Handbuch 5. Auflage

Finanzierung Sozialer Arbeit 457 amerikanischen „Health Maintenance Organizati- ons“, gelten als die (seltene) Finanzierungsform im Sozialbereich, die den beteiligten Organisationen einen Anreiz bietet, die Leistungsmenge zu reduzie- ren, einzelne Hilfearten möglichst kostenintelligent zu kombinieren und gleichzeitig die vertraglich ver- einbarte Qualität zu erzeugen. Leistungsverträge nach Ausschreibungsverfahren Auch als Folge der im Kontext der Neuen Steue- rung vorgenommenen Outputorientierung der öffentlichen Verwaltung gewinnen Ausschrei- bungsverfahren sozialer Dienstleistungen an Be- deutung. Solche Ausschreibungsverfahren bezie- hen sich auf Sozialräume, auf den Betrieb sozialer Einrichtungen bzw. Dienste oder auf Projekte. Je nach Intention und je nach Präzisionsgrad kon- zentrieren sich Ausschreibungsverfahren auf die Leistungsqualität, das Leistungsvolumen und den entsprechenden Preis. In jedem Fall stellen solche Finanzierungsmuster interessante Entwicklungen dar, weil sie dazu beitragen, den „gordischen Kno- ten“ der Sozialökonomie zu durchschlagen. In den sozialökonomischen Modellen wurde immer nach Vorschlägen gesucht, die weder Qualitäts- dumping noch (suboptimale) Mengenexpansion forcieren. Leistungsverträge nach Ausschreibungs- verfahren zur Übernahme von Leistungspaketen zu einem festen Preis und für einen festen Zeit- raum führen in der Sozialarbeit beim Leistungs- anbieter zum Anreiz, möglichst wenige Leistun- gen und möglichst gute Leistungen zu erbringen. An einer nicht-rationalen Mengenexpansion be- steht beim Anbieter kein Interesse, weil die ent- sprechenden Kosten gewinnreduzierend wirken. Er wird versuchen, seine Leistungsmenge und Leistungsarten auf das fachlich sinnvolle und not- wendige Maß zu beschränken. Gleichzeitig be- steht bei dieser Finanzierungsart jedoch ein An- reiz, die Leistungsqualität auszubauen, da diese zu einem entscheidenden Beurteilungskriterium für die Gewinnung neuer Aufträge wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden solche Finanzierungs- formen die Effizienz und Effektivität sozialarbei- terischer Leistungen fördern, die Leistungsquali- tät anstiften und zu einer Selbstprüfung der Leistungserbringer führen, ob denn nicht auf manche soziale Angeboten ganz oder teilweise verzichtet werden kann. Bei der Vorbereitung solcher Leistungsverträge las- sen sich verschiedene Ausschreibungsverfahren den- ken: die Ausschreibung der Leistungsart und Leistungs- ■ ■ menge. In diesem Fall würden der Preis als auch die Leistungsqualität die Wettbewerbsparameter bilden; die Ausschreibung der zur Verfügung stehenden Fi- ■ ■ nanzen und der Leistungsart. Im Sinne des target costing würde die Konkurrenz dann dafür sorgen, dass man den Bewerber mit dem besten Mengen- Qualitätsverhältnis auswählen kann; die Ausschreibung des sozialen Problems. In einem ■ ■ solchen „pitch“ ließen sich die Angebote nach Pro- blemlösungskreativität, Preis, Leistungsmenge und Leistungsqualität sortieren. Die Sozialarbeit beschreitet hier interessante neue Finanzierungspfade, wenn beispielsweise in der Ju- gendhilfe „Sozialraumbudgets“ vergeben werden oder Konzepte zum „Stadtteilmanagement“ aus- geschrieben werden. Positive Nebeneffekte dieser Finanzierungskonzepte lassen sich auch hinsichtlich der Trägerkonstellationen in der Sozialen Arbeit er- warten. Je nach Ausschreibungsvolumen und Aus- schreibungsregion werden sich verbands- und unter- nehmensübergreifende Anbietergruppen bilden, da einzelne Träger vielleicht nicht das notwendige Leis- tungsspektrum abdecken oder an vorhandene In- frastrukturen anknüpfen wollen. Sonstige Finanzierungsmöglichkeiten Neben diesen beschriebenen Hauptfinanzierungs- arten zu erwähnen, aber in ihrer quantitativen Be- deutung häufig überschätzt, ist die Finanzierung durch Spenden, Sponsorships, Events, Wohlfahrts- briefmarken, Lotterien, Stiftungen, Mitgliedsbei- träge, Testate oder Bußgelder. Solche Einnahmen sind willkommen, weil sie den notwendigen Eigen- anteil des Trägers bei der Zuwendungsfinanzierung oder bei der Investitionsfinanzierung sichern kön- nen, und sie sind auch notwendig, um soziale Dienste anbieten zu können, die in dem Finanzie- rungsspektrum der öffentlichen Hand und der So- zialversicherungen nicht auftauchen. Es ist trotz- dem ein merkwürdiges Verhältnis, mit welchem

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