Handbuch 5. Auflage

1844 Mai · Arnold  tellektualistische Illusion (F. Rauner) aus, also der An- nahme, Kompetenzentwicklung leite sich vor allem aus dem Erwerb von Kenntnissen in einem be- stimmten Fächerkanon ab. Diese Liste lässt sich er- gänzen durch den unterstellten Vorrang des Ratio- nalen gegenüber dem Emotionalen (Arnold 2005), also den Glauben daran, „Wissen ließe sich durch eine didaktisch-methodisch begründete Aufberei- tung sachstrukturell gegliederter Lerninhalte ver- mitteln“, wodurch ignoriert wird, „dass der Lernprozess durch emotionale Rekonstellierun- gen und negativ oder positiv erlebte Selbstobjekterfah- rungen von Lehrenden und Lernenden geprägt und die Motivation zum Lernen letztlich emotional begründet ist. Was in welcher Intensität gelernt wird, wird weniger durch die rationale Verarbeitung von Lerninhalten als vielmehr durch die Emotionalisierung des Lernens be- stimmt“ (Schüßler 2007, 104). Nimmt man diese Kritik an überholten Annahmen und Vorstellungen, wie Lernen sich typischerweise zu vollziehen habe, auf und übersetzt sie in Maß- gaben für eine Neue Lernkultur, so müsste sich diese durch folgende zehn Charakteristika aus- zeichnen (Schüßler 2007, 106 ff.): räumliche Flexibilisierung und Berücksichtigung ■ ■ der Tatsache, dass Lernorte nicht an Lehrorte ge- bunden sind zeitliche Flexibilisierung, wobei jedoch auch darauf ■ ■ zu achten ist, dass Lernende mit den dadurch ent- stehenden Freiräumen adäquat umgehen können Prozessoffenheit, Gruppendynamik, situatives Ler- ■ ■ nen Prozessunterstützende und -stabilisierende Rah- ■ ■ menbedingungen erweiterte Kompetenzen der Lehrenden, deren Rolle ■ ■ sich fortan stärker als Lernberatung und -begleitung definieren lässt Methodenvielfalt ■ ■ individuelle Lernberatung ■ ■ Erschließung von Lernprojekten aus dem Arbeits- ■ ■ alltag Transparenz und Überprüfbarkeit ■ ■ Lernen aus Fehlern und Erfolgen ■ ■ (3) Fokussiert man nun stärker auf die Handlungs- ebene der Didaktik, so liefert das Konzept der Er- möglichungsdidaktik – in sicherlich zuspitzender Abgrenzung zu der einer Alten Lernkultur verhafte- ten Erzeugungsdidaktik – einige Orientierungsmar- ken zur Gestaltung von Lehr-Lern-Situationen (Ar- nold/Schüßler 2003). Demnach zeichnet sich ermöglichungsdidaktisch orientiertes Handeln (vgl. auch Tabelle 1) aus durch: Zirkularität statt Linearität: Lehr-Lernprozess als in- ■ ■ terdependentes Geschehen, in welchem sich die Vorstrukturen und „Lernprojekte“ der Lernenden artikulieren. Wirkungsoffenheit statt Wirkungssicherheit: Die ■ ■ Wirkungen sind von einer Fülle nicht überschauba- rer Variablen und von der Eigenlogik der Lerner ab- hängig und deshalb notwendig auch spezifisch. Selbsttätigkeit statt Führen: Die Lernenden können ■ ■ prinzipiell nur selbst lernen, es gilt, ihre Motivation zu entdecken. Prozesssteuerung statt Inputsteuerung: Qualität ■ ■ und Erfolg des Lehr-Lernprozesses ist von der Ei- genlogik der lernenden Systeme abhängig. Aneignung statt Vermittlung: Lehre kann lediglich ■ ■ anregenden und komplex-anschlussfähige Aneig- nungsmöglichkeiten zugänglich machen. Vielfalt statt Standardisierung: Wenn die Vielfalt ■ ■ der inneren Möglichkeiten der Lerner zur Entfal- tung gelangen kann, werden die Ergebnisse besser. Reflexives Wissen über materiales Wissen: Ermögli- ■ ■ chungsdidaktisches Handeln strebt an, reflexive Wissensformen wie Methodenwissen (Wissen um Verfahrensweisen zur Informationsbeschaffung, -präsentation und Kommunikation), Reflexionswis- sen (Wissen zur Hinterfragung, Kritik, Begründung und Folgenabschätzung von Konzepten) sowie Per- sönlichkeitswissen (Wissen zur Erkennung eigener Anteile und Deutungen in Interaktionen) zu stär- ken – in dem Bewusstsein, dass der Erwerb derarti- ger Wissensformen eng mit dem Aufbau inhaltlicher Wissensstrukturen verkoppelt ist. E-Learning Einige Eckpunkte des Diskurses um die Neue Lern- kultur wie z.B. die Flexibilisierung von Lernorten oder die Individualisierung von Lernprozessen ver- weisen bereits auf die Potenziale, Neue Medien bei der didaktischen Gestaltung von Lehr-Lern-Situa- tionen zu berücksichtigen. Hier ist die Diskussion,

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