht, dass das Vertrauen der jungen Menschen in engem Zusammenhang mit der Einschätzung der Kinder und Jugendlichen steht, dass die Fachkräfte genug Zeit für sie haben (158). Gleichwohl zeigt die Studie auch, dass die zentralen Wirkmechanismen des Beteiligungsemp- findens und der tragfähigen Arbeitsbeziehung nicht im kontextfreien Raum entstehen. Sie sind vielmehr auf eine Organisationsform angewiesen, die Profes- sionalität in den genannten Dimensionen unter- stützt, Fachkräfte ermächtigt und strukturell eine Dienstleistungsqualität ermöglicht (163). Mesoebene: Vertrauen in interprofessionellen Kooperationen Kooperative Formen der Zusammenarbeit haben in den letzten Jahren in der Sozialen Arbeit zu- nehmend an Bedeutung erfahren. Es gibt kaum

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