Handbuch 5. Auflage

626 Homfeldt · Sting  Systemimmanente wie auch professionell begrün- dete Hürden aufgrund unterschiedlicher Betrach- tungshorizonte schaffen nach wie vor frühzeitige Grenzen in der Zusammenarbeit. Für eine gelin- gende Kooperation ist nicht nur eine klare Vor- stellung von den eigenen Aufgaben vonnöten, sondern auch von denjenigen des Kooperations- partners. Um die Kooperation zwischen Sozialer Arbeit, Gesundheitswesen und Behindertenhilfe zu verbessern, sind Anschlussstellen in den einschlägi- gen Paragrafen der Sozialgesetzbücher V, VIII und IX zu schaffen. Gesundheitsförderung und Soziale Arbeit Gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung – begriffliche Näherungen Gesundheitsförderung und Prävention lassen sich als komplementäre Strategien zur Verbesserung und zum Erhalt von Gesundheit verstehen. Bezieht sich Gesundheitsförderung vorrangig auf Gesundheits- ressourcen, so bezieht sich Prävention auf Gesund- heitsrisiken. Beiden obliegt jedoch die Aufgabe, Ge- sundheit und die gesundheitliche Chancengleichheit einer Bevölkerung zu verbessern. Prävention lässt sich in einer groben Annäherung als „vorbeugendes Eingreifen“ beschreiben, als Verhin- derung von Krankheiten und Vermeidung von ge- sundheitlichen Belastungen. Im Präventionsdiskurs hat sich eine dreistufige Gliederung entlang des In- terventionszeitpunktes durchgesetzt – eine Differen- zierung in primäre, sekundäre und tertiäre Präven- tion. Primärprävention setzt vor dem Auftreten von Auffälligkeiten und Belastungen ein und konzen- triert sich auf die Förderung allgemeiner Schutzfak- toren. Sekundärprävention ist mit dem Auftreten erster Risikoindikatoren verknüpft und zielt auf die Reduktion von Gesundheitsrisiken in gesundheits- gefährdeten Gruppen. Tertiärprävention strebt – nach der Überwindung einer gesundheitlichen Problema- tik – die Vermeidung von Rückfällen an und ist eng mit der Rehabilitation verbunden (Homfeldt /Sting 2006, 158f.). Das dreiteilige Präventionsschema orientiert sich stark am biomedizinischen Behandlungs- und Krankheitsmodell, was zu einem Vorrang indivi- dualisierender, personenbezogener Zugänge in der Prävention führt. Aufgrund von Überschneidun- gen und Zuständigkeitsproblemen wird gegenwär- tig eine Unterteilung nach Zielgruppen favorisiert, die jedoch keine Neuausrichtung der präventiven Zugänge mit sich bringt. Demnach richtet sich die „universelle Prävention“ an die Allgemeinbevölke- rung, während sich die „selektive Prävention“ an besonders gefährdete Risikogruppen wendet und sich die „indizierte Prävention“ mit Personen be- schäftigt, die bereits manifeste Gesundheitspro- bleme aufweisen (Franzkowiak 2006, 30). Gesundheitsförderung ist im Gegensatz zur eher ver- haltens- und personenbezogenen Prävention ur- sprünglich als gesundheitspolitisches Aktionspro- gramm gedacht. Deshalb erscheint eine einfache Gleichsetzung oder die Verwendung von Gesund- heitsförderung anstelle von Prävention wenig sinn- voll. Im Sinne einer Ressourcenaktivierung ist Gesundheitsförderung inzwischen „ein Quer- schnittsaspekt jeder modernen Gesundheitssiche- rung, dessen Ausbau nicht nur in der Prävention, sondern ebenso auch in der Kuration, in der Pflege wie in der Rehabilitation notwendig ist“ (Rosen- brock /Kümpers 2006, 248). Wichtige Merkmale von Gesundheitsförderung sind das Ziel, den Men- schen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und der Fokus auf die Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten. „Den Kern von Gesundheitsförderung bildet die Analyse und Stärkung von Gesundheitsressourcen und gesundheitlichen Potentialen von Menschen, ihren Lebenswelten und den übergreifenden gesell- schaftlichen Strukturen“ (Franzkowiak 2006, 18). Während es auf der begrifflichen Ebene notwendig ist, zwischen Prävention und Gesundheitsför- derung zu unterscheiden, um die unterschiedlichen Akzentsetzungen zu verdeutlichen, wird in der Praxis für eine Kombination von person- und strukturbezogenen Ansätzen sowie von krankheits- und ressourcenorientierten Arbeitsweisen plädiert. Im Rahmen von „Settings“ wie Betrieben, Kran- kenhäusern, Schulen oder Gemeinden scheint ein „spezifischer Mix“ von Maßnahmen zur Präven- tion, zur Gesundheitsbildung und zur Gesund- heitsförderung den größten Gesundheitsgewinn bei den jeweiligen Zielgruppen zu versprechen.

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