Handbuch 5. Auflage

426 Ecarius · Köbel  Kindes. Lediglich ca. 14% aller minderjährigen Kinder wuchsen 2004 bei alleinerziehenden Eltern- teilen auf. Zwei Drittel dieser Familien sind kleine Ein-Kind-Familien und bestehen zu 88% aus Mut- terfamilien. Über die Hälfte dieser Lebensgemein- schaften bilden geschiedene und getrennt lebende Mütter und Väter (61%), ledige Eltern sind zu 31% und Verwitwete zu 8% vertreten (Peuckert 2007). Zugleich nehmen kinderlose Ehen enorm zu: Statis- tisch wird davon ausgegangen, dass insgesamt 8% der Ehen freiwillig und 3% unfreiwillig kinderlos bleiben. Entschließen sich Paare für Kinder, traditionali- sieren sich mit der Geburt eines Kindes in der Regel die Familienstrukturen (Rendtorff 2007). Unabhängig davon, wie Familie mit Kindern ge- lebt wird – mit ihnen erhöht sich der Umfang der Hausarbeit für Frauen um ein Mehrfaches, vor allem, wenn Kinder im Vorschulalter oder Grund- schulalter sind. Dennoch findet Familienerzie- hung heute fast ausschließlich im Kontext von weiblicher Berufstätigkeit statt: So ist die Quote von 1991 (30,2%) bis in das Jahr 2004 auf 42,1% gestiegen (Dressel 2005, 123). In den neuen Bun- desländern ist die Berufstätigkeit der Mütter hö- her (71% mit einem Kind, 55,7% mit drei und mehr Kindern). Trotz Berufstätigkeit ist die Er- füllung eines Kinderwunsches für Frauen zu ei- nem Projekt biografischer Entscheidung gewor- den. Die schwierige Vereinbarkeit zeigt sich bei „späten Müttern“, denn diese nehmen aufgrund ihrer hohen beruflichen Qualifikation (22%) seltener eine Elternzeit in Anspruch. Internatio- nale Vergleiche verdeutlichen (Friebertshäuser et al. 2007), dass sozialpolitische Maßnahmen Müt- tern ermöglichen, Erwerbstätigkeit und Familien- erziehung besser zu vereinbaren. Eine weitere partnerschaftliche Lebensform, die stark in das öffentliche Bewusstsein getreten ist, sind gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, zu denen sich 2004 ca. 56.000 Paare offiziell be- kannten (Statistisches Bundesamt 2005). Schätz- verfahren gehen insgesamt von 160.000 gleich- geschlechtlichen Partnerschaften aus, hierbei sind 54% männlich und 46% weiblich. Die 2001 in Kraft getretene rechtliche Einrichtung der ‚einge- tragenen Lebenspartnerschaft‘ hat hierbei zumin- dest in einigen rechtlichen Bereichen eine Annä- herung an eheliche Lebensformen bewirkt. Rund 11.500 Kinder wachsen bei gleichgeschlecht- lichen Lebensgemeinschaften auf. Die Kinder stammen überwiegend aus früheren heterosexuel- len Partnerschaften (Savin-Williams / Esterberg 2000). Weil sich neue Reproduktionstechnologien in Form von künstlichen Befruchtungen durch Spen- dersamen entwickeln, ist es auch möglich, artifi- zielle Familien zu gründen, sogenannte ‚Insemina- tionsfamilien‘. Seit Anfang der 1970er Jahre sind ca. 50.000 Kinder aufgrund einer künstlichen Be- fruchtung zur Welt gekommen. Pädagogisch rele- vant ist hierbei die Frage, ob die biologische Asym- metrie in der Familie verarbeitet werden kann. Die biologische Asymmetrie kommt dadurch zustande, dass ein Elternteil nicht biologisch, sondern sozial bestimmt ist. Vor diesem Hintergrund müssen In- seminationsfamilien die gemeinsame Elternschaft immer neu konstruieren. Die Verlängerung der Lebensdauer hat zudem zu- nehmend zu Drei- oder Viergenerationenfamilien geführt: Gegenwärtig leben bis zu vier Generatio- nen eine gemeinsame Zeit zusammen (Lauterbach 2002). So stellt Lauterbach auf der Basis einer se- kundären Analyse von SOEP-Daten fest, dass Kin- der, Eltern und Großeltern zwischen 20 und 30 gemeinsame Lebensjahre verbringen. Von den ins- gesamt untersuchten 1.103 Kindern im Alter von 10 bis 14 Jahren wohnten ca. 10% mit den Groß- eltern im gleichen Haushalt oder im selben Haus mit getrennten Wohnungen, weitere 15% der Großeltern waren lokal zu Fuß erreichbar. Unge- fähr 25% hatten damit die Möglichkeit, täglich zu ihren Großeltern Kontakt zu haben. Die Groß- eltern-Enkel-Beziehungen gestalten sich hierbei vielfältig: So können Großeltern zu Ersatzeltern werden, aber auch integrierte Großmütter mit ho- her Präsenz bis hin zu distanzierten und zurück- gezogenen Großeltern sind intergenerationelle fa- miliale Lebensformen (Herlyn et al. 1998). Familie und Migration In der Bundesrepublik Deutschland leben aktuell 7,5 Millionen Menschen ausländischer Herkunft, das entspricht ca. 9% der Gesamtbevölkerung. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Einwan- derungsquote im Vergleich zur Abwanderung posi- tiv ist und die Lebenswelt aller deutschen Bürger durch Mitbürger ausländischer Herkunft entschei-

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM0NTA=