Handbuch 5. Auflage
434 M. Richter der Hilfen zur Erziehung – nach der Kindertages- betreuung – der größte Teilbereich der Kinder- und Jugendhilfe ist. Aktuelle Daten zeigen, dass die An- zahl der Beschäftigten in den Hilfen zur Erziehung nahezu konstant geblieben ist: Während es im Jahr 2002 61.745 Beschäftigte gab, sind Ende 2006 62.304 Beschäftigte festzustellen. Demgegenüber unterliegt der Beschäftigungsumfang deutlichen Veränderungen. Im Vergleich zu 2002 zeigt sich ein beachtlicher Rückgang der Vollzeitstellen im Bereich der ambulanten Hilfen zur Erziehung, d. h., Fachkräfte arbeiten zunehmend in Teilzeit, und flexibel arbeitende Honorarkräfte werden ver- mehrt eingesetzt. Mit dieser Stagnation der Be- schäftigtenzahlen und dem Rückgang des Beschäf- tigungsvolumens war im Hinblick auf die Expansionsphase in der Personalentwicklung, die sich bis 2002 zeigte, eine deutliche Trendwende zu bemerken (Fendrich 2008; Rauschenbach / Poth- mann 2008). Gleichzeitig beinhaltet diese Trend- wende keinen Rückgang der Ausgaben für die am- bulanten Hilfen insgesamt. Es ist vielmehr ein Zuwachs an öffentlichen Aufwendungen für die Leistungen gerade im Handlungsfeld der SPFH auszumachen (von 2002 bis 2006 von knapp 18% auf 1,2 Mrd. EUR). Ungeachtet dessen zeigen sich die oben benannten veränderten Personalstruktu- ren. Daher wird „von fachlicher Seite kritisch zu beleuchten sein, inwiefern personelle Umstruktu- rierungen und Stundenreduzierungen des Personals einerseits sowie die Leistungsverdichtung auf einen geringeren wöchentlichen Stundenumfang der Hilfe andererseits Auswirkungen auf deren Quali- tät mit sich bringen“ (Fendrich 2008, 11). Die Sozialpädagogische Familien- hilfe als Forschungsfeld In den letzten dreißig Jahren wurde eine große Zahl praxisbezogener Handlungsanleitungen, die auf verschiedenen Konzepten Sozialer Arbeit sowie auf unterschiedlichen Beratungs- und Therapie- ansätzen basieren, veröffentlicht ebenso wie etwa Erfahrungsberichte zur SPFH (Petko 2004). Die Zahl der empirischen Forschungen zur SPFH stellt sich – im Vergleich zu ihrer auch quantitativen Bedeutung im Feld der Jugendhilfe – deutlich be- scheidener dar. Zwar liegen mittlerweile einige quantitative und qualitative Studien vor, zugleich bestehen bislang nur unzureichende Kenntnisse über die Prozesse in der SPFH. Die ersten empirischen Untersuchungen zur SPFH fanden Anfang der 1980er Jahre statt. Das Sozial- pädagogische Institut Berlin (spi Berlin) führte mit Unterstützung der Stiftung Jugendmarke und in Kooperation mit dem Institut für Soziale Arbeit in Münster zwei Forschungsprojekte durch. In diesem Rahmen wurden eine Bestandsaufnahme der SPFH in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) sowie eine Untersuchung zu den Langzeit- wirkungen realisiert. Diese Studien sollten zu- nächst einmal die Etablierung der SPFH bundes- weit befördern und zugleich empirische Befunde dazu vorlegen, was die SPFH als neues Jugend- hilfeangebot zu leisten im Stande ist (Kreft /Müller 1986; Nielsen /Nielsen 1986; Nielsen et al. 1986; Elger /Christmann 1986; Christmann et al. 1986). Beide Studien waren darauf ausgerichtet, den qua- litativen und quantitativen Ausbau der SPFH, ihre Formen der Finanzierung und Organisation sowie die Qualifikation der Fachkräfte einer Analyse zu unterziehen. In der Studie zu „Langzeitwirkungen in der SPFH“ wurde der Blick insbesondere auf die Indikation sowie auf Rahmenbedingungen einer „erfolgreichen“ Familienhilfe gerichtet (Christ- mann et al. 1986; Elger /Christmann 1986). Für Hessen und Baden-Württemberg wurden in den 1980er sowie 1990er Jahren weitere Untersuchun- gen zur SPFH vorgelegt. Zu nennen sind hier die wissenschaftliche Begleituntersuchung eines ■ ■ Modellprojekts in Kassel, die die Organisation, Fa- milien, Konzeption und Arbeitsweise der SPFH eva- luierte (Pressel 1981), die Studie zur SPFH in Hessen, in der es um eine ■ ■ Bestandsaufnahme sowie um Probleme und Wei- terentwicklung der SPFHging (Bieback-Diel / Oberle (1989) und eine Begleituntersuchung von Projekten der ■ ■ sozialpädagogischen Familienhilfe im ländlichen Raum, in der u.a. Familienstrukturrekonstruktio- nen und Analysen der Interventionsverläufe in der SPFH vorgenommen wurden (Allert et al. 1994). Das „Handbuch Sozialpädagogische Familienhilfe“, das Ende der 1990Jahre veröffentlicht wurde und als „Nachschlagewerk“ im Feld der Kinder- und Ju- gendhilfe gilt, umfasst die Befunde des Praxisfor- schungsprojekts „Sozialpädagogische Familienhilfe
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