Handbuch 5. Auflage

Evaluation und Evaluationsforschung 411 (Flick 2006). Zwar wird immer wieder darauf hinge- wiesen, dass Evaluationsforschung dem Bereich der angewandten Sozialforschung zugehört und in die- sem Sinne eine Aufgabe der Politik- und Praxisbera- tung erfüllen soll, gleichwohl finden sich aber auch Ansätze, die der Evaluationsforschung einen wichti- gen Beitrag zur Grundlagenforschung zutrauen (Kaufmann/Strohmeier 1981). Weitere Differenzierungen des Feldes ergeben sich über die Differenzierung nach Akteuren der Evalua- tion ( interne vs. externe Evaluation; Fremd- vs. Selbst- evaluation ) oder nach den Phasen im politischen Prozess, auf den sich die Evaluation bezieht. Stock- mann (2004) grenzt z.B. die preformative Evaluation , die sich auf die Phase der Programmformulierung und -planung bezieht, von der formativen Evaluation ab, die sich auf die Umsetzung bzw. Implementation von Programmen bezieht. Diese Formen der wissen- schaftlichen Politikberatung werden im deutschen Sprachbereich häufig auch als wissenschaftliche Be- gleitforschung bzw. auch international als Implemen- tationsforschung bezeichnet. Dabei lassen sich diese Phasen durchaus weiter differenzieren und damit entsprechende Aufgaben der Evaluation auf dieser Ebene formulieren. So gliedern sich dann (pre-)for- mative Evaluationen in das needs assessment , mit dem die Bedürfnisse der am Programm beteiligten Ak- teure analysiert und bewertet werden, in das evalua- bility assessment zur Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen einer Evaluation, die structured concep- tualization zur Auswahl und Begründung von Tech- niken und Methoden, der implementation evalua- tion , mit der die korrekte Umsetzung eines Programms bewertet wird und der process evaluation zur Analyse des Umsetzungsprozesses und Entwick- lung möglicher Alternativen. Andere Autoren führen hier noch die Idee einer Kontextevaluation ein, mit der neben den Bedingungen der Programmdurch- führung z.T. die ethischen Implikationen der Maß- nahmen sowie Auswirkungen der Evaluation berück­ sichtigt werden sollen. Als weitere Begrifflichkeiten, die in Bezug auf die Planungsphase eines Programms verwendet werden und sich auf die Analyse der Durchführbarkeit von Programmen beziehen, lassen sich die Ideen einer prospektiven bzw. antizipatori- schen oder prognostischen Evaluation anführen (Kury/Obergfell-Fuchs 2010). Schließlich besteht die Aufgabe der Evaluation in einer dritten Phase in der Zusammenfassung, Be- wertung und Bilanzierung der Ergebnisse, Effekte und Folgen, die dann als summative Evaluation bezeichnet wird. Diese Form der Evaluation wird im deutschsprachigen Raum auch als Wirkungs- messung , Wirkungsbewertung oder, insbesondere in durch medizinische Perspektiven geprägte Felder, als Katamnese bezeichnet. Auch hierzu lassen sich weitere Differenzierungen anführen: So spricht man von outcome evaluation im Hinblick auf ge- wünschte Ziele bzw. von impact evaluation , wenn die Gesamtheit der Auswirkungen berücksichtigt werden soll. Bezieht man den Outcome einer Maß- nahme oder eines Programms auf monetäre Grö- ßen, so kommen Verfahren der cost-effectiveness bzw. cost-benefit-analysis oder der Kosten-Nutzen- Rechnung zum Einsatz. Während es hierbei im Wesentlichen um die Messung und Bewertung von Effekten und Folgen der Maßnahmen und Pro- gramme geht, erhebt die Wirkungsanalyse darüber hinaus auch den Anspruch, das Zustandekommen der Effekte und Folgen wissenschaftlich zu erklä- ren. Daneben finden sich zwei weitere Formen summativer Evaluationen, die keine eigenständige Datenerhebung beinhalten: die Sekundäranalyse , in deren Rahmen eine Re-Analyse vorhandener Daten vorgenommen wird, um noch nicht berücksich- tigte Fragestellungen zu beantworten, bzw. andere Methoden eingesetzt werden, und die Meta-Eva- luation bzw. Meta-Analyse , mit der die Ergebnisse verschiedener Studien unter dem Blickwinkel einer Evaluationsfragestellung vergleichend bewertet werden. Diese Liste der Begrifflichkeiten und Mo- delle zur Evaluation ist keineswegs abgeschlossen (vgl. z. B. Beywl 2006). Das Ausmaß ihrer Diffe- renzierung verweist allerdings einerseits darauf, dass es die Evaluation bzw. die Evaluationsfor- schung mit komplexen Fragestellungen zu tun hat, anderseits aber auch darauf, dass die Verwendung des Evaluationsbegriffs mit Reputationsgewinnen verbunden ist. Entwicklung der Evaluation und Evaluationsforschung in der Sozialen Arbeit Tatsächlich wird in der Evaluationspraxis und ins- besondere im Feld der Sozialen Arbeit zumeist von einer eingeschränkteren Perspektive ausgegangen und Evaluation im Wesentlichen auf die Frage nach der Messung, Analyse und Bewertung der Wirkun-

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