Handbuch 5. Auflage
Vertrauen 1833 tenzen und Verantwortlichkeiten zwischen den Be- teiligten festgelegt sein. Basis hierfür ist, dass ein Mindestmaß an gemeinsamen Zielen und Überzeu- gungen vorhanden ist. Diese können nicht einfach vorausgesetzt werden, vielmehr sind hierfür Diskus- sionen und ein gleichberechtigter Austausch not- wendig (Wagenblass 2013). Als weitere Kriterien, die den Aufbau von Vertrauen fördern, nennen van Santen und Seckinger (2011, 395 ff.): Ähnlichkeit: Je ähnlicher sich die Kooperationspart- ■ ■ ner im Hinblick auf Struktur, Verfahren, Ziele oder Arbeitsfeld sind, desto leichter fällt es ihnen, sich wechselseitig zu vertrauen. Status: Statusbezogene Gewinn- und Verlustan- ■ ■ nahmen beeinflussen die Vertrauensgabe. Ressourcen: Die Höhe des Einsatzes von Ressour- ■ ■ cen signalisiert das eigene Vertrauen in den Nutzen der Kooperation und erzeugt so Vertrauen bei den Kooperationspartnern. Kompetenz: Die dem Kooperationspartner zuge- ■ ■ schriebene Kompetenz kann Vertrauen generieren. In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft mit einem stark ausdifferenzierten Hilfe- und Un- terstützungssystem wird Kooperation für die Soziale Arbeit zu einer unverzichtbaren Größe. Vertrauen sowohl auf der Ebene der Institution als auch auf der Ebene der Person, d. h. den Vertretern /Vertrete- rinnen der Institution, stellt in interprofessionellen Kooperationen eine wichtige Ressource dar, denn es fördert den Verzicht auf Kontrolle und schafft da- durch Spielräume, die für ein produktives Mitein- ander genutzt werden können. Mikroebene: Vertrauen als strukturierendes Moment in der Beziehung zwischen AdressatInnen und Professionellen Die Soziale Arbeit als Institution wird an den ac- cess points über die SozialarbeiterInnen personali- siert und damit auf einer persönlichen direkten Ebene erfahrbar. In der Interaktion zwischen den Professionellen und den AdressatInnen entsteht und stabilisiert sich das spezifische Vertrauen. Ver- trauen kann dabei nicht eingefordert oder voraus- gesetzt werden, vielmehr ist die Vertrauensgabe ein freiwilliger Akt. Dies ist für die Soziale Arbeit in- sofern bedeutsam, als dass sie geprägt davon ist, dass sie Einfluss auf die AdressatInnen nehmen möchte (Conen 2012, 275). Dieser Versuch der Einflussnahme geschieht in einer durch Machta- symmetrie gekennzeichneten sozialen Beziehung, die zugunsten der Professionellen ausgerichtet ist. Nach Max Weber (1985) kann mit Macht die Möglichkeit bezeichnet werden, innerhalb einer sozialen Beziehung Einfluss auf andere Menschen zu nehmen und auch gegen ihren Willen be- stimmte Ideen und Handlungen durchzusetzen. Diese Macht hat ihren Ursprung in dem gesell- schaftlichen Auftrag der Sozialen Arbeit als wohl- fahrtsstaatliche Unterstützungs- und Problembe- arbeitungsinstitution und in der institutionell festgelegten Übertragung der Problembearbeitung und -lösung an die zuständigen ExpertInnen. Den Professionellen wird aufgrund ihres Status als Ex- pertInnen und ihres spezialisierten Fachwissens die Definitionsmacht zugeschrieben, für den Ein- zelfall entsprechende Problemlösungskonzepte zu entwickeln. Hinzu kommt, dass in vielen Hand- lungsfeldern der Sozialen Arbeit die AdressatInnen nicht freiwillig die Unterstützung der Professionel- len in Anspruch nehmen, sondern unfreiwillige Kontaktaufnahmen und Zwangskontexte die Mehrheit bilden. Diese Menschen nehmen ihre Situation und das von anderen Institutionen oder Personen als problematisch wahrgenommenes Verhalten oft nicht als „Problem“ wahr. Sie werden durch Dritte (Familienmitglieder, Institutionen wie Schule, Gericht usw.) geschickt, gemeldet oder zum Kontakt verpflichtet (gezwungen). In der Praxis der Sozialen Arbeit ist es folglich kei- nesfalls selbstverständlich, dass die Menschen aus eigener Motivation die Hilfe und Unterstützung der Sozialen Arbeit freiwillig nachfragen und in Anspruch nehmen. Aus Sicht der AdressatInnen bedeutet dies, dass sie den Sozialarbeiter bzw. die Sozialarbeiterin nicht in erster Linie als Unterstüt- zung, sondern als VertreterIn einer kontrollieren- den und ihre Autonomie bedrohenden Institution wahrnehmen und die Situation als Zwang und Kontrolle erleben. Interessanterweise zeigen Studien (zusammenfas- send Conen / Cecchin 2007, 138), dass es keine Korrelation zwischen Freiwilligkeit und Anfangs- motivation einerseits und einem positiven Ergeb- nis des Therapie- bzw. Beratungsprozesses anderer
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