Handbuch 5. Auflage

Care und Case Management 263 Die Dimension der Evaluation im Case Manage- ment dient per Prozess- und Ergebnisevaluation der Qualitätskontrolle in der Fallführung. Sie dient zugleich aber per Strukturevaluation auch der Qualitätssicherung auf der betrieblichen Ebene der Versorgungssteuerung und ist sodann zur Bewer- tung des Versorgungsangebots insgesamt heran- zuziehen. Für die Planungsebene lautet die Frage: Wie bewährt sich der Bestand an Humandienst- leistungen in seinen Strukturen und in seiner inter- organisatorischen Vernetzung? Die vorhandene Ablauforganisation entwickelt sich während ihres Einsatzes in vielen einzelnen Fällen. Mit der Beobachtung des Verlaufs geführter Fälle und der Ergebnisse ihres Managements geht die Evaluation im Versorgungsprozess in Rechenschafts- legung ( accountability ) über. Die in der Rechen- schaftslegung erfolgende Berichterstattung aus dem Prozess des Case Managements lässt die (an- gebotsorientierte) fachliche Darstellung von einzel- nen Leistungen und der Nachfrage danach hinter sich. Die „Mikrodaten“ individuellen Bedarfs, fall- bezogener Zielsetzungen, Hilfeplanung und von Erfahrungen mit der Leistungserbringung in jedem Einzelfall bleiben auch erhalten, wenn sie zu Da- tenclustern aggregiert werden, die von der Sozial- planung auswertbar sind. Mikrodaten sind das „molekulare“ Material einer integrierten Sozialbe- richterstattung. Das Case Management kommt somit der Forderung nach, kontinuierlich „Inter- ventionsdaten“ – die in der Arbeit selbst entste- hen – für die Planung und Organisationsentwick- lung nutzen zu können. Systemsteuerung und vernetztes Arbeiten Seitdem es nicht mehr nur als ein Verfahren in der ambulanten Sozialarbeit begriffen wird, sondern als Organisationsprinzip auf der Ebene des Betriebs humandienstlicher Versorgung wahrgenommen wird, spricht man im Case Management von Sys- temsteuerung und stellt es der Fallsteuerung oder Fallführung gegenüber. Unter Systemsteuerung wird einesteils das Handeln von Case Managern im Netzwerk des Systems der Versorgung mit dessen Trägern, Dienstleistern und mitwirkenden Akteu- ren verstanden. Das System bietet vielfältige Res- sourcen zur Deckung eines fallweise gegebenen Bedarfs; im Case Management werden sie heran- gezogen, durch Knüpfen von Netzen erschlossen und verfügbar gehalten, um in koordinierter und kooperativer Weise genutzt zu werden. Kompetenz im System heißt hier, auf die Mittel und Wege im System dem Bedarf von Klienten entsprechend zu- greifen können. Andernteils ist mit Systemsteuerung eine Organi- sationsentwicklung gemeint, die sich des Case Managements zur Optimierung der Aufgabenerle- digung bedient. Man will Organisationsentwick- lung effektiv und effizient gestalten und struktu- riert die Betriebsabläufe entsprechend. Der Erfolg des Einsatzes von Case Management hängt mithin davon ab, wie man es auf der Führungsebene von Leistungsträgern und Dienstleistern zu gebrauchen und zu implementieren weiß. In der Steuerung des ganzen Prozesses bettet das Case Management den Einzelfall in eine angemessene Besorgung aller Fälle ein, für die ein Dienst oder eine Einrichtung zu- ständig ist. Dazu wird eine Anpassung der Organi- sation und deren Prozesse an eine – möglichst evi- denzbasierte – Leistungserbringung betrieben. Stationäre Versorger, insbesondere große Kranken- häuser, haben ein „zentrales Case Management“ eingerichtet, das für die optimale Durchleitung der Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung und Nachsorge über Stations-, Sektor- und Fach- grenzen hinweg zuständig sein soll. Es steht dem einzelnen Patienten nur indirekt zur Seite, indem es sich an fallgruppenspezifische Behandlungspfade hält. Auf der Organisationsebene kommt die Steuerung per Case Management oft nur teilweise zustande und beschränkt sich nicht selten entweder auf ein Aufnahmemanagement oder ein Entlas- sungs- bzw. Überleitungsmanagement. Betriebs- bezogen wird das Case Management mit einem Prozessmanagement zur Optimierung der Behand- lungsabläufe und der patientenbezogenen Zusam- menarbeit der Fachkräfte und Fachstellen identifi- ziert. Case Management soll in der Bewirtschaftung der Mittel die Kosten- und Erlössituation verbes- sern.

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