Handbuch 5. Auflage
258 Care und Case Management Von Wolf Rainer Wendt „Dienste am Menschen“ in den verschiedenen Fel- dern des Sozial- und Gesundheitswesens haben ei- nen Versorgungsauftrag, dem sie organisatorisch und fachlich in differenzierter Weise nachkommen. Unabhängig von dieser Differenzierung wird mit care auf Englisch und im internationalen Sprach- gebrauch allgemein die humandienstlich geleistete Versorgung – in Form von persönlichen Hilfen, Unterstützung, Behandlung, Betreuung, Erziehung und Pflege – verstanden. Versorgung soll hier hei- ßen, dass Menschen mit dem Notwendigen ver- sehen werden. Care bezeichnet auch die informelle Fürsorge und Eigensorge von Menschen in ihrem persönlichen und familiären Lebenskreis, un- abhängig von fremder Versorgung wie auch in Ver- bindung mit institutionell angebotenen und pro- fessionell erbrachten Leistungen. Care Management ist demnach als die Steuerung und Gestaltung von sozialer Versorgung ( social care ) und gesundheitlicher Versorgung ( health care ) in Diensten und Einrichtungen und darüber hi- naus im jeweiligen Versorgungsgebiet mit seinen formellen und informellen Strukturen zu verste- hen. In diesem Rahmen steuert und gestaltet ein Case Management die humandienstliche Leistungs- erbringung personbezogen und situationsbezogen: Das Case Management ist mit (allen oder aus- gewählten) Fällen befasst, die im Versorgungs- geschehen vorkommen. Das Verfahren wird in ver- schiedenen Bereichen des Sozialwesens, des Gesundheitswesens, der Beschäftigungsförderung und des Versicherungswesens herangezogen. Es übernimmt eine organisierende und steuernde Funktion, wenn einzelfallbezogene Leistungen im direkten personenbezogenen Dienst erbracht wer- den und die Versorgung von Personengruppen ge- staltet wird. Management der Versorgung Das Case Management hängt als Verfahren und als organisatorische Gestaltungsweise mit dem Care Management zusammen, das für eine funktionie- rende Versorgung zuständig ist. Im engeren Sinne betrifft das Care Management die betrieblichen Abläufe und das Versorgungshandeln in der orga- nisierten Ausführung der Leistungserbringung auf der Ebene von Einrichtungen, z. B. in einem Kran- kenhaus oder in einem Pflegeheim. Im weiteren Sinne ist das staatlich eingerichtete bzw. öffentlich zu verantwortende Management der humandienst- lichen Prozesse insgesamt gemeint. Gegenstand von Care Management sind allgemein die Strategien, die Aufbauorganisation (Strukturen), die Arrangements ( care arrangements ) und die Ab- lauforganisation (Versorgungspfade; Johnson 2002) in der humandienstlichen Versorgung. Dabei sind die informellenWeisen sozialer und gesundheitlicher (Selbst-)Versorgung zu berücksichtigen. Die Ver- knüpfung professioneller Aufgabenerledigung mit den Eigenleistungen von Menschen und ihrer Un- terstützung durch Angehörige, Nachbarn und frei- willige Helfer wird der Forderung nach Wirtschaft- lichkeit und nach Lebensnähe von Diensten gerecht. Insbesondere in der ambulanten pflegerischen Ver- sorgung bauen fachdienstliche Arrangements auf persönliche und familiäre care arrangements und ver- binden sich damit. Die häusliche Versorgungsarbeit, die in familiären und anderen lebensgemeinschaftli- chen Arrangements zumeist von Frauen geleistet wird, war und ist fundamental für das Funktionieren der formalen Versorgungssysteme (Daly 2002; Daly/Rake 2003). Otto/Thiersch (Hg.), Handbuch Soziale Arbeit, 5.A., DOI 10.2378/ot4a.art022, © 2011, 2015 by Ernst Reinhardt, GmbH&Co KG, Verlag, München
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