Handbuch 5. Auflage

Wirksamkeit 1851 dermaßen lauten (Albus et al. 2010): Gesundheit, Wohnen und Leben, körperliche Integrität, Bil- dung, Fähigkeit zu Emotionen, Vernunft und Re- flexion, Zugehörigkeit, Zusammenleben, Kreativi- tät, Spiel und Erholung und Kontrolle über die eigene Umgebung. Dieser breite Fokus auf die Le- bensumstände und Handlungsmöglichkeiten der AdressatInnen Sozialer Arbeit geht weit über die klassischen Erfolgsindikatoren Lebensbewährung, gesellschaftliche Anpassung und psychische / physi- sche Gesundheit hinaus (BMFSFJ 1998, 2002a; Meumann 1993; Gabriel et al. 2007). Aktuelle Forschungen zeigen, dass Erfolge im Sinne einer Steigerung von Verwirklichungschancen im Rah- men einer beteiligungsorientierten, professionell- reflexiven Hilfepraxis erzielt werden können und sich damit der Modus der Professionalität durchaus als evident erweist (Albus et al. 2010). Wirkungsorientierte Professionalisierung Angesichts der im Wirkungsdiskurs eingelagerten potenziellen Veränderungen des Professionsmodells Sozialer Arbeit erscheint es erforderlich, Wirkungs- forschung kritisch zu betreiben und aktuell domi- nante Hierarchisierungsbestrebungen – sowohl im Hinblick auf ihre methodischen als auch bezüglich ihrer methodologischen Implikationen – in Frage zu stellen. Dies ist nicht zuletzt deshalb geboten, weil für die fachlichen Potenziale einer Qualifizie- rung im Duktus der What-Works-Agenda keine überzeugenden empirischen Evidenzen vorliegen. Gleichwohl ist offen, ob ohne Weiteres von einer „De-Professionalisierung“ Sozialer Arbeit durch eine Fokussierung auf Wirkung auszugehen ist. Im Kontext der Debatten um Wirksamkeit ist Soziale Arbeit gefordert, ihr Professionsverständnis zu re- flektieren, um sich in der Ambivalenz derzeitig hoher sozialpolitischer Aufmerksamkeit und gleich- zeitiger Legitimationsanfrage positionieren zu kön- nen. Doch die Forderungen nach „wirkungsorien- tierter Professionalisierung“ werden nicht nur an die Soziale Arbeit herangetragen, sondern auch aus der Sozialen Arbeit heraus formuliert. So heißt es im 11. Kinder- und Jugendbericht: „Jenseits [der] Sozialberichterstattung plädiert die Kom- mission für eine konsequente Evaluation der Angebote und Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe. An mehreren Stellen wurde in diesem Bericht deutlich gemacht, dass die Kinder- und Jugendhilfe zu wenig begründetesWissen über die Auswirkungen ihrer eigenen Praxis besitzt. Aller- orten fehlt es an entsprechenden Studien und vor allem an dem Bewusstsein, dass Evaluation ein unverzichtbares Moment jeglicher professionellen Praxis ist“ (BMFSFJ 2002b: 255). Auf der Basis der hier skizzierten Forschungsper- spektiven erscheint Wirkungsforschung jedoch nur dann für die Soziale Arbeit ertragreich, wenn sie Wissen um Wirkungen und Wirkfaktoren der ei- genen professionellen Praxis in einen reflexiven Verwendungszusammenhang und Wissensbestand überführt. Unter dem alternativen Begriff „Evi- denzbasierte Professionalisierung“ (Otto et al. 2009; Albus et al. 2010) ist diese Perspektive in die Auseinandersetzungen eingeführt worden. Dabei schließt sie an die Tradition sozialwissenschaftlich informierter Sozialer Arbeit an. Folglich sind es Orientierungen an analytischer Aufklärung, ver- fügbarem Erklärungswissen und an wissenschaftli- cher Theoriebildung, die Professionalität ausma­ chen (Otto 1971). Dies schließt notwendigerweise die (selbst)kritische und ebenfalls empirisch zu fundierende Analyse von zukünftigen Transforma- tionen der Rationalitäten, Methoden und Professi- onsmuster Sozialer Arbeit unter dem Stichwort „Wirksamkeit“ ein. Literatur Albus, S. (2010): Junge Menschen als effektive Hilfe-Entre- preneure oder Wer trägt die Verantwortung für die Wirk- samkeit von Jugendhilfeleistungen? In: DGfE-Kommis- sion Sozialpädagogik (Hrsg.): Bildung des Effective Citizen – Sozialpädagogik auf dem Weg zu einem neuen Sozialentwurf? Juventa, Weinheim (i.E.) –, Greschke, H., Klingler, B., Messmer, H., Micheel H.-G., Otto, H.-U., Polutta, A. (2009): Elemente Wirkungsorien- tierter Jugendhilfe und ihre Wirkungsweisen: Erkenntnisse der wissenschaftlichen Evaluation des Bundesmodellpro- gramms. In: ISA, Universität Bielefeld (Hrsg.): Praxishilfe zur wirkungsorientierten Qualifizierung der Hilfen zur Erziehung. Schriftenreihe Wirkungsorientierte Jugendhilfe Band 9. ISA, Münster, 24–60 –, Micheel, H.-G., Polutta, A. (2010): Wirkungen im Mo- dellprogramm. In: Albus, S., Greschke, H., Klingler, B.,

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