Handbuch 5. Auflage
382 Dewe alkompetenzen“ (Luhmann/Schorr 1979, 87), die damit einhergehen, bedingen, dass die schulische Grundbildung sowie eine berufliche Ausbildung kaum mehr ausreichen, um den Wandlungsprozes- sen innerhalb der Wissensgesellschaft nicht lediglich zu genügen, sondern vielmehr selbstaktiv gestaltend in sie einzugreifen. „Lebensbegleitendes Lernen“ stellt eine prominente Möglichkeit dar, auf diese Herausforderungen durch kollektive und individu- elle Bildungsinitiativen zu antworten, da es inner- halb des Lebenslaufs immer wieder Anlässe gibt, in denen Personen sich auf neue Gegebenheiten ein- stellen müssen oder wollen (Obermeier 2000). Diese Lernanlässe bedürfen allerdings spezifischer Vermitt- lungs- und Aneignungsprozesse (Malwitz-Schütte 2006). Ob Lernanlässe auch zur faktischen Teilnahme an Erwachsenenbildung führen, zeigen die Daten des Berichtssystems Weiterbildung. Nach dem aktuel- len BerichtssystemWeiterbildung (2006) haben 41 Prozent der Bürger an Weiterbildungen teilgenom- men. Im Vergleich der Alten und Neuen Bundes- ländern stellte sich heraus, dass 38 Prozent der Bürger in den Neuen Bundesländern und 42 Pro- zent der Bewohner der Alten Bundesländer an ei- ner Weiterbildung im Erhebungsjahr 2003 teil- genommen haben (BMBF 2006, 19; u. a. von Rosenbladt / Bilger 2008). Bezogen auf die Inklusion der Gesamtbevölkerung in das „System“ der Weiterbildung fand gegenüber 1979 eine Verdoppelung der Teilnahmequote statt (1979: 23 Prozent, 2003: 41 Prozent, BMBF 2006, 18). 41 Prozent aller Männer und Frauen zwischen 19 und 64 Jahren nutzen die Chancen der Weiter- bildung. Diese Angabe entspricht rund 20,4 Mil- lionen Teilnehmern an Weiterbildungskursen (BMBF 2006, 18). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verwendete für die Veröffentlichung des Berichtssystems Weiter- bildung die Ergebnisse aus insgesamt rund 7.000 Interviews, wobei 5.000 mit Bürgern in den Alten Bundesländern geführt worden und 2.000 Befra- gungen in den Neuen Bundesländern erhoben worden sind (BMBF 2006, 14). Die Teilnehmerquote der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss an beruflichen Weiterbil- dungen ist viermal so hoch wie bei Erwerbstätigen ohne Berufsausbildung (BMBF 2006, 64). Ebenso ist ein Unterschied bei dem Berufsstatus zu ver- zeichnen: Während 39 Prozent der Angestellten und 59 Prozent der Beamten an einer beruflichen Weiterbildung im Jahr 2003 teilgenommen ha- ben, trifft diese Aussage nur auf 19 Prozent der Arbeiter zu. Im Bereich der „Allgemeinen Weiterbildung“ liegt die Teilnahmequote bei 26 Prozent. Besonderes Interesse besteht in den Themenbereichen der Sprachkenntnisse und dem Umgang mit Compu- ter, EDV und Internet, in denen sich jeweils eine Beteiligung von 5 Prozent der befragten Personen ergab (BMBF 2006, 27). Es muss jedoch daraufhin gewiesen werden, dass die Teilnehmerzahlen sta- gnierten oder sogar im Bereich Computer, EDV und Internet rückläufig sind. Im Gegensatz dazu nahmen mehr Bürger z. B. an allgemeinen Weiter- bildungen im Themenspektrum Kindererziehung, Wissen über Kunst, Literatur und Geschichte so- wie Sportkursen teil (BMBF 2006, 27). Die Angebote der beruflichen Weiterbildung nahmen im Erhebungsjahr 2003 26 Prozent der Bundesbürger in Anspruch (BMBF 2006, 40). Jedoch ist ein Rückgang von rund 1,4 Millionen Teilnehmern an beruflicher Weiterbildung fest- zustellen (2000: 14,4 Millionen; 2003: 13 Millio- nen; BMBF 2006, 38). Jeder dritte Befragte zwi- schen 19 und 49 Jahren nahm im Jahr 2003 an einer beruflichen Weiterbildung teil. In der Al- tersspanne 50 bis 64 Jahre liegt die Teilnehmer- quote bei 17 Prozent und damit unter dem Durchschnitt (BMBF 2006, 64). Die adaptiven Weiterbildungsangebote werden vornehmlich von Beamten in Anspruch genom- men (59 Prozent). Ebenso ist ein Unterschied bei den Angestellten auszuweisen: Während ausfüh- rende Angestellte eine Teilnahmequote von 34 Pro- zent aufzeigen, nehmen 63 Prozent der leitenden Angestellten an einer beruflichen Weiterbildung teil. Ein Drittel der Selbstständigen bildete sich 2003 im Bereich der beruflichen Weiterbildung weiter (BMBF 2006, 82). Im Vergleich dazu offen- bart sich bei der Berufsgruppe Arbeiter ein großer Abstand zu den eben genannten. Zum zweiten Mal in Folge fiel die Teilnahmequote bei den Arbeiter auf nunmehr 19 Prozent (schon Niehues 1988; BMBF 2006, 82). Bildungspolitisch gilt die Erwachsenenbildung heute als in das Bildungsgesamtsystem integriert und wird formal zu ihrem quartären Sektor erklärt. Tatsächlich existiert allerdings eher ein „versäultes Nebeneinander“ von Weiterbildungsmärkten mit
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