Handbuch 5. Auflage

264 Wendt  Status und Ausbildung von Case Managern Die Organisation und Verortung von Case Manage- ment erfolgt in den einzelnen Handlungsfeldern sehr unterschiedlich. Beteiligt sind Fachkräfte so- wohl auf der Führungsebene von Einrichtungen und Diensten als auch Beschäftigte auf der Mikro- ebene der unmittelbaren Versorgung. Die Funktion der Fallführung kann von einem Team oder von ei- nem/einer Case Manager/-in wahrgenommen werden. Sie werden auch in Beratungs- und Koor- dinierungsstellen amEingang ins Versorgungssystem (etwa bei Pflegebedürftigkeit) gebraucht oder wenn aus einer Versorgung (z.B. im Krankenhaus) in eine andere Behandlungs- oder Unterstützungssituation überzuleiten ist (Versorgungsmanagement gemäß §11 SGB V). Einzelne Aufgaben im Prozess des Case Managements lassen sich auf „Versorgungs- assistenten“, „Fallbegleiter“ oder „Fallassistenten“ verteilen. Diese arbeiten einer Fallführung zu, ohne volle Verantwortung dafür zu haben. Fachlich quali- fiziert sind für die Tätigkeit als Case Manager /-in sozial-, gesundheits- und pflegeberuflich erfahrene Absolvent(inn)en einer Fachhochschule mit Di- plom- oder Bachelor-Abschluss und einer zertifizier- ten Weiterbildung im Case Management. Auch im Rahmen eines Master-Studiums wird im Case Ma- nagement ausgebildet. Die Ausbildung ist auf die diversen Anwendungs- gebiete des Case Managements eingerichtet. Ver- schiedene Berufsgruppen nehmen daran Anteil. Die Soziale Arbeit hat ihren Anspruch auf das Handlungskonzept in der Vergangenheit nur be- grenzt wahrgenommen; zu groß war die Abneigung gegen jede Art von „Managerialismus“. Es ist ver- sucht worden, die Expertise im Case Management in einer Fachsozialarbeit als einem Spezialgebiet der Disziplin und Praxis Sozialer Arbeit unterzubrin- gen. Die Soziale Arbeit setzt in Theorie und Praxis ein entsprechend sich differenzierendes disziplinä- res Verständnis voraus und sollte die Teilhabe ande- rer Berufsgruppen am Prozess des Case Manage- ments nicht ausschließen. Eine fachpolitische Interessenvertretung von zerti- fizierten Case Managern und deren Ausbildungs- stätten ist die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) mit Sitz in Mainz. Sie hat Rahmenempfehlungen für den Einsatz des Ver- fahrens und Standards für die Arbeit von Case Managern erstellt (Wendt / Löcherbach 2009), wie es zuvor bereits andere Berufsvereinigungen (NASW 1992) und Fachgesellschaften (CMSA 2004) getan haben. Sie sind sich darin einig, dass es sich beim Case Management nicht um eine Pro- fession handelt – seiner professionellen Ausübung steht aber eine eigene Kompetenz und Fachlichkeit zu. Literatur CMSA (Case Management Society of America) (2004): Stan- dards of Practice for Case Management. Case Manage- ment Society of America, Little Rock Daly, M. (Hrsg.) (2002): Care Work: The Quest for Security. International Labour Office, Genf –, Rake, C. (2003): The Gender Division of Welfare: Care, Work and Welfare in Europe and the USA. Polity, Cam- bridge Gursansky, D., Harvey, J., Kennedy, R. (2003): Case Ma- nagement. Policy, Practice and Professional Business. Co- lumbia University Press, New York Johnson, S. (Hrsg.) (2002): Interdisziplinäre Versorgungs- pfade. Pathways of Care. Huber, Bern Löcherbach, P., Klug, W., Remmel-Faßbender, R., Wendt, W.R. (Hrsg.) (2005): Case Management. Fall- und Sys- temsteuerung in der Sozialen Arbeit. 3.Aufl. Ernst Rein- hardt, München/Basel NASW (National Association of Social Workers) (1992): NASW Standards for Social Work Case Management. NASW, Washington Neuffer, M. (2005): Case Management. Soziale Arbeit mit Einzelnen und mit Familien. Juventa, Weinheim/Mün- chen Wendt, W.R. (2008): Case Management im Sozial- und Ge- sundheitswesen. Eine Einführung. 4.Aufl. Lambertus, Freiburg/Br. – (2006): Case Management in der Entwicklung. Stand und Perspektiven in der Praxis. Economica, Heidelberg – (Hrsg.) (1991): Unterstützung fallweise. Case Management in der Sozialarbeit. Lambertus, Freiburg/Br. –, Löcherbach, P. (Hrsg.)(2009): Standards und Fachlichkeit im Case Management. Economica, Heidelberg Wissert, M. (2001): Unterstützungsmanagement als Rehabi- litations- und Integrationskonzept bei der ambulanten Versorgung älterer, behinderter Menschen. Herleitung, Entwicklung und Erprobung eines Handlungsansatzes. Karin Fischer, Aachen

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