Handbuch 5. Auflage

Drogen, Drogenkonsum und Drogenabhängigkeit  339 nen Einzelne oder Gruppen ausgesetzt sind, ab- zuwenden oder zu minimieren. Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) benutzt seit 2004 eine neue Einteilung, um das Handlungskonzept der Prävention zu struk- turieren. Es definiert sich über Zielgruppen und be- sonders gefährdete Milieus und Personengruppen. Prävention ist nun zu verstehen als: Universelle Prävention ■ ■ , sie begründet Strategien, die sich überwiegend an öffentliche Einrichtungen und Gemeinschaften wenden, wie z.B. Schulen, kommunale Jugendarbeit etc. Selektive / indikative Prävention ■ ■ , sie bezeichnet Aktivitäten, die sich an bestimmte Gruppen und Milieus wenden, die einem hohen Risiko aus- gesetzt sind, Drogen zu nehmen. Dabei zielt Prä- vention auf die Gruppe insgesamt ab, ohne die Gefährdung einzelner Gruppenmitglieder zu be- rücksichtigen. Indikative Prävention ■ ■ , sie wendet sich an Personen in spezifischen Milieus, die aufgrund der Gruppen- oder Milieustrukturen besonders gefährdet sein können, Drogen zu nehmen. Für die Zukunft vielversprechend und mit der durch die EBDD vorgegebenen Präventionssyste- matik durchaus vereinbar erscheint ein Ansatz, der mit „Förderung von Risikokompetenz und Dro- generziehung“ (Franzkowiak 1996; Franzko- wiak / Schlömer 2003) bezeichnet wird. Hinter- grund dieses Konzepts ist die empirisch gestützte Auffassung, dass Drogenkonsum überwiegend Ri- sikoverhalten im Jugendalter bedeutet und sich insofern einreiht in anderes Risikoverhalten in der Jugendzeit und aus entwicklungspsychologischer Sicht als normal angesehen werden kann. Inso- fern – so Freitag /Hurrelmann (1999) – lässt sich Drogenkonsum im Jugendalter auch als Versuch der Bewältigung jugendtypischer Entwicklungs- aufgaben bezeichnen. Vor diesem Hintergrund schlagen Franzkowiak / Schlömer als angemessene Präventionsstrategien die Herausbildung von Risi- kokompetenz vor. Risikokompetenz umfasst – so die Autoren (2003, 177): informiertes Problembewusstsein über Drogenwir- ■ ■ kungen und Risiken des Drogenkonsums, kritische Einstellung gegenüber legalen und illega- ■ ■ len Drogen, Verzicht auf bestimmte Substanzen (harte Drogen, ■ ■ Selbstmedikation), Bereitschaft und Fähigkeit zum konsequenten Kon- ■ ■ sumverzicht (Punktnüchternheit) in bestimmten Si- tuationen, Lebensräumen und Entwicklungspha- sen (Kindheit, frühe Jugend, Schule, Arbeitswelt, Straßenverkehr, Schwangerschaft etc.), Vermögen, sich zwischen Abstinenz und mäßigem ■ ■ Konsum in tolerierten Situationen ohne negative Konsequenzen bewusst und verantwortlich ent- scheiden zu können, Entwicklung von Regeln für einen genussorientier- ■ ■ ten und maßvollen Konsum, Beherrschung von Si- cherheitsregeln, die sowohl das persönliche Risiko als auch das für die Umwelt mindern (z.B. kein täglicher Alkholkonsum). Beratung und Behandlung Beratung und Behandlung von Konsumenten il- legaler Drogen sind durch unterschiedliche Orga- nisationsformen strukturiert. Beratung findet statt in der Regel in Drogenberatungsstellen, Drogenhilfezentren oder Jugendberatungen; wäh- rend die Behandlung von Drogenkonsumenten sowohl ambulant in Beratungszentren und / oder örtlichen medizinischen Praxen als auch stationär in Entzugskliniken und Einrichtungen der medi- zinischen Rehabilitation in Form einer stationä- ren Entwöhnungsbehandlung möglich ist. Die Behandlung des Drogengebrauchers kann sowohl abstinentorientiert, als auch substitutionsgestützt erfolgen. Der „deutsche REITOX-Bericht“ stellt in seiner Ausgabe 2008 fest: In Deutschland gibt es zurzeit 934 Beratungsstellen für Drogenkonsumenten, die im Jahr 2006 40.053 Personen betreut haben, 80,5% davon waren Männer (Pfeiffer-Gerschel et al. 2008, 13). Die stationäre Drogenhilfe ver- zeichnete im Jahre 2006 2.078 Entgiftungs- und 5.260 Entwöhnungsplätze. Eine stationäre Ent- wöhnung nahmen in 2006 6.855 Personen in An- spruch, davon 83,4% Männer, eine Entgiftungs- behandlung 3.631, davon 48% Männer. Die Wirksamkeit einer stationären Therapie (Entwöh- nungsbehandlung) wird in der Regel gleichgesetzt mit Therapieerfolg bzw. mit erfolgreicher Rehabili- tation. Dobler-Mikola et al. (1998) unterscheiden

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