Handbuch 5. Auflage

298 Steinbacher  Zielorientierung bzw. der Didaktik unterstellt werden, weil das Nachdenken über die metho- dische Gestaltung von Lehr-Lern-Situationen nur Sinn hat, wenn es auf bestimmte Ziele und In- halte bezogen ist (Klafki 1970, 70 f.; Jank /Meyer 1994, 158 f.;197). Die o. g. Unterscheidung zwischen Didaktik i. e. S. und Methodik entstand lediglich aus pragmati- schen Erwägungen heraus und ist keineswegs dog- matisch zu verstehen. Sie wurde 1962 von der den 5. Pädagogischen Hochschultag in Trier vorberei- tenden Arbeitsgruppe getroffen, um die Themen der Vorträge und Diskussionen inhaltlich ein- zugrenzen. Allerdings hat sich diese Unterschei- dung in der Erziehungswissenschaft in unfrucht- barer Weise verselbstständigt (Jank /Meyer 1994, 161). Dies hat zur Folge, dass die untrennbar zu- sammengehörenden Fragen nach Zielen / Inhalten und nach Methoden /Medien – nicht nur in der Schulpädagogik – immer wieder getrennt von- einander diskutiert werden. Zum Verhältnis von Didaktik und Sozialer Arbeit Der Begriff der Didaktik ist in der Sozialen Arbeit bisher wenig gebräuchlich. So lässt sich kaum Li- teratur zum Thema „Didaktik in der Sozialen Ar- beit“ finden, und die vorhandene Literatur ist ob ihres theoretischen Gehalts z.T. nicht unumstrit- ten, weil sie den Kriterien einer reflexiven Sozialen Arbeit zu wenig gerecht werde. Die verbreitetsten und mehrfach neu aufgelegten Titel stammen von Martin (2005) und Schilling (2008). Trotzdem ist die Vermittlung didaktischer Inhalte in der Sozialen Arbeit nicht neu. Allerdings hat sie ihren Ort vor allem in den berufsqualifizierenden sozialpädagogischen Ausbildungsgängen an Fach- schulen / Fachakademien für Sozialpädagogik / So- zialwesen sowie an einigen Fachhochschulen. Dort bildet sie den Kernbereich der sozialpädagogischen Ausbildung und Praxis (Martin 2005, 14). Insofern ist die Vermittlung didaktischen Denkens und Handelns in der Ausbildung von Erzieherinnen fest verankert. An den zur wissenschaftlichen Ar- beit qualifizierenden Hochschulen führt die Di- daktik als Begriff der Sozialen Arbeit eher ein Randdasein. Die Inhalte der Didaktik werden je- doch häufig unter anderen Überschriften vermit- telt, insbesondere innerhalb der neueren Metho- denlehre der Sozialen Arbeit (15). So bezieht sich Michael Galuske in demmittlerweile zum Klassiker avancierten Band „Methoden der Sozialen Arbeit“ (2007 in 7. Auflage erschienen) auf die Unterscheidung von Didaktik i.e.S. und Me- thodik, leitet daraus ein enges Methodenverständnis ab, das sich auf die Frage nach dem „Wie?“, also nach den Verfahrensweisen beschränkt, um dann ein weites Methodenverständnis einzufordern, das die Fragen nach Inhalten und Zielen mit einschließt (Galuske 2007, 25 f.). Galuske zeigt auf, dass eine Methodendebatte, die jenseits der Ziel- und Inhalts- frage geführt wird, sich dem Sozialtechnologievor- wurf aussetzt, weil sie „in der Gefahr steht, beliebige Technologien der Veränderung für beliebige Zielset- zungen zu entwickeln“ (26). Über das weite Me- thodenverständnis, das „auf einen integrierten Me- thodenbegriff zielt, der Methoden immer in Abhängigkeit von Problemlagen, Zielsetzungen und Rahmenbedingungen diskutiert“, werden die In- halte der Didaktik – ohne sie als solche zu kenn- zeichnen – zu einemTeil der Methodendebatte (vgl. Primat der Zielsetzung bzw. der Didaktik). Als Bei- spiel für das integrierte Methodenverständnis führt Galuske die Unterscheidung in Konzept – Me- thode – Technik von Geißler/Hege (1992) an. Die Verknüpfung von konzeptionellen, theoretischen Überlegungen mit methodischen Verfahren und Techniken, wie sie von Geißler/Hege und Galuske vorgenommen wird, entspricht in etwa den Über- legungen, die in der allgemeinen Didaktik den Hin- tergrund der didaktischen Modelle bilden. Auch Hiltrud von Spiegel arbeitet in ihrem Band „Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit“ (2004) ausschließlich mit dem Methodenbegriff. Sie entwirft eine Struktur methodischen Handelns, die sie als „Werkzeugkasten“ bezeichnet, mit der sie sehr differenziert und schlüssig die einzelnen Schritte didaktischer Analyse, Planung und Refle- xion für die Soziale Arbeit beschreibt. Damit legt sie ein didaktisches Modell im besten Sinne vor. Ein Grund für die Meidung des Begriffes Didaktik in der Sozialen Arbeit liegt sicherlich darin, dass dieser Begriff die Konnotation Unterricht/Lehre trägt. Unterrichtet und gelehrt wird in den meisten Feldern der Sozialen Arbeit jedoch nur im weiteren Sinne, so dass eine Identifikation mit dem Begriff Didaktik schwerfällt (es sei jedoch nochmals auf die oben erläuterte weite Bedeutung von Didaktik und

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