Handbuch 5. Auflage

Care und Case Management 261 reich zu sein: in Partnerschaft mit den Beteiligten, in nüchterner Einschätzung deren Potenziale, von Chancen und vorhandener Hindernisse, in Motiva- tion zur Mitarbeit und in gemeinsamer Suche nach gangbaren Wegen. Die materiellen Verhältnisse sind dabei so wichtig wie die immateriellen Aspekte des Verhaltens in der Beziehung auf die materiellen Gegebenheiten des Lebens. Ein Case Management ist nicht dazu da, einzelne Hilfen zu geben, wie sie spezialisiert vorhanden sind, sondern dafür, um in einem continuum of care ein persönliches Zurecht- kommen im Alltag und eine dafür angemessene dienstliche Versorgung zu bewerkstelligen. Sorge wird im Case Management auch geteilt im Hinblick auf das Umfeld, in dem sich eine Person bewegt und in dem die Bewältigung und Lösung deren Probleme erreicht werden kann. Case Mana- ger „besorgen“ in diesem Umfeld die einer Bedarfs- deckung dienlichen Ressourcen (Dienste zur häus- lichen Pflege, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, geeignete Hilfen zur Erziehung, Behandlungswege in der Medizin und der Rehabilitation etc.). Das Verfahren schließt eine Netzwerkarbeit ein, in der Beziehungen im Feld geknüpft und die Mittel und Wege ausgemacht und verfügbar gehalten werden, die sich fallweise in Anspruch nehmen lassen. Wegleitung und Fallführung Im Rahmen von Case Management kommt es im Prozess auftragsgemäßer humandienstlicher Ver- sorgung zu einer Fallführung. Sie wird im Einzel- fall vereinbart. Zum Verständnis dieses individuali- sierten Managements in einem Versorgungsregime ist zu bemerken – und gegen Fehlinterpretationen des Verfahrens zu betonen –, dass case hier nicht für den Menschen steht, sondern für dessen problema- tische Situation, die es – im Ganzen und im De- tail – zu bewältigen gilt. Die Problemsituation „ist der Fall“ und Gegenstand der ziel- und lösungs- orientierten professionellen Bemühung. Sie ist auch Gegenstand des Bewältigungsverhaltens und der Selbsthilfe der zu versorgenden Person, seiner Angehörigen und der Mitwirkung von anderen Helfern. Die gemeinsame Reflexion und Verstän- digung darüber, „was der Fall ist“ , führt zur Zu- sammenarbeit der Beteiligten. Man verstieße gegen die Autonomie einer Person und missachtete ihre Selbstsorge und mündige Mitwirkung, betrachtete man die Person als „Fall“. Im Case Management wird der Prozess der Bewältigung bzw. der Weg zur Lösung einer Problematik gemanagt. Was der Fall ist, lässt sich immer nur ad hoc feststellen und bleibt individuell. Das Grundgerüst in der Ablauforganisation von Case Management bilden seit den 1980er Jahren folgende Dimensionen oder Phasen: Outreach ■ ■ mit Prozeduren der Zielgruppenbestim- mung, des Erreichens von Nutzern und der bes- seren Erreichbarkeit eines Dienstes, von Screening der Fälle, Fallgruppenbildung, individueller Ein- gangsprüfung ( Intake ) und einer Vereinbarung über das Vorgehen, Assessment ■ ■ als eingehende Klärung der Problem- lage und Bedarfsfeststellung, wobei das Ausmaß der Einschätzung der Situation und Problematik wie der Umfang der Bedarfserhebung im Einzelfall festgelegt wird, Planning ■ ■ mit Vereinbarung über Ziele, die anzustre- ben sind, und Bestimmung des Weges, auf dem sie erreicht werden können, sowie der Mittel, die da- für zum Einsatz kommen, Implementation ■ ■ in Umsetzung der getroffenen Ar- rangements bei einem andauernden Monitoring der Prozesse, in denen sie und die Erbringung ein- zelner Leistungen erfolgen, Evaluation ■ ■ der Leistungserbringung, bezogen auf ihren Vorgang und auf ihre Ergebnisse, verbunden mit einem Reassessment des sich ändernden Be- darfs und der Aufgabenerledigung und Accountability ■ ■ in der Berichterstattung und Re- chenschaftslegung, womit das Case Management seiner die Fälle übergreifenden Funktion nach- kommt, einen Versorgungsauftrag transparent und nachweisbar zu erfüllen. Diese Elemente sind seit den 1990er Jahren wie- derholt als Kerncharaktere ( core characteristics ) von Case Management beschrieben worden (Gursan- sky et al. 2003, 17 ff.). Die Komponenten beziehen sich aufeinander und ihr Zusammenhang macht das Case Management aus; das Vorkommen einzel- ner Momente – wie Bedarfsbestimmung, Hilfepla- nung oder Evaluation – im professionellen Han- deln verdient die Bezeichnung Case Management dagegen nicht. Bei näherer Betrachtung der einzelnen Dimensio- nen erweist sich die Zugangseröffnung als die für die

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