Handbuch 5. Auflage

458 Halfar  Engagement sich Verlage, Kongresse und Fach- redaktionen dem Thema „Fundraising“ widmen. Der Trend zu Leistungsverträgen in der Sozialarbeit, und die dadurch wachsenden Chancen, in der Sozi- alwirtschaft Unternehmensgewinne zu erzielen, werden das Fundraising als Finanzierungsstrategie nicht sonderlich fördern. Es sei denn, man konzen- triert sich auf die selten werdenden „weißen Fle- cken“ in der sozialarbeiterischen Landkarte, für die noch keine offiziellen Finanzierungsformen ent- wickelt wurden. Das Fundraising wird auch zuwei- len im Aufwand / Ertragsverhältnis überschätzt, mit entsprechender Vernachlässigung von sehr interes- santen Finanzierungsformen; wie zum Beispiel der Finanzierung durch Mezzanine-Kapital, durch ge- schlossene Immobilienfonds, durch, allerdings steu- errechtlich komplizierte, Erlöse aus Sozialbetrieben und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben, sowie der Finanzierung am Kapitalmarkt. Investitionsfinanzierung von Sozialimmobilien Die Investitionsentscheidungen im Sozialbereich werden weitgehend entpolitisiert und methodisch von politischen Bedarfsvorstellungen abgekoppelt. Standortanalysen, Marktforschung, Konkurrenz- analyse, Konzeptqualität und Managementkapazitä- ten sind die wichtigen Entscheidungsparameter und bilden die Basis für die Investitionsfinanzierung. Die Sozialimmobilie muss durch Belegung, und nicht durch Zusagen von öffentlichen Zuschüssen finanziert werden; die Auslastungsquote wird zur entscheidenden Größe. Der Klient, und nicht die Immobilie, wird gefördert: im tagesbezogenen Leistungsentgelt des Klienten steckt mit dem In- vestitionsanteil jedoch die Möglichkeit zur Re- finanzierung der getätigten Investitionen. Die Politik beschränkt sich auf die Angebotssteuerung durch Betriebserlaubnisverfahren, Versorgungs- verträge und Qualitätsvereinbarungen. Bauliche, personelle und konzeptionelle Mindeststruktur- merkmale werden durch die Politik definiert und als Garanten für sozialpädagogische Fachlichkeit gesetzt. Investitionen sehen einen Kapitalbedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt, wobei die Rückflüsse aus dem Kapital erst in Folgeperioden der Zukunft stattfinden. Die Ermittlung des Kapitalbedarfs, die Liquiditätsplanung zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit des sozialen Unternehmens, die Investitionsplanung und Investitionsrechnun- gen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens führen zu Investitionsentscheidungen und in der Folge zu Finanzierungsentscheidungen und zu einem Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdkapital. Literatur BBJ-Consult (1996): Wahrnehmung sozialstaatlicher Aufga- ben. Risiko und Chancen gemeinnütziger Träger. BBJ- Consult Info 46, Berlin – (1994): Info. BBJ-Consult Info 39/40, Berlin – (1989): Öffentliche Finanzierung von Maßnahmen und Projekten. Leitfaden durch das Zuwendungsrecht. BBJ- Consult Info 19/20, Berlin Halfar, B. (2010): Wirkungsorientiertes NPO-Controlling (hrsg. v. International Group of Controlling), Haufe Ver- lag, Freiburg – (2008): Von der Pflegesatzlogik zum Betriebsergebnis – Kos- tenmanagement in der Hilfe für Menschen mit Behinde- rung. In: König, J., Oerthel, Ch., Puch, H.J. (Hrsg.): In Soziales investieren – mehr Werte schaffen. Buch&Media, München, 333–340 – (1999): Finanzierung sozialer Dienste und Einrichtungen. NOMOS, Baden-Baden Luhmann, N. (1993): Soziologische Aufklärung, 5. Kon- struktivistische Perspektiven. Westdeutscher Verlag, Opla- den Münder, J. (1994): Die Übernahme sozialstaatlicher Aufga- ben durch Freie Träger – Eine Falle für die Freien Träger? In: BBJ-Consult Info 40, Berlin Neumann, V. (1992): Freiheitsgefährdung im kooperativen Sozialstaat. Carl Heymanns, Köln

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