Handbuch 5. Auflage

Beschäftigung und Arbeit in der nachindustriellen Gesellschaft 193 schäftigung. Damit kommen andere Regulations- bedürfnisse und Steuerungsperspektiven in die Arbeitsmärkte. An den aktuellen Frauenanteilen lässt sich die Diffe- renz zwischen den sektoralen Arbeitsmärkten zeigen: Beträgt der Frauenanteil an allen Erwerbstätigen in Deutschland 2008 ca. 45%, so im industriellen Sek- tor nur 24%, imDienstleistungssektor dagegen 55% (Abb. 3). In den größten Dienstleistungsberufsfel- dern, vor allem in den personenbezogenen, stellen sie heute zwei Drittel bis drei Viertel der Beschäftigten (Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen). Mit der Dominanz der Frauen hat sich in vielen Dienstleistungsbranchen auch Teilzeitarbeit als gleichsam neues Normalarbeitsverhältnis etabliert, allerdings nicht mit den gleichen betrieblichen be- nefits wie bei Vollzeiterwerbstätigkeit. Die Benach- teiligung von Frauen in der betrieblichen Weiter- bildung (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2010, 143) mag dafür ein Indiz sein, die man- gelnde Gleichstellung in Karrierechancen und Be- zahlung sind andere Belege. Mit der Expansion der Frauenerwerbstätigkeit ge- winnen auch in der staatlichen Arbeitsmarktpolitik neue Bedürfnisse an Gewicht. Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familienperspektive hat als neues arbeitsmarktpolitisches Regulationserforder- nis in den letzten Jahren eine Reihe von sozial-, familien- und bildungspolitischen Aktivitäten frei- gesetzt (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2010, Kap. A, C und H). Unter der Dominanz in- dustrieller Arbeitsmärkte war das nicht möglich, weil die industrielle Ordnung der Arbeit ganz auf den männlichen Vollerwerbstätigen ausgelegt war (vgl. Abschnitt 3.2). Es liegt vermutlich nicht nur an den hohen Anteilen von weiblichen Erwerbstätigen, dass geringfügige und/oder atypische Beschäftigung in den Dienstleis- 38.729 872 11.487 1.174 1.077 1.139 2.521 26.370 4.515 2.290 3.255 430 1.459 769 * ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen 12,1 17,5 17,7 17,8 24,1 32,2 45,3 54,1 57,8 59,8 66,9 67,3 75,5 54,9 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Anzahl der Erwerbstätigen (in Tsd.) Frauenanteil (in %) Wirtschaftszweige: insgesamt: Land- und Forstwirtschaft Baugewerbe Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen Herstellung von Metallerzeugnissen Maschinenbau Industrie und Gewerbe darunter: Diensleistungen: insgesamt: darunter: Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen Erziehung und Unterricht Einzelhandel*, Reparatur von Gebrauchsgütern Interessenvertretungen sowie kirchliche und sonstige Vereinigungen Gastgewerbe Kreditgewerbe Abb. 3:  Frauenanteil an Erwerbstätigen in den größten Industrie- und Dienstleistungs-Wirt- schaftszweigen 2008 (Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2008, eigene Berechnung)

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