Handbuch 5. Auflage
194 Baethge tungsbranchen und bei den weiblichen Arbeitskräf- ten kumuliert. 11% der weiblichen Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor in geringfügiger Beschäftigung von 1 bis unter 15 Stunden (nach Mi- krozensus 2008, eigene Berechnung). Das Ausmaß atypischer Beschäftigung, in die unterschiedliche vomNormalarbeitsverhältnis abweichendeMerkmale aufgenommen wurden (vgl. Abb. 4, FN), ist sehr viel größer. Es erreicht für Frauen überall eine sehr viel höhere Größenordnung als für Männer – zumeist mehr als doppelt so hoch – und liegt in den größten Dienstleistungsfeldern zwischen annähernd 40% und 50%. Das Problem dieser Beschäftigungsver- hältnisse, die keineswegs immer von den betriebli- chen Bedingungen erzwungen werden, liegt darin, dass sie sich oft mit wenig attraktiver Arbeit und ge- ringen beruflichen Entwicklungschancen verbinden. Hohe Anteile atypischer Beschäftigung signalisieren in der Regel ökonomische, vor allem aber soziale In- stabilität der entsprechenden Arbeitsmärkte, jeden- falls soweit es sich bei der Atypik um geringfügige Beschäftigung, befristete Arbeitsverträge oder Leih- arbeit handelt. Bei den Dienstleistungssektoren trifft das für den Einzelhandel, das Gastgewerbe, die Nach- richtenübermittlung und die gering qualifizierten wirtschaftlichen Dienstleistungen, allerdings auch für Interessenvertretungen sowie kirchliche und sons- tige Vereinigungen und einen Teil des Gesundheits- und Sozialwesens zu. Esping-Andersen (1993) hat für einen Teil von Dienstleistungssektoren den Be- griff der „Übergangsbeschäftigungsbereiche“ geprägt. Gemeint sind damit Beschäftigungsfelder, in denen Personen arbeiten, die keine Berufs-, sondern nur eine Übergangs-Job-Perspektive verfolgen wie Schü- ler und Studenten, Gelegenheitsarbeiter, auch Rent- ner oder Hausfrauen, die sich etwas hinzuverdienen, aber nicht dauerhaft beruflich binden wollen. Wo immer die Ursachen für atypische Beschäfti- gung liegen, ob in individuellen Wünschen oder in betrieblichen Kalkülen: der massenhafte Sachver- 21,0 23,5 21,9 14,7 19,6 3,7 15,8 30,8 17,3 9,9 7,0 8,2 7,8 11,1 19,8 45,3 38,1 35,8 25,7 46,6 24,1 42,3 49,8 46,2 42,9 22,3 29,4 18,8 37,7 39,3 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 134 1239 599 542 694 106 131 421 967 270 100 112 24 199 138 Männer Frauen Landwirtschaft und Jagd Ernährungsgewerbe Metallerzeugung und -bearbeitung Herstellung von Metallerzeugnissen Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen Baugewerbe Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) Nachrichtenübermittlung Kreditgewerbe Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung Erziehung und Unterricht Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen Interessenvertretungen sowie kirchliche und sonstige Vereinigungen absolut in Tsd. in % Gastgewerbe Anteil gesamt (%) 28,3 24,8 9,6 12,4 9,6 14,3 38,1 42,9 26,5 14,9 35,4 19,7 31,5 35,1 36,2 1) Als atypische Beschäftigung klassifiziert wurde, wenn wenigstens eines der folgenden Merkmale erfüllt war: Teilzeit bis 20 Std., ausschließlich geringfügig beschäftigt, befristeter Arbeitsvertrag, Leiharbeit. Abb. 4: Atypische Beschäftigung 1 ) in ausgewählten Wirtschaftszweigen nach Geschlecht (in %) (Mikrozensus 2007 SUF, eigene Berechnungen)
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