Handbuch 5. Auflage
340 Jungblut in diesem Zusammenhang verschiedene Dimen- sionen von Rehabilitation: externe Anpassungsleistungen (z.B. Drogenfrei- ■ ■ heit, strukturelle und soziale Integration, fehlendes kriminelles Verhalten, keine erneute Behandlung wegen Drogenproblemen) intrapsychische Veränderungen (z.B. Selbstwert- ■ ■ gefühl, Problembewältigungsfähigkeiten) Dimension des körperlichen Befindens (z.B. ge- ■ ■ sundheitliche Beeinträchtigungen) subjektive Lebenszufriedenheit ■ ■ Evaluationsstudien geben Antworten auf die Effizienz von stationären Therapien. Auch wenn sich Studien dieser Art oft stark im Hinblick auf Stichprobenauswahl, Zeitpunkt der Nachunter- suchung, Operationalisierung der Merkmale un- terscheiden, so lassen sich doch gewisse Trends über eine Zeitspanne von mehr als 20 Jahren fest- stellen: Die stationäre Therapie erreicht etwa 5–7% der ■ ■ Opioide konsumierenden Personen (Uchtenha- gen / Zieglgänsberger, 2000). Die Haltequote in stationären Therapien schwankt ■ ■ zwischen 43% und 91%, als Mittel wird 70% an- genommen (Küfner et al. 2000). Etwa 70–80% der Klientel in Deutschland wählen ■ ■ in der Alternative Therapie oder Strafe die Strafe. Das wichtigste Kriterium zur Beurteilung des Reha- ■ ■ bilitationserfolgs ist die Drogenfreiheit. Dobler-Mi- kola et al. (1998) berichten in ihrer Katamnesestu- die von etwa 38%, Uchtenhagen / Zimmer (1985) 35%, Sickinger / Kindermann (1992) von 27% der Absolventen. Ein weiteres wichtiges Kriterium für eine erfolg- ■ ■ reiche Rehabilitation ist die Erwerbstätigkeit. Dobler-Mikola (1998) geben 57% an; Herbst (1992) 49%; Groenemeyer (1990) geht von 34% der entlassenen Personen aus, die in eine Be- schäftigung zum Zeitpunkt der Befragung inte- griert waren. Verminderung von Delinquenz oder Erreichung des ■ ■ Legalstatus ist ein weiteres Kriterium für Rehabili- tation. Dobler-Mikola (1998) berichten von 48% der Patienten; Herbst (1992) von 38%, jedoch mit einer Verurteilung behaftet; Raschke / Schliehe (1985) von rund einem Drittel der Befragten, die auch mit einer Haftstrafe belastet seien. Soziale Beziehungen: Das bedeutet vor allem Part- ■ ■ nerbeziehung, Beziehung zur Herkunftsfamilie und Freundeskreise. Uchtenhagen / Zimmer (1985) ge- hen von ca. 40% sozialer Beziehungen aus. Dob- ler-Mikola (1998) von ca. 45% und Groenemeyer (1990) von ca. 39% der Klientel, die soziale Bezie- hungen aufbauen oder aufgebaut haben. Diese Zahlen dürfen jedoch nicht darüber hin- wegsehen lassen, dass die Zahlen der stationären Therapie hochselektiv sind. Ihre Selektivität ma- nifestiert sich, wie angeführt, in den hohen Ab- bruchquoten und ihrer begrenzten Aufnahme- kapazität. Bezieht man die gerade diskutierten Prozentsätze über Abbruch, Erfolg und Integra- tion in die Normgesellschaft auf konkrete Zahlen, so lässt sich festhalten: Von 100 aufgenommenen Personen brechen 70 die Therapie ab, von den 30 Personen, die die Therapie regulär beenden, inte- grieren sich 10–15% straffrei in einen formalen Arbeitsprozess und sozialverträgliche Situatio- nen. Substitution Für das Jahr 2007 verzeichnet der nationale REI- TOX-Bericht 68.800 Substitutionsbehandlungen. Diese werden überwiegend ambulant in suchtme- dizinischen Praxen durchgeführt (Pfeiffer-Gerschel et al. 2008, 67 ff.). Stationäre Substitutionsbehand- lung in Form einer stationären Langzeittherapie (sechs Monate) findet meines Wissens in Deutsch- land nur in einer Einrichtung statt. Im Jahre 2006 wurden dort 75 Personen behandelt, davon waren 85% Männer. (Drogenfachklinik Release Netz- werk Suchthilfe, Hamm). Einen zusammenfassenden Bericht zur substituti- onsgestützten Langzeitbehandlung opioidabhängi- ger Menschen haben Busch et al. (2007) vorgelegt. Nach Auswertung von insgesamt 2.376 Studien zumThema kommen sie zu der Auffassung, dass die Verringerung der Mortalität bei Opioidabhängigen nach wie vor den empirisch fundiertesten Beleg für die Wirksamkeit von Substitutionsbehandlungen darstellt (Busch et al. 2007).
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