Handbuch 5. Auflage
Didaktik 297 Lernenden, die sich in der Intention, die Unter- richt haben soll, widerspiegelt: Gefördert werden sollen Kompetenz, Autonomie und Solidarität aller anderLehr-Lern-SituationBeteiligten(Jank /Meyer 1994, 220 f.). Das Hamburger Modell von Schulz zeigt damit eine große Nähe zu Klafkis kritisch- konstruktiver Didaktik, in der ganz ähnliche Be- griffe eine wichtige Rolle spielen: Selbstbestim- mungsfähigkeit, Mitbestimmungsfähigkeit und Solidaritätsfähigkeit. Damit stehen die Autoren in der Tradition der europäischen Aufklärungsphi- losophie, man kann von einer „Beinahe-Fusion“ der Positionen sprechen (Jank /Meyer 1994, 221; Klafki 2007b). c) Die kommunikative Didaktik , entwickelt in den 1980er Jahren, versteht sich als Gegenbewegung zu den bildungs- und lehr-lerntheoretischen Ansätzen. Lehr-Lern-Situationen werden als „soziale Situation verstanden, in die die Beteiligten ihre je persönlichen Vorerfahrungen, Sichtweisen und Defini- tionen einbringen. In diesem Kontext kommt es zur Re- zeption und didaktischen Umarbeitung philosophischer und informationstheoretischer Kommunikationskonzepte, aber auch zur Rezeption von Befunden aus der sozialpsy- chologischen Forschung von Lehrer-Schüler-Verhalten“ (Terhart 2009, 141 f.). Die kommunikative Didaktik ist der kritischen Erziehungswissenschaft zuzuordnen. In ihr gilt In- teraktion als Leitbegriff. Die Analyse der Bezie- hungsstrukturen in Lehr-Lern-Situationen, ins- besondere auch der Störfaktoren und ihrer Ursachen, rückt hier in den Mittelpunkt des Inte- resses. Ziel ist die Etablierung einer möglichst herr- schaftsfreien, symmetrischen Kommunikation in Lehr-Lern-Situationen (142). Zum Verhältnis von Didaktik und Methodik Die vorgestellten didaktischen Modelle gehen von einem weiten Didaktikbegriff aus, der sowohl die Fragen nach Inhalten und Zielen, als auch die nach Methoden und Wegen des Lehrens und Lernens stellt. Dieses weite Didaktikverständnis wird – wie das folgende Schaubild zeigt – in manchen erzie- hungswissenschaftlichen Debatten aufgegliedert in Didaktik im engeren Sinne und Methodik. Die begriffliche Unterscheidung zwischen Didaktik im engeren Sinne und Methodik schafft allerdings nur scheinbar Klarheit (Jank /Meyer 1994, 161). Die Didaktik i.e.S. beschäftigt sich mit den Haupt- fragestellungen „ Was vermittle ich wozu ?“. Also: Welche Inhalte/Themen sollen mit welchem Ziel vermittelt werden? Es geht in dieser Betrachtungs- weise um die „Theorie der Bildungsaufgaben, -in- halte und -kategorien, ihres Bildungssinns, ihrer Auswahlkriterien“ (160). Die Methodik beschäftigt sich mit den Hauptfragen „ Wie vermittle ich etwas und womit ?“. Also: Auf welchem Weg, mit welchen Methoden/Verfahrensweisen und mit welchen Mit- teln/Medien will ich das gesteckte Ziel erreichen? Im weiteren Sinne verstanden umfasst Didaktik so- wohl die Didaktik i.e.S. als auch die Methodik und geht noch weit über die o. g. Hauptfragestellungen hinaus. Didaktik i.e.S. und Methodik sind aus die- ser Sicht zwei untrennbar miteinander verwobene Aspekte in der Gestaltung von Lehr-Lern-Situatio- nen. Zu den didaktischen Fragestellungen im wei- teren Sinne gehören auch die Fragen „ Wer soll mit wem , wann , wo und warum lernen?“. Also: Welche Zielgruppe/-person lernt mit welchen persönlichen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen, unter welchen zeitlichen und räumlichen Bedingungen und in welchem gesellschaftlichen Normen- und Wertesystem? Didaktik und Methodik stehen demzufolge in ei- nem interdependenten Verhältnis zueinander, d. h., Prozesse und Ergebnisse in Lehr-Lern-Situationen lassen sich nie monokausal erklären, sondern nur aus dem Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren. Trotz dieser Wechselwirkungen der ver- schiedenen strukturellen Momente der Gestaltung von Lehr-Lern-Situationen muss ein Primat der Didaktik im weiteren Sinne: Wissenschaft vom Lehren und Lernen in allen Formen und auf allen Stufen Theorie der zielorientierten Lehr- und Lerninhalte bzw. Bildungsinhalte Methodik: Frage nach den Verfahrensweisen, Techniken, Mitteln und Medien der bewussten Gestaltung von Lernprozessen Didaktik im engeren Sinne: Abb. 1: Begriffsbestimmung Didaktik
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