Handbuch 5. Auflage

Familienpolitik, Soziale Arbeit mit Familien und Familienbildung 441 familienpolitische Einzelmaßnahmen, BRD operationalisierte Zielvereinbarungen, EU familienpolitisch relevante Leitlinien, EU politische Ziele, EU ........................ ........................ .............. Konkurrenzfähigkeit des europäischen Wirtschaftsraums Steigerung der Geburtenrate zur Konsolidierung der sozialen Sicherungssysteme sowie zur Steigerung bzw. Erhaltung des Erwerbstätigenpotenzials Vereinbarkeit von Familie und Beruf Geschlechter- gerechtigkeit Tagesbetreungs- ausbaugesetz (2005) 230.000 zusätzliche Betreuungsplätze für unter 3-jährige Kinder bis 2010 Elterngeld (2007) Einkommensabhängiges Elterngeld, 12 Monate mit 2 ,Vätermonaten’ als ,Bonus’ ........................ ........................ Betreuungs- kompromiss U3 (2007) 750.000 Betreuungsplätze für unter 3-Jährige bis 2010, Beteiligung des Bundes mit 4 Mio. Euro ........................ ........................ ............................. ........................................ ........................................ ........................................ ........................................ ........................................ ....................................... ............................. ..... ..... ..... ..... . ..... ....................................... Kinderförderungs- gesetz (2008) Recht auf Betreuung für alle Kinder ab 1 Jahr ab 2013, Zielquote: bundesweit Plätze für 35% der U3-Jährigen Frauenerwerbsquote: 55−60% Betreuungsangebote: 33% der U3-Jährigen ........................ ........................ .............. ........................ ........................ ........................ ........................ Abb. 1:  Nationale Familienpolitik im europäischen Kontext Familienpolitik mit nationalen, regionalen und letztlich sogar kommunalen familienpolitischen Maßnahmen zu eng zu verzahnen, ist die 2004 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend etablierte, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds kofinanzierte Initiative ,Lokale Bünd- nisse für Familie‘ (www.lokale-buendnisse-fuer-fa- milie.de) . Im Rahmen dieser Initiative wurden bis Ende 2009 etwa 600 lokale Projekte gefördert, in denen sich Akteure aus Kommunen, Unternehmen, Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden, Stiftun- gen oder den freien Trägern der Kinder- und Ju- gendhilfe mit konkreten Maßnahmen für eine För- derung der Betreuung von Kindern unter drei Jahren engagieren, einen Wiedereinstieg in den Be- ruf unterstützen oder durch Familienpatenschaften junge Familien bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützen. Die Bundesinitiative zielt damit er- kennbar darauf ab, Anreize für zivilgesellschafliches, sozialverbandliches und kommunales Engagement zu schaffen, das im Einklang mit europäischen Ziel- vereinbarungen und Politikleitlinien steht. Möglicherweise lassen sich die familienpolitischen Entwicklungen insgesamt dahingehend interpre- tieren, dass das (in Deutschland) in bestimmten Familienphasen oftmals reaktivierte ,male bread- winner model‘ der Familie – mit einem haupt- erwerbstätigen Vater und einer die Familienarbeit übernehmenden Mutter – durch ein generalisier- tes ,adult worker model‘ (Lewis / Giullari 2005) ersetzt werden soll. Im ,adult worker model‘ ist es parallel zur Kommodifizierung von Erziehungs- und Pflegearbeit nicht nur das Recht, sondern auch die (sozialmoralische) Pflicht beider Eltern- teile, am Arbeitsmarkt zu partizipieren. In Bezug auf die bundesdeutsche Sozialpolitik zeigt Leitner (2008, 70f.; 2007, 320ff.), dass in aktuellen sozial- und familienpolitischen Maßnahmen wie der Ren- tenreform (2001), den neuen Zumutbarkeitsregeln für Arbeitslose (2004) oder dem neu eingeführten Elterngeld (2007) immer auch Anreize zu einer ver- schärften Kommodifizierung weiblicher Arbeitskraft gesehen werden können. Als Folge einer am ,adult worker model‘ orientierten Familienpolitik kann außerdem die Tatsache begriffen werden, dass die Erwerbstätigkeit beider Partner zusehends als zen- traler Schutzfaktor vor Kinderarmut (die ja immer auch Armut von Familien ist) gedeutet wird und die Bekämpfung von familiären Armutslagen dement- sprechend vorrangig durch eine bessere Vereinbar- keit von Familie und Beruf erreicht werden soll (BMFSFJ 2006, 166). Obwohl Soziale Arbeit als Profession also von dem gegenwärtig projektierten Ausbau außerfamiliärer Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen profitieren könnte und die gleichstellungspolitischen Implikationen einer

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