Handbuch 5. Auflage

550 Karsten  gik genderqualifiziertes Denken und Handeln vo- ranzubringen. Die 5-R-Methode unterstützt dabei, Gender- Mainstreaming in allen Aspekten von Programm- und Maßnahmenentwicklungen, von der alltägli- chen Einzelinteraktion bis zu großpolitischen Programmen entsprechend zu berücksichtigen. Die Methode ermöglicht im Alltag wie in sozialen Institutionen angemessene Fragen zu stellen und so Qualität von Analysen und Handlungsweisen si- cherzustellen. Sie ist auch für nichtakademische Fachkräfte und Bürgerinnen und Bürger nutzbar, da sie nicht festgelegt ist auf z. B. wissenschaftliche Maßstäbe empirischer Sozialforschung. Sie trägt dadurch für alle Beteiligten zur Erarbeitung von Wissen und zur Dauerbeobachtung des Feldes der Realisierung des Gender-Mainstreaming bei. Im Einzelnen geht es um folgende Schritte regel- mäßig wiederkehrender Analysen: „Repräsentation“ meint erstens die vor allem ■ ■ quantitative Beteiligung am gesellschaftlichen Le- ben. Am Beispiel einer Kindereinrichtung sind we- sentliche Fragen: Wie viele Mädchen und Jungen bzw. Erzieher(innen), Mütter und Väter werden von einer Kindereinrichtung erreicht? Wie viele Mäd- chen und Jungen bzw. Erzieher(innen) und Eltern wirken in der Kindereinrichtung mit? Wer profitiert für welche tägliche Dauer und wie lange im Kin- derleben von diesem sozial- und elementarpäda- gogischen Lebens- und Bildungsraum? Welche zeitlichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten werden für Mütter und Väter in der Gestaltung ih- res Arbeits-, Bildungs- oder gesellschaftlichen Teil- habelebens hierdurch ermöglicht? „Ressourcen“ fragt zweitens danach: Wer kann ■ ■ nach Geschlecht über welche Mittel von Zeit, Geld, politischer und wirtschaftlicher Macht, physischem Raum, Know-how, Bildung und Zugang zu Ausbil- dung, Zugang zu Netzwerken, aber auch neuen Technologien verfügen? Dazu gehören auch die Gesundheitsversorgung, dieWohnverhältnisse und Bewegungsmöglichkeiten im sozialen Nah- und Fernraum. Um zu erarbeiten, wie die beweglichen Mittel von Geld, Raum und Zeit als Modi der Ver- gesellschaftung in einer Einrichtung verteilt sind, empfehlen sich geschlechtsspezifische Mittelfluss- analysen. Bei der Frage nach Raum und Zeit ist zu beschreiben, in welcher Weise Mädchen und Jun- gen sowie Erzieher(innen) und Eltern – vorrangig Mütter – Raum nehmen oder bekommen und in welcher Art und Weise sie diesen nutzen. Solche Möglichkeitsräume begründen soziale Rechte. „Rechte“ drittens bedeutet dann: Haben Mädchen ■ ■ und Jungen, Mütter und Väter, Adressat(inn)en und die sozialpädagogischen Fachfrauen und Fach- männer die gleichen Rechte, die gleichen Rede- und Kommunikationsanteile, die gleichen Chan- cen, die gleichen Anregungen, die gleichen Aufmerksamkeiten und Anerkennungen, das glei- che Wissen oder Zugänge zu Wissen, also soziale, sozialpolitische und rechtlich kodifizierte Bedin- gungen und Gestaltungsmöglichkeiten? „Realitäten“ viertens setzen sich auseinander mit ■ ■ Normen undWerten, die Geschlechterrollen beein- flussen wie z.B. Arbeitsteilung nach Geschlecht, Einstellungen, Verhalten und vor allem die Wert- schätzungen und Anerkennungen. Hier wird nach den Ursachen der festgestellten Repräsentation und der Ressourcenverteilung zwischen den Ge- schlechtern und ihren Veränderungsmöglichkeiten in der Sozialpädagogik geforscht, um Konsequen- zen für zukünftiges Handeln, Denken und Forschen entwickeln zu können. Und schließlich sind es fünftens die „Resultate“ im ■ ■ Hinblick auf Chancengleichheit und Gender-Ge- rechtigkeit für alle die sichtbar gemacht werden, um somit die geschlechtsspezifischen Benachtei- ligungen und Bevorzugungen herauszuarbeiten. Es sind also mehrere Arbeitsschritte notwendig. Weitere Konzepte, die ebenfalls für die Sozialpäda- gogik bedeutsam sein könnten, verbinden diese Strategien mit Fragen der Inklusion/Exklusion wie integratives Gendering. Oder die Konzepte konzen- trieren sich als Gender-Budgeting darauf, in allen sozialpädagogischen Finanzierungsbereichen und -feldern die sozialen Gender-Konstrukte aufzufin- den, zu diskutieren und neu zu gestalten – von der Subjektfinanzierung bis zu den Sozialhaushalten auf kommunaler Ebene über Landes- und Bundes- bis in die Europaebene hinein.

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