Handbuch 5. Auflage
444 Euteneuer · Sabla · Uhlendorff Feld der Beratung von Familien mit Problemen bei der Alltagsorganisation (Wohnen, finanzielle Rah- menbedingungen, Arbeit). Als mögliche Kriterien für eine systematische, übersichtsartige Skizze der Hilfen für Familien bieten sich folglich die Ziel- gruppen mit ihren Belastungen und Problemen so- wie die Angebote und Hilfen an, die von unter- schiedlichen Trägern und anderen Institutionen geleistet werden. Auf diese drei Aspekte kann hier exemplarisch und damit nur sehr verkürzt und ver- einfachend eingegangen werden. Wie unschwer zu erkennen ist, nehmen die Leis- tungen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz im Spektrum der Hilfen für Familien eine quanti- tativ besondere Stellung ein. Sie lassen sich in fa- milienunterstützende (z. B. Erziehungsberatung, SPFH) und familienergänzende (z. B. Tagesgrup- pen, Tagespflege) Arbeitsformen mit verschiede- nen Zielgruppen unterscheiden (BMFSFJ 2000, 22). Die Kinder- und Jugendhilfe bietet im Rah- men der Förderung der Erziehung in der Familie Beratung im Falle von Trennung und Scheidung an, um das Konfliktniveau zu reduzieren und um ggf. Familien bei der Neuorganisation der fami- liären Beziehungen zu unterstützen (Eiber /Träg 2004). Auch finden sich hier Wohnformen für junge Mütter und Väter (Vater-Mutter-Kind-Ein- richtungen). Wie viele der anderen genannten Hilfen gehören sie zu den mehr oder weniger pro- fessionalisierten Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Diese können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es jenseits davon niedrigschwellige, freiwillige und selbstorgani- sierte Formen der Hilfen gibt. Eltern- und Selbst- hilfegruppen beispielsweise ermöglichen den Ge- sprächs- und Erfahrungsaustausch, aber auch die Beratung und Interessenvertretung von Familien und ihren einzelnen Mitgliedern. Eine recht ähn- liche Aufgabe erfüllen die vielen familienorien- tierten Verbände und Vereine und deren Angebote für Familien. Themen können hier Phasen und Übergänge in Familien sein, wie z. B. Trennung und Scheidung, aber auch Alkoholabhängigkeit, bestimmte Krankheiten oder Behinderung. Die Selbsthilfe nimmt eine Art Zwischenstellung zwi- schen den professionalisierten Tätigkeitsfeldern Sozialer Arbeit und der Selbstorganisation von Betroffenen ein. Soziale Arbeit kann hier in erster Linie die Unterstützung und Koordination von Selbsthilfe beispielsweise in Form von Koordina- tions- oder Kontaktstellen leisten (Chassé 2004). Eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Fa- milien an die unterschiedlichen Leistungen für Familien spielen die Sozialberatungs- und Ge- schäftsstellen der Wohlfahrtsverbände, in denen Familien nicht nur relevante Informationen über die möglichen Hilfen und die Beratung zu unter- schiedlichen konkreten familiären Belangen er- halten, sondern oftmals auch Unterstützung in Form von Kleider- oder Möbelspenden finden können. Die Finanzierung der vielfältigen Dienste ist höchst unterschiedlich. In erster Linie sind es die Kom- munen, die einen großen Teil der Kosten für fami- lienunterstützende oder -ergänzende Maßnahmen tragen, was sie in Zeiten knapper öffentlicher Kas- sen regelmäßig vor die Schwierigkeit stellt, ihrem Auftrag Familien gegenüber gerecht zu werden. Teilweise werden die Kosten der Sozialen Arbeit aber auch aus Mitteln der Landeshaushalte, aus Ei- genmitteln der Träger, von Sozialversicherungen oder durch eine bislang eher seltene finanzielle Be- teiligung der Adressatinnen und Adressaten bestrit- ten. Die skizzierten Hilfen und Leistungen der Sozialen Arbeit knüpfen methodisch an Beratungs-, Thera- pie- und Casework-Konzepte sowie Modelle der Gruppenarbeit mit Erwachsenen an. Ganz offen- sichtlich nehmen die unterschiedlichen Formen der Beratung einen großen Stellenwert in der Ar- beit mit Familien ein. Der Versuch einer Übersicht von sozialpädagogischen Hilfen für Familien zeigt, dass es sich dabei oftmals um Beratung von einzel- nen Familienmitgliedern in unterschiedlichen Le- bensabschnitten und Übergängen handelt, deren Belastungen das Gesamtsystem Familie schwächen können. Besonders im Zusammenhang von Tren- nung und Scheidung kommt dabei die Mediation als Beratungsmethode zur Anwendung, um mit den verschiedenen Konfliktparteien für alle trag- fähige Lösungen zu erarbeiten. In Anlehnung an die systemische Familientherapie finden sich in zahlreichen Handlungskonzepten im Kontext der sogenannten systemischen Sozialen Arbeit mit Fa- milien sich teilweise ergänzende Methoden des di- agnostischen Fallverstehens und der Arbeit an Pro- blemlösungen. Auch hierbei spielt die Beratung – vor allem aber die Arbeit mit familiären Teilsystemen und die Vernetzungsarbeit – eine Rolle (Erler 2003).
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